Brandanschlag in Pardubice wird als Terrorismus untersucht
Die tschechische Polizei untersucht einen Brand in einem Industriegebiet der Firma LPP Holding in Pardubice als möglichen Terroranschlag. Eine Gruppe namens The Earthquake Faction hat sich zu der Tat bekannt und den Angriff als Protest gegen die Zusammenarbeit mit der israelischen Firma Elbit Systems bezeichnet.
Feuer in Anlage eines Rüstungsunternehmens
In den frühen Morgenstunden des 20. März 2026 brach in einem Industriegebiet in Pardubice, etwa hundert Kilometer östlich von Prag, ein Feuer aus. Die Flammen zerstörten ein Metalllager und griffen auf ein Verwaltungsgebäude über, bevor sie von der Feuerwehr gelöscht werden konnten. Bei dem Vorfall wurde niemand verletzt.
Das betroffene Objekt gehört dem tschechischen Rüstungsunternehmen LPP Holding, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von militärischer Ausrüstung, einschließlich unbemannter Flugsysteme, spezialisiert hat. Das Unternehmen hatte 2023 angekündigt, in Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Elbit Systems ein sogenanntes „Exzellenzzentrum“ für unbemannte Flugsysteme zu errichten.
Unbekannte Gruppe bekennt sich zu Anschlag
Kurz nach dem Brand erhielten tschechische Medien, darunter das Nachrichtenportal Aktuálně.cz, eine E-Mail von einer Gruppe namens The Earthquake Faction. In einer Erklärung bezeichnet sich die Gruppe als „internationalistisches Untergrundnetzwerk“ und behauptet, ein „wichtiges Produktionszentrum israelischer Waffen“ in Brand gesetzt zu haben. Sie begründet ihre Tat mit einem Protest gegen die angebliche Rolle des Unternehmens im Konflikt in Gaza.
Teil der Erklärung war auch ein Video, das angeblich Personen zeigt, die ein Gebäude mit brennbarer Flüssigkeit übergießen. Die Internetdomain der Gruppe wurde Medienberichten zufolge erst einen Tag vor dem Anschlag registriert, was Fragen nach ihrem tatsächlichen Hintergrund und ihrer Organisationsstruktur aufwirft.
Antiterroreinheit leitet Ermittlungen
Innenminister Lubomír Metnar bestätigte, dass eine „wahrscheinliche Verbindung zu einem terroristischen Anschlag“ bestehe, und berief eine Sitzung des staatlichen Sicherheitsausschusses ein. Polizeipräsident Martin Vondrášek erklärte, die Polizei ermittle wegen „vorsätzlicher Brandstiftung“ und „fahnde intensiv nach den Tätern“.
Die Ermittlungen werden von der Nationalen Zentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus, Extremismus und Cyberkriminalität (NCTEKK) in Zusammenarbeit mit der Obersten Staatsanwaltschaft in Prag geführt. Auch der zivile Inlandsgeheimdienst BIS und der Militärische Nachrichtendienst sind in den Fall involviert.
Ministerpräsident Andrej Babiš bezeichnete die Situation als „sehr ernst“ und unterbrach aufgrund des Vorfalls eine Auslandsreise, um nach Prag zurückzukehren und die Sicherheitsmaßnahmen zu koordinieren.
Sicherheit der Rüstungsindustrie im Fokus
Der Vorfall wirft grundlegende Fragen hinsichtlich der Sicherheit der tschechischen Rüstungsindustrie auf. Die Tschechische Republik ist einer der bedeutenden europäischen Lieferanten von militärischer Ausrüstung – die Region Pardubice hat in diesem Sektor eine lange Tradition.
Der Anschlag erfolgt zu einer Zeit, in der der Nahostkonflikt die öffentliche Meinung über die militärische Zusammenarbeit mit Israel in ganz Europa polarisiert. Elbit Systems, das größte israelische private Rüstungsunternehmen, sieht sich in einer Reihe von Ländern, darunter Großbritannien und Australien, mit Protesten von Aktivisten konfrontiert.
Die Sicherheitsmaßnahmen an ähnlichen Rüstungsobjekten in der gesamten Tschechischen Republik werden nach vorliegenden Informationen verstärkt. Die Polizei hat bisher keine Verdächtigen öffentlich identifiziert und setzt die intensiven Ermittlungen fort.
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