Tesla drängt auf FSD-Zulassung in Europa
Tesla hat 1,6 Millionen Testkilometer in Europa absolviert und hofft auf eine Zulassung ab April 2026 — doch US-Sicherheitsbedenken und verschobene Fristen werfen Fragen auf.
1,6 Millionen Kilometer — und trotzdem kein grünes Licht
Tesla steht vor einem entscheidenden Meilenstein auf dem Weg zur europäischen Zulassung seines Fahrassistenzsystems Full Self-Driving (FSD). Nach eigenen Angaben hat der US-Elektroautobauer mehr als 1,6 Millionen Kilometer auf europäischen Straßen getestet, über 13.000 Mitfahrten mit Kunden durchgeführt und 4.500 Testszenarien auf Teststrecken absolviert. Elon Musk bekräftigte am 28. März erneut, dass nur regulatorische Bürokratie die Einführung in Europa verzögere.
Doch die Realität ist komplizierter: Die niederländische Fahrzeugbehörde RDW, Teslas wichtigster Zulassungspartner in der EU, hat den ursprünglichen Genehmigungstermin bereits mehrfach verschoben — zuletzt vom 20. März auf den 10. April 2026. Eine EU-weite Einführung wird frühestens im Sommer erwartet.
Level 2 statt Vollautonomie
Trotz des Namens „Full Self-Driving" handelt es sich bei Teslas System um ein Level-2-Assistenzsystem. Das bedeutet: Der Fahrer muss jederzeit aufmerksam bleiben und in komplexen Situationen eingreifen. Tesla selbst beschreibt das System als „überwachungspflichtig" mit eskalierenden Warnungen. In Deutschland soll FSD 7.500 Euro kosten.
Für die Zulassung verfolgt Tesla den Weg über die UN-Regelung R-171 und sogenannte Artikel-39-Ausnahmen. Erhält die RDW die Genehmigung, können andere EU-Staaten diese durch gegenseitige Anerkennung übernehmen — ein strategischer Vorteil des niederländischen Zulassungswegs.
US-Sicherheitsbehörde verschärft Untersuchung
Parallel zur europäischen Zulassungsoffensive wächst in den USA der Druck. Die NHTSA hat ihre Untersuchung von Teslas FSD-System auf eine sogenannte Engineering Analysis hochgestuft — die letzte Stufe vor einem möglichen Rückruf. Betroffen sind 3,2 Millionen Fahrzeuge. Im Fokus steht die Frage, ob das kamerabasierte System bei eingeschränkter Sicht durch Sonnenlicht, Nebel oder Staub ausreichend reagiert.
Besonders problematisch: Die NHTSA identifizierte neun Unfälle im Zusammenhang mit eingeschränkter Kamerasicht, darunter einen tödlichen Crash. Zudem dokumentierte die Behörde 80 Verkehrsverstöße durch FSD — ein Anstieg von 60 Prozent seit Oktober. Diese Erkenntnisse könnten auch den europäischen Genehmigungsprozess beeinflussen.
Deutsche Hersteller unter Zugzwang
Für die deutsche Automobilindustrie birgt eine FSD-Zulassung erhebliche Konsequenzen. Mercedes-Benz bietet mit dem Drive Pilot zwar echtes Level-3-Fahren an — allerdings nur bis 60 km/h auf ausgewählten Autobahnabschnitten. BMW hat sich teilweise aus der Level-3-Entwicklung zurückgezogen, da Kunden das Feature kaum nachfragten.
Teslas Ansatz unterscheidet sich fundamental: Während deutsche Hersteller auf eine Kombination aus Kameras, Radar und Ultraschall setzen, nutzt Tesla einen rein kamerabasierten Ansatz. Genau diese „Vision-only"-Strategie steht nun im Zentrum der US-Sicherheitsuntersuchung.
Warten auf April
Teslas Geschichte mit europäischen Zulassungsfristen ist lang — bereits 2022 versprach Musk einen baldigen FSD-Start in Europa. Ob der 10. April 2026 nun tatsächlich den Durchbruch bringt, bleibt abzuwarten. Die RDW stellte klar, dass ein Zeitplan für die Prüfung noch keine Zusage für eine Genehmigung bedeute. Für Europas Autofahrer und Autobauer dürften die kommenden Wochen richtungsweisend werden.
Bleib auf dem Laufenden!
Folge uns auf Facebook für die neuesten Nachrichten und Artikel.
Folge uns auf Facebook