Rheinland-Pfalz wählt: Kopf-an-Kopf-Rennen belastet Merz
Am 22. März wählt Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. CDU und SPD liefern sich ein knappes Rennen, das auch die Schwarz-Rote Koalition im Bund unter Druck setzt.
Knappes Rennen zwischen CDU und SPD
Am Sonntag, dem 22. März, sind rund vier Millionen Wahlberechtigte in Rheinland-Pfalz aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Die Umfragen zeigen ein denkbar knappes Rennen: Laut dem jüngsten ZDF-Politbarometer vom 19. März liegt die CDU unter Spitzenkandidat Gordon Schnieder bei 29 Prozent, die SPD von Ministerpräsident Alexander Schweitzer folgt mit 27 Prozent. Die Differenz liegt damit innerhalb der statistischen Fehlermarge.
Für die SPD steht viel auf dem Spiel: Seit 1991 — also seit 35 Jahren — stellt die Partei ununterbrochen den Ministerpräsidenten in Mainz. Ein CDU-Sieg würde diese Ära beenden und die konservative Partei erstmals seit über drei Jahrzehnten an die Macht bringen.
AfD im Aufwind, FDP vor dem Aus
Hinter den beiden Volksparteien positioniert sich die AfD mit rund 19 Prozent — mehr als eine Verdoppelung ihres Ergebnisses von 2021. Die Grünen kommen auf etwa 8 bis 9 Prozent, die Linke kämpft mit rund 5 Prozent um den Einzug in den Landtag. Besonders dramatisch ist die Lage für die FDP: Sie droht an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern und damit aus der bisherigen Ampel-Koalition im Land zu fallen. Auch die Freien Wähler um Joachim Streit bewegen sich mit 4 bis 5 Prozent an der Schwelle.
Bildung als Wahlkampfthema Nummer eins
Im Wahlkampf dominiert das Thema Bildung — laut Umfragen die größte Sorge von 25 bis 29 Prozent der Wähler. Die CDU fordert ein verpflichtendes Vorschuljahr und eine „Grundschulgarantie" mit Nachmittagsbetreuung bis zum 14. Lebensjahr. Die SPD setzt auf kostenlose Lernmittel, erweiterte Sprachförderung in Kitas und verlässliche Kinderbetreuung. Weitere Schwerpunkte sind Infrastruktur und die Migrations- und Asylpolitik.
Bundespolitische Sprengkraft
Die Wahl ist die zweite von fünf Landtagswahlen im sogenannten Superwahljahr 2026 — und für Bundeskanzler Friedrich Merz eine heikle Belastungsprobe. Bereits die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März verlief für die CDU enttäuschend: Trotz eines Zugewinns von 5,6 Prozentpunkten landete sie mit 29,7 Prozent knapp hinter den Grünen.
In Rheinland-Pfalz gibt es für die Schwarz-Rote Koalition im Bund nur Verlierer: Gewinnt die CDU, steht die SPD als geschwächter Partner da. Verteidigt die SPD das Land, muss sich die CDU unbequeme Fragen zur Strahlkraft ihres Kanzlers gefallen lassen. Laut einer YouGov-Umfrage glauben bereits 49 Prozent der Deutschen nicht daran, dass die Schwarz-Rote Koalition bis zur regulären Bundestagswahl 2029 halten wird.
Mögliche Koalitionen
Die Koalitionsoptionen in Mainz sind offen. Eine Fortsetzung der bisherigen Ampel aus SPD, Grünen und FDP hängt am Einzug der Liberalen. Denkbar wären auch eine Große Koalition aus CDU und SPD, ein schwarz-grünes Bündnis oder eine Dreier-Konstellation unter Einbeziehung der Freien Wähler. Klar ist nur: Ohne die jeweils andere Volkspartei wird es für CDU oder SPD kaum möglich sein, eine Mehrheit zu bilden — eine Zusammenarbeit mit der AfD haben beide ausgeschlossen.
Der Wahlsonntag in Rheinland-Pfalz wird damit zum Stimmungsbarometer für die gesamte Republik — und zum Gradmesser, wie viel Rückhalt die Große Koalition in Berlin noch genießt.
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