Wirtschaft

Wie Börsengänge funktionieren – Von der Anmeldung bis zum ersten Handelstag

Ein Börsengang (IPO) verwandelt ein privates Unternehmen in ein börsennotiertes Unternehmen. Hier wird der mehrstufige Prozess erläutert, von der Beauftragung von Konsortialbanken und der Einreichung bei der SEC bis hin zur Roadshow, der Preisgestaltung und dem ersten Handelstag.

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Redakcia
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Wie Börsengänge funktionieren – Von der Anmeldung bis zum ersten Handelstag

Warum Unternehmen an die Börse gehen

Ein Börsengang (Initial Public Offering, IPO) ist der Moment, in dem ein privates Unternehmen zum ersten Mal Aktien an die breite Öffentlichkeit verkauft. Es ist eines der wichtigsten Ereignisse im Leben eines Unternehmens – es erschließt riesige Kapitalpools, gibt frühen Investoren die Möglichkeit, Kasse zu machen, und unterwirft das Unternehmen einer neuen Ebene der Kontrolle. Von Technologiegiganten wie Apple und Google bis hin zu neueren Unternehmen, die Bewertungen im dreistelligen Milliardenbereich anstreben, folgt der Weg vom privaten Startup zum börsennotierten Unternehmen einem klar definierten Drehbuch.

Schritt 1: Auswahl der Konsortialbanken

Der Prozess beginnt, wenn ein Unternehmen eine oder mehrere Investmentbanken beauftragt, das Angebot zu managen. Die führende Bank, bekannt als Bookrunner, stellt ein Konsortium aus weiteren Banken zusammen, die jeweils für den Verkauf eines Teils der Aktien verantwortlich sind. Gemeinsam beraten diese Konsortialbanken zu Timing, Struktur und Preisgestaltung – und sie garantieren dem Unternehmen ein Mindestkapital, indem sie die Aktien selbst kaufen, bevor sie sie an Investoren weiterverkaufen.

Schritt 2: SEC-Anmeldung und -Prüfung

In den Vereinigten Staaten muss das Unternehmen ein Formular S-1 Registration Statement bei der Securities and Exchange Commission (US-Börsenaufsichtsbehörde) einreichen. Dieses Dokument enthält geprüfte Jahresabschlüsse, eine Beschreibung des Geschäfts und seiner Risiken, Einzelheiten darüber, wie der Erlös verwendet wird, und eine Managementdiskussion über die finanzielle Leistung. Die SEC prüft die Einreichung – in der Regel innerhalb von 30 Tagen – und antwortet mit Kommentaren, die möglicherweise mehrere Überarbeitungsrunden erfordern, bevor das Dokument genehmigt wird.

Während dieser Zeit schränkt eine Sperrfrist (Quiet Period) ein, was das Unternehmen und seine Konsortialbanken öffentlich über die Aktie sagen dürfen. Ziel ist es, zu verhindern, dass Hype die Anlageentscheidungen verzerrt, bevor der vollständige Prospekt verfügbar ist.

Schritt 3: Die Roadshow

Sobald die SEC die Registrierungserklärung zur Verteilung freigibt, organisieren die Konsortialbanken eine Roadshow – eine rasante Reihe von Präsentationen, die in der Regel 10 bis 15 Werktage dauert, in denen das Management des Unternehmens institutionellen Investoren in wichtigen Finanzzentren das Unternehmen vorstellt. Während dieser Treffen stellen Fondsmanager Fragen, beurteilen das Geschäft und geben an, wie viele Aktien sie zu welchem Preis kaufen würden. Dieses Feedback ist für den Bookbuilding-Prozess unerlässlich und hilft den Konsortialbanken, die Nachfrage einzuschätzen.

Schritt 4: Preisgestaltung des Angebots

Am Abend vor Handelsbeginn der Aktie vereinbaren die Konsortialbanken und das Unternehmen einen endgültigen Angebotspreis. Wenn die Investorennachfrage stark ist und das Angebot überzeichnet ist, liegt der Preis am oberen Ende der zuvor genannten Spanne. Wenn die Nachfrage gering ist, sinkt er. Untersuchungen des National Bureau of Economic Research zeigen, dass Börsengänge im Durchschnitt um etwa 14 Prozent zu niedrig bewertet sind, was bedeutet, dass der Angebotspreis bewusst unter dem liegt, was der Markt am ersten Tag zu zahlen bereit wäre. Dieser "IPO-Pop" belohnt frühe Investoren, lässt aber Geld für das emittierende Unternehmen auf dem Tisch liegen.

Schritt 5: Zuteilung und erster Handelstag

Nach der Preisgestaltung teilt das Konsortialteam die Aktien zu. Der überwiegende Teil geht an institutionelle Kunden – Pensionsfonds, Investmentfonds und Vermögensverwalter – wobei nur ein kleiner Teil Privatanleger zum Angebotspreis erreicht. Banken bevorzugen langfristige Halter, berücksichtigen aber auch den Wert ihrer laufenden Beziehungen zu wichtigen Kunden.

Wenn die Börse am nächsten Morgen öffnet, beginnt der Handel mit den Aktien auf dem Sekundärmarkt. Historische Daten zeigen durchschnittliche Renditen am ersten Tag von etwa 18 bis 19 Prozent, obwohl diese Zahl mit den Marktbedingungen stark schwankt – während der Dotcom-Blase lag der durchschnittliche First-Day-Pop über 37 Prozent.

Die Lock-up-Periode

Unternehmensinsider – Gründer, Führungskräfte und frühe Investoren – können ihre Aktien in der Regel nicht sofort verkaufen. Eine Lock-up-Periode, die in der Regel 90 bis 180 Tage dauert, verhindert, dass Insider den Markt überschwemmen und den Aktienkurs drücken. Wenn die Lock-up-Periode abläuft, kann eine Verkaufswelle folgen, die manchmal zu spürbaren Kurseinbrüchen führt. Akademische Forschung hat ergeben, dass Manager eine zu niedrige Preisgestaltung am ersten Tag strategisch akzeptieren, zum Teil, weil sie eine positive Dynamik in Richtung des Ablaufs der Lock-up-Periode erzeugt, wenn sie schließlich verkaufen.

Warum es wichtig ist

Der IPO-Prozess ist das Tor zwischen privaten und öffentlichen Kapitalmärkten. Er bestimmt, wie Milliarden von Dollar den Besitzer wechseln, wer zu den niedrigsten Preisen Zugang zu Aktien erhält und wie viel Kontrolle ein Unternehmen künftig über sich ergehen lassen muss. Das Verständnis seiner Mechanismen – von SEC-Anmeldungen über Bookbuilding bis hin zur Lock-up-Dynamik – ist für jeden, der die Märkte verfolgt, unerlässlich, sei es als Investor, als Mitarbeiter mit Aktienoptionen oder einfach als neugieriger Leser, der die nächste Blockbuster-Notierung beobachtet.

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