Wie Wasserstoff-Brennstoffzellen schwere Lkw antreiben
Wasserstoff-Brennstoffzellen wandeln Wasserstoffgas durch eine elektrochemische Reaktion in Elektrizität um, wobei lediglich Wasser als Nebenprodukt entsteht. Hier wird erklärt, wie die Technologie funktioniert und warum die Lkw-Branche auf sie setzt.
Warum Lkw eine neue Energiequelle benötigen
Schwere Lkw sind für einen unverhältnismäßig hohen Anteil der Transportemissionen verantwortlich, obwohl sie nur einen kleinen Teil der Fahrzeuge auf der Straße ausmachen. Batterieelektrische Antriebe funktionieren gut für Pkw und Transporter im Kurzstreckenverkehr, aber der Fernverkehr mit Lkw erfordert etwas, womit Batterien zu kämpfen haben: hohe Energiedichte, schnelles Betanken und die Fähigkeit, schwere Lasten über Hunderte von Kilometern zu transportieren, ohne stundenlang zum Aufladen anhalten zu müssen.
An dieser Stelle kommen Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEVs) ins Spiel. Sie kombinieren die Vorteile von Elektromotoren ohne Emissionen mit Reichweiten und Betankungszeiten, die mit denen von Diesel vergleichbar sind. Das Verständnis ihrer Funktionsweise zeigt, warum große Hersteller – Volvo, Daimler Truck, Toyota und Hyundai – Milliarden in die Technologie investieren.
Wie eine PEM-Brennstoffzelle funktioniert
Der in Fahrzeugen am häufigsten verwendete Typ ist die Protonenaustauschmembran-Brennstoffzelle (PEM). Sie erzeugt Elektrizität durch eine elektrochemische Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff – im Wesentlichen die Umkehrung der Elektrolyse.
Im Inneren der Brennstoffzelle befindet sich eine dünne Polymermembran, die zwischen zwei Elektroden eingebettet ist: einer Anode (negative Seite) und einer Kathode (positive Seite). Der Prozess läuft in drei Schritten ab:
- Wasserstoffspaltung: Wasserstoffgas tritt in die Anode ein, wo ein Platinkatalysator jedes H₂-Molekül in zwei Protonen und zwei Elektronen aufspaltet.
- Elektronenumleitung: Die Membran lässt Protonen durch, blockiert aber Elektronen und zwingt sie so, durch einen externen Stromkreis zu wandern. Dieser Elektronenfluss ist der elektrische Strom, der den Motor des Lkw antreibt.
- Wasserbildung: An der Kathode verbinden sich Protonen, Elektronen und Sauerstoff aus der Luft zu Wasserdampf – der einzigen Emission am Auspuff.
Eine einzelne Brennstoffzelle erzeugt eine bescheidene Spannung, daher werden Hunderte von einzelnen Zellen zu einem Brennstoffzellenstapel zusammengefügt, um genügend Leistung zu erzeugen, um einen schweren Lkw anzutreiben, so das U.S. Department of Energy.
Leistung auf der Straße
Brennstoffzellen-Lkw speichern Wasserstoff in Hochdrucktanks, typischerweise bei 350 oder 700 bar. Auch die Speicherung von flüssigem Wasserstoff kommt auf, was Reichweiten von weit über 1.000 Kilometern mit einer einzigen Füllung bei Volllast ermöglicht, so die Volvo Group. Das Betanken dauert etwa fünf bis fünfzehn Minuten – vergleichbar mit Diesel und deutlich schneller als das Aufladen von Batterien.
PEM-Brennstoffzellen arbeiten bei relativ niedrigen Temperaturen (50–100 °C) und erreichen einen elektrischen Wirkungsgrad von 40–60 Prozent, was höher ist als der thermische Wirkungsgrad eines herkömmlichen Verbrennungsmotors von etwa 25–35 Prozent. Sie liefern auch das für elektrische Antriebe typische sofortige Drehmoment, das den Fahrern eine sanfte, reaktionsschnelle Beschleunigung auch bei schweren Lasten ermöglicht.
Die Herausforderung des grünen Wasserstoffs
Ein Brennstoffzellen-Lkw ist nur so sauber wie der Wasserstoff, den er verbrennt. Etwa 96 Prozent des globalen Wasserstoffs werden immer noch aus fossilen Brennstoffen hergestellt – sogenannter „grauer Wasserstoff“ –, der bei der Produktion erhebliche Kohlenstoffemissionen verursacht, so die Fuel Cell & Hydrogen Energy Association.
Grüner Wasserstoff, der durch die Spaltung von Wasser mit erneuerbarem Strom (Elektrolyse) erzeugt wird, eliminiert diese vorgelagerten Emissionen, ist aber nach wie vor teuer. Die aktuellen Kosten liegen zwischen etwa 2,30 und 7,40 US-Dollar pro Kilogramm, verglichen mit 0,70–1,30 US-Dollar für grauen Wasserstoff. Der Ausbau der Elektrolyseurkapazität und die Senkung der Kosten für erneuerbaren Strom sind entscheidend, um diese Preiskluft zu schließen.
Infrastruktur: Der größte Engpass
Selbst der beste Brennstoffzellen-Lkw ist nutzlos, wenn es keine Möglichkeit zum Betanken gibt. Wasserstofftankstellen sind außerhalb kleinerer Ballungsräume in Kalifornien, Teilen Deutschlands, Südkorea und China nach wie vor rar. Der Aufbau eines kontinentalen Netzes erfordert enorme Kapitalinvestitionen in Produktionsanlagen, Pipelines oder Tankerflotten und Stationshardware.
Die Regierungen reagieren. Die Vereinigten Staaten haben über den Infrastructure Investment and Jobs Act 8 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung von sieben regionalen Zentren für sauberen Wasserstoff bereitgestellt. Die europäische Initiative H2Accelerate plant den Einsatz von 150 schweren Brennstoffzellen-Lkw bis 2029, und Daimler Truck hat die Kleinserienproduktion seines Mercedes-Benz NextGenH2 Truck ab Ende 2026 angekündigt, wie das Unternehmen bestätigte.
Wie es weitergeht
Wasserstoff-Brennstoffzellen werden Batterien nicht überall ersetzen. Für kurze Stadtstrecken sind batterieelektrische Lkw einfacher und kostengünstiger zu betreiben. Aber für den Fernverkehr, den Kühltransport und Strecken, bei denen Gewicht und Reichweite am wichtigsten sind, bieten Brennstoffzellen eine überzeugende emissionsfreie Alternative. Da die Kosten für grünen Wasserstoff sinken und die Betankungsnetze ausgebaut werden, ist die Technologie gut positioniert, um zu einem festen Bestandteil der Schwerlastlogistik zu werden – nicht als Konkurrent zu Batterien, sondern als Ergänzung.
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