So funktioniert die Air Force One – Das fliegende Weiße Haus
Die Air Force One ist mehr als nur ein Flugzeug – sie ist ein mobiles Kommandozentrum mit Raketenabwehr, atomsicherer Elektronik und 383 Kilometern Kabeln, das es dem Präsidenten ermöglicht, aus 13.700 Metern Höhe zu regieren.
Kein Flugzeug – ein Rufzeichen
„Air Force One“ ist nicht der Name eines bestimmten Flugzeugs. Es ist das Flugverkehrs-Rufzeichen für jedes Flugzeug der US Air Force, das den amtierenden Präsidenten befördert. Wenn der Präsident einen Marinehubschrauber besteigt, wird dieser zu Marine One. Ein Navy-Jet wird zu Navy One. Selbst ein ziviler Flug würde als Executive One bezeichnet. Das Rufzeichen wurde 1954 geschaffen, nachdem eine Lockheed Constellation mit Präsident Eisenhower an Bord in denselben Luftraum wie ein kommerzieller Flug mit identischer Flugnummer einflog, was zu gefährlicher Verwirrung führte.
Die aktuelle Flotte: Zwei modifizierte 747
In der Praxis fliegt der Präsident fast immer mit einem von zwei identischen Boeing VC-25A-Flugzeugen – stark modifizierten 747-200B mit den Hecknummern 28000 und 29000. Die Flugzeuge wurden 1990 während der Regierung von George H.W. Bush ausgeliefert und verfügen über eine von First Lady Nancy Reagan entworfene Innenausstattung mit einer Farbpalette, die an den amerikanischen Südwesten erinnert.
Zu den wichtigsten Spezifikationen gehören vier General Electric CF6-80C2B1-Triebwerke mit einer Schubkraft von jeweils 252 kN, eine Höchstgeschwindigkeit von 1014 km/h (Mach 0,92), eine Reichweite von 12.553 Kilometern ohne Auftanken und eine Dienstgipfelhöhe von 13.746 Metern. Das Flugzeug erstreckt sich über 372 Quadratmeter auf drei Ebenen – etwa die Größe eines großen Hauses.
Ein fliegendes Kommandozentrum
Im Inneren verfügt der Präsident über eine private Suite mit Büro, Schlafzimmer und Badezimmer. Ein medizinischer Bereich dient gleichzeitig als voll ausgestatteter Operationssaal mit einem ständig anwesenden Arzt. Zwei Bordküchen können 100 Personen gleichzeitig versorgen, und 87 Telefone sowie mehrere sichere Faxgeräte halten das Weiße Haus mit der Welt in Verbindung.
Was die VC-25A einzigartig macht, sind ihre 383 Kilometer Kabel – doppelt so viel wie bei einer Standard-747 – die alle gegen nukleare elektromagnetische Impulse abgeschirmt sind. Verschlüsselte Satellitenverbindungen, abhörsichere Telefonsysteme und gehärtete Elektronik stellen sicher, dass der Präsident auch während eines nuklearen Ereignisses eine militärische Reaktion anordnen oder Diplomatie betreiben kann.
Raketenabwehr und Autarkie
Das Flugzeug verfügt über einen AN/AAR-54(V)-Raketenstartwarner, der eingehende Bedrohungen durch die Verfolgung von Abgassignaturen erkennt. Zu den Gegenmaßnahmen gehören Infrarotfackeln zur Täuschung wärmesuchender Raketen, Düppel zur Verwirrung radargelenkter Waffen und AN/ALQ-204 Matador Electronic Jammer. Das Flugzeug kann auch in der Luft betankt werden, was ihm theoretisch eine unbegrenzte Reichweite verleiht.
Die Air Force One benötigt keine Flughafeninfrastruktur außer einer Start- und Landebahn. Einziehbare Treppen und ein in sich geschlossener Gepäcklader bedeuten, dass der Präsident auf Flugplätzen mit minimaler Bodenunterstützung ankommen kann – entscheidend für Notfallszenarien oder Besuche an abgelegenen Orten.
Wenn sie ohne den Präsidenten fliegt
Ohne den Oberbefehlshaber an Bord verwenden dieselben Flugzeuge die Rufzeichen SAM 28000 und SAM 29000 – wobei „SAM“ für Special Air Mission steht. Das 89th Airlift Wing auf der Joint Base Andrews in Maryland betreibt und wartet beide Flugzeuge und hält mindestens eines jederzeit einsatzbereit.
Das Milliarden-Dollar-Ersatzproblem
Nach mehr als drei Jahrzehnten im Einsatz werden die aktuellen VC-25A durch zwei Boeing 747-8I-Flugzeuge mit der Bezeichnung VC-25B ersetzt. Ursprünglich mit 3,9 Milliarden Dollar budgetiert und die Auslieferung für 2024 geplant, ist das Programm auf geschätzte 6,2 Milliarden Dollar angewachsen, wobei die erste Auslieferung nun für Mitte 2028 erwartet wird. Die Verzögerungen zwangen die Air Force, eine von Katar gespendete 747 als vorübergehenden Ersatz zu beschaffen, was verdeutlicht, wie schwierig es ist, die fliegende Festung nachzubilden, die die Präsidentschaft schützt.
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