Kartellgewalt gefährdet Fußball-WM 2026 in Mexiko
Die Tötung des Drogenbosses 'El Mencho' löste in ganz Mexiko Vergeltungsgewalt aus und wirft dringende Sicherheitsfragen für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 auf – wobei Guadalajara, eine Kartellhochburg, die Austragung von vier Spielen geplant hat.
Der Tod eines Drogenbosses entfacht eine Nation
Am 22. Februar 2026 töteten mexikanische Streitkräfte Nemesio „El Mencho“ Oseguera Cervantes, den gefürchteten Anführer des Cartel Jalisco Nueva Generación (CJNG), bei einer Razzia auf einer Ranch südwestlich von Guadalajara. Die Operation forderte über 70 Tote – Soldaten, Mitglieder der Nationalgarde und mutmaßliche Kartellangehörige – und löste eine Kettenreaktion aus, die das Land tagelang erschütterte.
Innerhalb weniger Stunden entfesselten Kartellmitglieder in fast 20 mexikanischen Bundesstaaten Vergeltungsgewalt. Straßen wurden mit brennenden Fahrzeugen blockiert, Geschäfte wurden in Brand gesteckt und in den Straßen der Stadt hallten Schüsse wider. Fluggesellschaften gaben Reisewarnungen für Guadalajara und Puerto Vallarta heraus. Professionelle Fußballspiele, darunter ein hochkarätiges Rivalitätsspiel der Frauen zwischen Chivas und América, wurden verschoben. Ein lokaler Ingenieur sagte gegenüber Reuters, dass sich die Stadt „wie ein Kriegsgebiet“ anfühle.
FIFAs Zuversicht vs. Realität vor Ort
Das Timing könnte kaum schlechter sein. Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 wird am 11. Juni in Mexiko-Stadt eröffnet, mit 13 Spielen, die in drei mexikanischen Gastgeberstädten geplant sind: Mexiko-Stadt, Monterrey und Guadalajara. Das Estadio Akron in Jalisco – dem Bundesstaat im Epizentrum der CJNG-Macht – soll bereits Ende März vier Gruppenspiele und Playoff-Spiele der Weltmeisterschaft ausrichten.
FIFA-Präsident Gianni Infantino beeilte sich, die Welt zu beruhigen, und erklärte, er habe „volles Vertrauen“ in Mexiko und seine Präsidentin Claudia Sheinbaum. „In jedem Land der Welt passieren Dinge“, sagte Infantino und wischte Vergleiche mit ernsteren Bedenken hinsichtlich der Austragung beiseite. Die mexikanische Präsidentin Sheinbaum bekräftigte seine Ruhe und erklärte, es gebe „jede Garantie“, dass die Spiele sicher ablaufen und „kein Sicherheitsrisiko“ für internationale Besucher bestehe.
Aber nicht jeder ist überzeugt. Der portugiesische Fußballverband gab bekannt, dass er die „heikle Situation genau beobachtet“ und betonte, dass die Sicherheit von Spielern und Mitarbeitern eine „absolute Priorität“ habe. Der Präsident des jamaikanischen Verbandes drückte sich deutlicher aus: „Ehrlich gesagt macht es mich sehr nervös.“
Verlegung: Unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen
Laut Sky Sports räumte eine Quelle innerhalb der FIFA ein, dass eine Verlegung von Spielen nur als „allerletzte Möglichkeit“ in Betracht gezogen würde. Die praktischen Hindernisse sind enorm: Zehntausende von Tickets wurden bereits verkauft, vollständige Rückerstattungen sind erforderlich und alternative Veranstaltungsorte müssen im Voraus vorbereitet werden. Ein realistischeres Ergebnis ist laut Sicherheitsexperten eine „Sättigungsstrategie“ – die betroffenen Städte mit Militär- und Nationalgardepersonal zu überschwemmen, um Stabilität zu demonstrieren.
Analysten weisen auch darauf hin, dass die Kartelle selbst wenig Anreiz haben, das Turnier zu stören. Die Weltmeisterschaft stellt einen massiven wirtschaftlichen Aufschwung dar, und kriminelle Organisationen profitieren in der Regel von Großveranstaltungen durch Gastgewerbe, Bestechungsgelder im Baugewerbe und illegalen Handel. Direkte Angriffe auf die Weltmeisterschaft werden als unwahrscheinlich eingeschätzt.
Ein kritisches Zeitfenster
Die 8,5 Milliarden Dollar, die Mexiko in die Infrastruktur der Weltmeisterschaft investiert hat – Stadien, Transport und Sicherheitsverbesserungen – stellen ein generationenprägendes nationales Projekt dar. Die Zersplitterung des CJNG nach dem Tod von El Mencho führt jedoch eine neue Unbekannte ein: Sicherheitsexperten warnen, dass ein führerloses Kartell in konkurrierende Fraktionen zerfallen könnte, was die Gewalt weniger vorhersehbar macht als unter einem einheitlichen Kommando.
Mexiko hat am 25. Februar erfolgreich ein internationales Freundschaftsspiel gegen Island ohne Zwischenfälle ausgetragen – ein kleines, aber bedeutsames Signal dafür, dass die Normalität wiederhergestellt werden kann. Die kommenden Wochen, in denen rivalisierende Kartellfraktionen um die Kontrolle über El Menchos Imperium kämpfen, werden wahrscheinlich darüber entscheiden, ob das meistgesehene Sportereignis der Welt wie geplant stattfinden kann – oder ob die FIFA ihre politisch brisanteste Austragungskrise seit Jahrzehnten erlebt.
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