Fico vergleicht EU mit „Selbstmordkommando“ und fordert Dialog mit Russland
Der slowakische Premierminister Robert Fico bezeichnete die EU nach einem Telefonat mit Viktor Orbán als „Selbstmordkommando“ in Bezug auf die Energiesicherheit und forderte die Aufhebung der Sanktionen gegen russisches Gas und Öl, die Wiederherstellung der Druschba-Pipeline und ein dringendes Ende des Krieges in der Ukraine.
Fico und Orbán machen gemeinsam Druck auf Brüssel
Der slowakische Premierminister Robert Fico hat am Samstag, dem 4. April, nach einem Telefonat mit dem ungarischen Premierminister Viktor Orbán die Energiepolitik der Europäischen Union scharf angegriffen. In einem Beitrag in den sozialen Medien bezeichnete er die EU und die Europäische Kommission als „Selbstmordkommando“ und forderte eine sofortige Rückkehr zum Dialog mit Russland.
„Ich fordere nichts anderes als die Rückkehr des gesunden Menschenverstandes. Die gesamte EU und insbesondere die Europäische Kommission beginnen in Fragen der Energiesicherheit einem Selbstmordkommando zu ähneln", schrieb Fico. Der Premierminister warf Brüssel gleichzeitig „ideologische Verblendung und Inkompetenz" vor.
Drei konkrete Forderungen
Fico formulierte drei Hauptforderungen an Brüssel:
- Aufhebung der Sanktionen, die den Import von Gas und Öl aus Russland verbieten, die er als „unsinnig" bezeichnete
- Wiederaufnahme des Betriebs der Druschba-Pipeline, die er als entscheidend für die regionale Stabilität ansieht
- Eigenständige Initiative der EU zur dringenden Beendigung des Konflikts in der Ukraine
Laut Fico kann die enorme Energiekrise nicht nur auf nationaler Ebene bekämpft werden. Er fordert, dass die EU „politische und rechtliche Rahmenbedingungen" schafft, die es den Mitgliedstaaten ermöglichen, ihre Gas- und Ölreserven „aus allen möglichen Quellen und Richtungen, einschließlich Russland, aufzufüllen."
Orbán legt nach: Jeder Tag zählt
Der ungarische Premierminister Orbán vertrat eine ähnlich harte Position. Er warnte, dass sich Europa jeden Tag einer schweren Energiekrise nähere, und forderte die EU auf, „den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu zwingen, die Druschba-Pipeline sofort wieder zu öffnen." Beide Staats- und Regierungschefs waren sich einig, dass ihre Regierungen ihr Möglichstes tun, um die nationalen Volkswirtschaften zu schützen.
Kontext: Krieg gegen den Iran und Preisschock
Ficos Äußerungen fallen in eine Zeit beispiellosen Energiedrucks. Der Krieg gegen den Iran, der im Februar 2026 ausbrach, und die Schließung der Straße von Hormus haben zu einem dramatischen Anstieg der Energiepreise geführt. Nach Angaben des europäischen Energiekommissars Dana Jørgensen sind die Ölpreise in der EU um 60 % und die Gaspreise um 70 % gestiegen. Die europäischen Gasspeicher waren nach einem harten Winter auf einem historischen Tiefstand – etwa 30 % der Kapazität.
Unter diesem Druck hat die EU bereits einen Vorschlag für ein dauerhaftes Verbot von russischem Öl verschoben. Die offizielle Position Brüssels bleibt jedoch unversöhnlich – laut CNBC bezeichnete die Europäische Kommission die Rückkehr zu russischen Energieträgern als „strategischen Fehler."
Fico ist nicht allein, aber auch nicht Mainstream
Fico und Orbán sind nicht die Einzigen, die eine Kursänderung fordern. Auch der belgische Premierminister Bart De Wever hat sich offen für eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland und den Zugang zu billiger Energie ausgesprochen. Dennoch steht die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten hinter der Sanktionspolitik.
Die slowakische Opposition reagiert kritisch. Der Vorsitzende der Progressiven Slowakei, Michal Šimečka, behauptet wiederholt, dass Fico in Brüssel „überhaupt nichts erreicht" habe und das Land nur international isoliere. Ficos Äußerungen vertiefen somit die Polarisierung der slowakischen politischen Szene in einer Zeit, in der Mitteleuropa mit der schwersten Energiekrise der letzten Jahrzehnte zu kämpfen hat.
Bleib auf dem Laufenden!
Folge uns auf Facebook für die neuesten Nachrichten und Artikel.
Folge uns auf Facebook