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Wie Weltraum-Solarkraft funktioniert – und wann sie kommen könnte

Weltraum-Solarkraftwerke würden Sonnenlicht im Orbit einfangen und es als Mikrowellen zur Erde senden. Nach Jahrzehnten als Science-Fiction rücken sinkende Startkosten und erfolgreiche Demonstrationen die Technologie näher an die Realität.

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Redakcia
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Wie Weltraum-Solarkraft funktioniert – und wann sie kommen könnte

Unbegrenztes Sonnenlicht, keine Wolken

Am Boden verlieren Solarmodule Leistung durch Wolken, Nacht und atmosphärische Filterung. In der geostationären Umlaufbahn – etwa 36.000 Kilometer über dem Äquator – gelten diese Einschränkungen nicht. Die Sonne scheint rund um die Uhr, und ungefiltertes Sonnenlicht liefert etwa 1.366 Watt pro Quadratmeter, etwa 44 Prozent mehr als unter den besten Bedingungen auf der Erdoberfläche. Laut der Europäischen Weltraumorganisation könnten orbitale Kollektoren bis zu achtmal mehr Energie pro Modul erzeugen als ihre terrestrischen Pendants.

Dieser einfache physikalische Vorteil hat Ingenieure seit der ersten Vorstellung des Konzepts durch den Luft- und Raumfahrtingenieur Peter Glaser im Jahr 1968 von Weltraum-Solarkraft (SBSP) träumen lassen. Die Idee: riesige Solaranlagen in den Orbit schicken, die gewonnene Elektrizität in einen fokussierten Strahl umwandeln und sie zu Empfängern auf dem Boden übertragen.

Wie die Energie zur Erde gelangt

Die Übertragungskette hat drei Glieder. Erstens fangen hocheffiziente Galliumarsenid-Solarzellen – mit einem Wirkungsgrad von 40–50 Prozent – Sonnenlicht an Bord eines Satelliten ein. Zweitens wandelt die Bordelektronik diese Elektrizität in Mikrowellen (oder, in einigen Designs, Laserlicht) um und richtet sie auf ein Bodenziel. Drittens fängt eine große Bodenantenne, eine sogenannte Rektifikationsantenne (kurz „Rektantenne“), den Mikrowellenstrahl auf und wandelt ihn wieder in Gleichstrom um, der in das Stromnetz eingespeist wird.

Mikrowellen sind der bevorzugte Träger, weil sie Wolken und Regen mit minimalen Verlusten durchdringen. Die Leistungsdichte des Strahls am Boden wäre gering genug, um für Vögel und Menschen sicher zu sein – vergleichbar mit dem Stehen in mildem Sonnenlicht – so eine Übersicht des US-Energieministeriums über die Technologie.

Vom Papier in den Orbit

Jahrzehntelang blieb SBSP theoretisch, weil die Startkosten unerschwinglich waren. Ein Kilogramm mit dem Space Shuttle in den Orbit zu schicken, kostete etwa 50.000 Dollar. Diese Gleichung ändert sich schnell. Wiederverwendbare Schwerlastraketen haben die Kosten auf unter 1.000 Dollar pro Kilogramm gedrückt, und Fahrzeuge der nächsten Generation versprechen, sie noch weiter zu senken.

Im Jahr 2023 erzielte das California Institute of Technology einen Meilenstein: Sein Space Solar Power Demonstrator (SSPD-1) übertrug drahtlos Strom im Orbit und strahlte ein detektierbares Signal zu einem Dachempfänger in Pasadena. Die Mission testete leichte, entfaltbare Strukturen, neuartige ultraleichte Solarzellen und ein Mikrowellensender-Array namens MAPLE. Obwohl die gelieferte Leistung gering war, bewies die Demonstration, dass das Kernkonzept außerhalb eines Labors funktioniert.

Was die Zahlen sagen

Eine Studie der britischen Regierung vom Februar 2026 UK government study von Fraser-Nash Consultancy, Space Solar Engineering und Imperial College London kam zu dem Schluss, dass kleine orbitale Solarkraftwerke bis 2040 mit Kernkraft und Gezeitenenergie konkurrenzfähig werden könnten. Die Studie prognostiziert, dass die Stromgestehungskosten von 335–595 £ pro Megawattstunde im Jahr 2030 auf 87–129 £ pro Megawattstunde ein Jahrzehnt später sinken werden – was überwiegend auf billigere Starts zurückzuführen ist.

Die japanische Raumfahrtbehörde JAXA betreibt seit den frühen 2000er Jahren SBSP-Forschung und strebt an, bis in die 2030er Jahre eine Ein-Megawatt-Orbitalstation zu demonstrieren. Inzwischen plant das Startup Virtus Solis Technologies eine Pilotanlage im Orbit und beabsichtigt, noch vor Ende des Jahrzehnts kommerziellen Strom anzubieten.

Hindernisse noch im Weg

Die technischen Herausforderungen bleiben enorm. Ein kommerziell nutzbarer Satellit würde Solaranlagen benötigen, die sich über Hunderte von Metern erstrecken – robotisch im Orbit montiert. Einen Mikrowellenstrahl aus 36.000 Kilometern Entfernung präzise auf eine Bodenrektantenne gerichtet zu halten, erfordert höchste Genauigkeit. Und der schiere Umfang der benötigten Hardware bedeutet Hunderte von Starts für eine einzelne Gigawatt-Klasse-Station.

Auch regulatorische Fragen stehen noch aus. Internationale Abkommen über das Orbitalspektrum, Sicherheitsstandards für Strahlen und Weltraummüll müssen gelöst werden, bevor eine Nation eine Flotte von Stromstrahlungs-Satelliten betreiben kann. Auch die öffentliche Wahrnehmung von Energiestrahlen aus dem Weltraum bleibt eine Hürde, obwohl Studien zeigen, dass die Strahlintensität am Boden nur ein minimales Risiko darstellt.

Warum es wichtig ist

Im Gegensatz zu bodengebundenen erneuerbaren Energien könnte SBSP Grundlaststrom liefern – kontinuierliche Elektrizität unabhängig von Wetter oder Tageszeit – ohne die Kohlenstoffemissionen fossiler Brennstoffe. Für abgelegene Inseln, Katastrophengebiete oder militärische Vorwärtsbasen, denen Netzanschlüsse fehlen, könnte ein steuerbarer Strahl aus dem Orbit sofort sauberen Strom liefern. Da die Startkosten weiter sinken und die Techniken für die Montage im Orbit ausgereifter werden, nähert sich das, was als Gedankenexperiment aus der Zeit des Kalten Krieges begann, der technischen Realität.

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