Was sind Supervulkan-Calderen und wie füllen sie sich wieder?
Supervulkan-Calderen sind riesige Krater, die entstehen, wenn gewaltige Eruptionen unterirdische Magmakammern entleeren und die Oberfläche einstürzen lassen. Wissenschaftler entdecken nun, wie sich diese gigantischen Speicher über Tausende von Jahren mit frischem Magma wieder aufladen.
Die größten Eruptionen hinterlassen die größten Löcher
Ein Supervulkan ist keine eigene Art von Vulkan, sondern eine Klassifizierung für jeden Vulkan, der eine Eruption der Stärke 8 auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI) hervorgebracht hat – der höchsten Stufe auf der Skala. Solche Eruptionen schleudern mehr als 1.000 Kubikkilometer Gestein, Asche und Lava bei einem einzigen Ereignis aus und stellen alles in den Schatten, was in der aufgezeichneten Menschheitsgeschichte bekannt ist. Zum Vergleich: Die Eruption des Mount St. Helens im Jahr 1980 hatte einen VEI von 5 – eine Supereruption ist mindestens tausendmal größer.
Was diese Eruptionen hinterlassen, ist ebenso dramatisch: eine Caldera, eine riesige, schüsselförmige Senke, die sich bildet, wenn die entleerte Magmakammer das darüber liegende Gestein nicht mehr tragen kann. Die Oberfläche stürzt einfach nach innen ein und bildet Krater, die sich über mehr als 50 Kilometer erstrecken können.
Wie eine Caldera entsteht
Der Prozess läuft in Phasen ab. Tief unter der Erdkruste sammelt sich Magma, das aus dem Erdmantel aufsteigt, in einem Reservoir, manchmal über Hunderttausende von Jahren. Wenn der Druck schließlich die Festigkeit des darüber liegenden Gesteins überwindet, beginnt die Eruption – wobei enorme Mengen an pyroklastischem Material und Asche hoch in die Stratosphäre geschleudert werden.
Wenn sich die Magmakammer schnell entleert, folgt eine strukturelle Krise. Die Decke der Kammer, die nun nicht mehr gestützt wird, bricht entlang kreisförmiger Ringverwerfungen und fällt wie ein Kolben in den Hohlraum darunter. Das Ergebnis ist eine Caldera – nicht der spitze Kegel, den sich die meisten Menschen vorstellen, wenn sie an einen Vulkan denken, sondern ein breites, abgesenktes Becken, das sich später mit Wasser füllen und einen See bilden kann.
Die bekannten Supervulkane der Erde
Nur eine Handvoll Vulkansysteme haben bestätigte VEI-8-Eruptionen hervorgebracht und sind geologisch aktiv:
- Yellowstone (Wyoming, USA) – hatte seinen letzten Superausbruch vor etwa 630.000 Jahren und schuf die 70 km breite Yellowstone-Caldera. Darunter befinden sich zwei Magmakörper: ein flacheres Rhyolith-Reservoir in 5–17 km Tiefe und ein tieferer Basaltkörper, der sich bis zu 50 km erstreckt, so der U.S. Geological Survey.
- Toba (Sumatra, Indonesien) – brach vor etwa 74.000 Jahren bei einem Ereignis aus, das möglicherweise einen globalen vulkanischen Winter auslöste, der Jahre dauerte.
- Taupō (Neuseeland) – produzierte die jüngste Supereruption vor etwa 25.600 Jahren, die Oruanui-Eruption.
- Kikai (Japan) – obwohl seine größte bekannte Eruption vor 7.300 Jahren eher VEI-7 als VEI-8 war, war sie die stärkste Eruption des gesamten Holozäns.
Wie sich Magmareservoirs wieder aufladen
Eine seit langem bestehende Frage in der Vulkanologie ist, was mit diesen Systemen passiert, nachdem sie explodiert sind. Eine im März 2026 in Communications Earth & Environment veröffentlichte Forschungsarbeit von Wissenschaftlern der Universität Kobe bietet eine überzeugende Antwort. Das Team untersuchte die Kikai-Caldera in Japan mit seismischer Bildgebung und stellte fest, dass sich das Magmareservoir unter dem Vulkan aktiv wieder auffüllt – nicht mit Restschmelze aus der alten Eruption, sondern mit neu injiziertem Magma, das aus tieferen Schichten der Erde aufsteigt.
Die Forscher schlagen ein allgemeines „Magma-Reinjektionsmodell“ vor, das für alle riesigen Calderen gelten könnte. Frisches, heißes basaltisches Magma steigt aus dem Erdmantel auf und sammelt sich unter dem Calderaboden. Über Jahrtausende differenziert und akkumuliert sich dieses Material und baut allmählich das Reservoir wieder auf, das die vorherige Eruption entleert hat. Das gleiche Muster scheint mit Beobachtungen in Yellowstone und Toba übereinzustimmen.
Sollte sich jemand Sorgen machen?
Die Vorstellung, dass sich ein Supervulkan „wieder auflädt“, klingt alarmierend, aber der Kontext ist wichtig. Studien schätzen, dass VEI-8-Eruptionen eine Wiederholungsperiode von etwa 17.000 Jahren haben und die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche im nächsten Jahrhundert auftritt, bei etwa 0,12 Prozent liegt. Keine Überwachungsdaten von Yellowstone, Toba oder Kikai deuten auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption hin.
Sollte es jedoch zu einer Supereruption kommen, wären die Folgen katastrophal. Nahe gelegene Regionen würden unter meterdicken Asche- und pyroklastischen Ablagerungen begraben. Weltweit würden riesige Mengen an Schwefeldioxid, die in die Stratosphäre gelangen, das Sonnenlicht blockieren und einen vulkanischen Winter auslösen, der 15 bis 20 Jahre andauert – die Landwirtschaft verwüsten, Wettermuster stören und Ökosysteme in eine Krise stürzen würde.
Vorerst bieten Supervulkan-Calderen Wissenschaftlern ein Fenster in die tiefen Kanäle der Erde. Zu verstehen, wie sich ihre Magmareservoirs wieder auffüllen, ist nicht nur akademische Neugierde – es ist eine wesentliche Grundlage für die Bewertung des langfristigen vulkanischen Risikos auf einem Planeten, der tief unter seiner Oberfläche nie aufhört zu brodeln.
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