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Hatte der Mars einen Ozean? Was die Beweise zeigen

Seit fast vier Jahrzehnten debattieren Wissenschaftler darüber, ob der Mars einst einen riesigen nördlichen Ozean beherbergte. Neue geologische Beweise, darunter ein kontinentaler Schelf als 'Badewannenring', untermauern die These, dass ein Drittel des Roten Planeten einst unter Wasser lag.

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Redakcia
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Hatte der Mars einen Ozean? Was die Beweise zeigen

Eine jahrzehntelange Frage erhält neue Antworten

War der Rote Planet einst blau? Seit 1987, als der Physiker John E. Brandenburg erstmals vorschlug, dass ein "Paläo-Ozean" einst die nördlichen Tiefebenen des Mars füllte, streiten Wissenschaftler darüber, ob sich flüssiges Wasser tatsächlich in planetarischem Maßstab auf der Marsoberfläche sammelte. Die Hypothese, bekannt als Mars-Ozean-Hypothese, besagt, dass ein alter Wasserkörper namens Oceanus Borealis einst etwa ein Drittel des Mars bedeckte – eine Fläche, die mit dem Arktischen Ozean der Erde vergleichbar ist.

Die Debatte schwankte jahrzehntelang hin und her. Aber eine wachsende Anzahl von Beweisen – von Orbitalradar über Flussdelta-Kartierungen bis hin zu einem neu entdeckten "Badewannenring" – lässt die Waage in Richtung einer feuchteren Mars-Vergangenheit ausschlagen.

Der Kontinentalschelf, der nicht da sein sollte

Im April 2026 veröffentlichte ein Team unter der Leitung des Geologen Abdallah Zaki und des Caltech-Professors Michael Lamb eine bahnbrechende Studie in Nature, in der ein geologisches Merkmal beschrieben wurde, das auf dem Mars noch nie zuvor identifiziert worden war: ein Kontinentalschelf.

Auf der Erde sind Kontinentalschelfe die sanft abfallenden Unterwasserverlängerungen von Küstenlinien. Ihre Entstehung dauert Millionen von Jahren stabiler Meeresbedingungen. Die Forscher testeten ihre Methode zunächst auf der Erde, indem sie die Ozeane der Erde rechnerisch "trockenlegten", um zu sehen, welche geologischen Signaturen sichtbar blieben. Kontinentalschelfe stachen deutlich hervor.

Als sie die gleiche Analyse auf topografische Daten des Mars anwendeten, fanden sie ein analoges flaches Band – mehrere hundert Kilometer breit –, das sich zwischen Höhen von −1.800 m und −3.800 m um die nördliche Hemisphäre zog. Innerhalb dieses Bandes identifizierten sie Küstensedimente, Flussdeltas und Sedimentkanäle, die alle mit einer langlebigen Küstenlinie übereinstimmten.

"Der Schelf ist eine neue Beobachtung, die Beweise dafür zusammenführt, wie die Küstenzone ausgesehen haben könnte." — Abdallah Zaki, University of Texas at Austin

Warum Küstenlinien allein nicht ausreichten

Frühere Versuche, die Ozean-Hypothese zu beweisen, stützten sich stark auf die Identifizierung alter Küstenlinien. Wissenschaftler fanden zwei mögliche – namens Arabia und Deuteronilus –, die sich über Tausende von Kilometern in der Nähe der nördlichen Tiefebenen erstreckten. Das Problem? Ihre Höhen variieren erheblich, was Kritiker als unvereinbar mit einer einzigen, stabilen Meeresoberfläche anführten.

Ein Kontinentalschelf umgeht dieses Problem vollständig. Wie Lamb erklärte: "Es gibt kaum etwas auf der Erde, das so alt ist; alles auf dem Mars aus dieser Zeit wurde durch Milliarden von Jahren Wind, der weht, und Vulkane, die ausbrechen, erodiert." Ein Schelf ist ein robusterer geologischer Fingerabdruck als eine Küstenlinie – einer, der auch nach Äonen der Erosion bestehen bleibt.

Konvergierende Beweisketten

Die Schelf-Entdeckung steht nicht allein. Mehrere unabhängige Studien haben einen überzeugenden Indizienbeweis erbracht:

  • Flussdeltas auf Meereshöhe: Eine Studie aus dem Jahr 2010 fand 17 Flussdeltas, die alle in Höhen enden, die mit dem vorgeschlagenen Meeresspiegel übereinstimmen.
  • Tsunami-Ablagerungen: Forschungen aus dem Jahr 2016 identifizierten Kanäle und Geröllfelder, die mit massiven Tsunami-Ereignissen übereinstimmen – die einen großen Wasserkörper erfordern.
  • Deuteriumverhältnisse: Die Marsatmosphäre enthält achtmal mehr Deuterium (schweren Wasserstoff) als die Erde, was darauf hindeutet, dass der Planet einst viel mehr Wasser enthielt, das allmählich ins All verloren ging.
  • Fächerdeltas in Valles Marineris: Eine Studie vom Januar 2026 in npj Space Exploration fand kegelförmige Ablagerungen in Coprates Chasma, alle in identischen Höhen um 3.700 Meter, datiert auf etwa 3,37 Milliarden Jahre.

Wohin ist das Wasser verschwunden?

Wenn der Mars vor etwa 4,1 bis 3,8 Milliarden Jahren einen Ozean hatte, der ein Drittel seiner Oberfläche bedeckte, stellt sich natürlich die Frage: Wohin ist er verschwunden? Wissenschaftler schlagen mehrere Mechanismen vor. Ein Großteil davon entwich wahrscheinlich ins All, als der Mars sein Magnetfeld verlor und der Sonnenwind die Atmosphäre abtrug. Ein Teil davon gefror in der unterirdischen Kryosphäre – Eisschichten, die unter dem Regolith eingeschlossen sind. Jüngste Studien deuten darauf hin, dass sich möglicherweise noch beträchtliche Mengen an flüssigem Wasser 3 bis 5 Meilen unter der Oberfläche befinden.

Warum es über den Mars hinaus von Bedeutung ist

Ein stabiler, langlebiger Ozean hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Astrobiologie. Küstensedimente auf der Erde gehören zu den besten Umgebungen für die Erhaltung von Spuren alten Lebens. Wenn der Kontinentalschelf des Mars ähnliche Ablagerungen beherbergt, könnte er die Suche zukünftiger Rover – und schließlich Astronauten – nach Biosignaturen leiten.

Die Frage, ob der Mars einst einen Ozean hatte, ist keine abwegige Spekulation mehr. Mit jeder neuen Entdeckung wird es schwieriger, die These von einem einst blauen Roten Planeten zu verwerfen.

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