Wirtschaft

„El Mencho“ getötet: Mexikos tödlichstes Kartell bricht los

Mexikanische Streitkräfte töteten am 22. Februar Nemesio 'El Mencho' Oseguera, den Boss des Jalisco-Kartells der Neuen Generation. Dies löste die gewalttätigsten Vergeltungsmaßnahmen des Kartells seit Jahren aus – über 70 Tote, 250 Straßensperren in 20 Bundesstaaten und Chaos in wichtigen Touristenzielen.

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Redakcia
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„El Mencho“ getötet: Mexikos tödlichstes Kartell bricht los

Die Operation, die Mexiko erschütterte

Am Sonntag, dem 22. Februar, stellten mexikanische Streitkräfte endlich einen der meistgesuchten Drogenhändler der Welt. Nemesio Rubén Oseguera Cervantes – in der Unterwelt bekannt als „El Mencho“ – wurde getötet, nachdem Militäreinheiten ihn in einem Versteck in Tapalpa, Jalisco, dem bergigen Kernland seines kriminellen Imperiums, aufgespürt hatten. Laut dem mexikanischen Verteidigungsminister Ricardo Trevilla lokalisierten die Behörden ihn über eine seiner romantischen Partnerinnen. Der 59-jährige Kartellboss wurde bei einem Schusswechsel verwundet und mit einem Hubschrauber evakuiert, starb aber auf dem Weg nach Mexiko-Stadt.

Die Operation wurde von US-Geheimdiensten unterstützt, ein Detail, das den bilateralen Druck unterstreicht, der seit Jahren auf dem Jalisco-Kartell der Neuen Generation (CJNG) lastete. Auf El Mencho war ein US-Kopfgeld von 10 Millionen Dollar ausgesetzt, und er galt als einer der Hauptverursacher der Fentanyl-Krise in Amerika.

Eine Welle der Vergeltungsgewalt

Innerhalb weniger Stunden nach Bekanntwerden der Nachricht entfesselte das CJNG eine koordinierte Welle von Vergeltungsmaßnahmen, die das ganze Land erschütterte. Mutmaßliche Kartellmitglieder errichteten mehr als 250 Straßensperren in 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten, verbrannten Fahrzeuge, zündeten Supermärkte und Tankstellen an und verbarrikadierten wichtige Autobahnen. Die Taktik – lokal bekannt als narcobloqueos – verwandelte Guadalajara, Mexikos zweitgrößte Stadt, in eine Geisterstadt, als die Einwohner sich über den Sonntagabend in ihren Häusern verschanzten.

Die Zahl der Todesopfer war erschreckend. Mexikanische Behörden bestätigten, dass über 70 Menschen bei der Operation und ihren unmittelbaren Folgen getötet wurden – darunter mindestens 25 Mitglieder der Nationalgarde, 46 mutmaßliche Kartellmitglieder und ein Zivilist. Sicherheitskräfte wurden allein in Jalisco bei sechs separaten koordinierten Angriffen angegriffen, was dies zu einem der tödlichsten Tage für die mexikanische Strafverfolgung in jüngster Zeit macht.

Tourismus und Alltag gelähmt

Die Gewalt traf das Herz der mexikanischen Tourismuswirtschaft. In Puerto Vallarta, einem beliebten Badeort an der Pazifikküste, beschrieben Augenzeugen, wie Menschen in Panik davonrannten, als Fahrzeuge explodierten und Rauch über die Straßen zog. NBC News berichtete, dass Air Canada alle Flüge in die Stadt ausgesetzt habe, während American Airlines auf Umbuchungsgebühren für gestrandete Reisende verzichtete.

Die Regierung des Bundesstaates Jalisco setzte den Schulbetrieb in allen öffentlichen und privaten Einrichtungen aus. Die US-Botschaft ordnete für Personal in acht Städten – darunter Guadalajara, Puerto Vallarta und Tijuana – an, sich in Sicherheit zu bringen. Der Zoo von Guadalajara beherbergte Berichten zufolge über 1.000 Besucher über Nacht, die die Anlage nicht sicher verlassen konnten. Die Stadt soll in wenigen Monaten mehrere Spiele der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 ausrichten, was bei den Organisatoren Besorgnis auslöst.

Was als Nächstes kommt

Sicherheitsanalysten warnen, dass El Menchos Tod zwar symbolisch bedeutsam ist, aber wahrscheinlich nicht zur Zerschlagung des CJNG führen wird. Al Jazeera zitierte Experten, die feststellten, dass es keinen klaren Nachfolger gibt – El Menchos Bruder ist in den Vereinigten Staaten inhaftiert, und sein Sohn, bekannt als El Menchito, sitzt ebenfalls hinter Gittern. Ein Vakuum an der Spitze könnte gewalttätige interne Machtkämpfe auslösen, bei denen regionale Kartellbosse um die Kontrolle konkurrieren.

Die Episode erinnert auf unangenehme Weise an Mexikos frühere „Kingpin-Strategie“ unter den Präsidenten Felipe Calderón und Enrique Peña Nieto zwischen 2006 und 2012, die zu einer massiven Zersplitterung des Drogenhandels führte – was letztendlich mehr Gewalt als weniger hervorbrachte. NPR merkte an, dass die derzeitige mexikanische Regierung ähnlichen Risiken ausgesetzt ist: Die Infrastruktur, die Schmuggelrouten und die illegalen Einnahmequellen des CJNG sind weitgehend intakt.

Für Millionen von Mexikanern – und Tausende von ausländischen Touristen, die ins Kreuzfeuer geraten sind – war die Botschaft des Kartells klar: Selbst die Tötung seines Gründers kann die Maschinerie nicht aufhalten.

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