Kulturministerium in Tschechien: Künstler protestieren gegen Kürzungen
Drei Künstler haben das Prager Kulturministerium symbolisch in 'Ministerium für Bodybuilding' umbenannt und damit eine Protestwelle der Initiative 'Kunst überlebt' ausgelöst. Die Kulturszene warnt, dass drastische Kürzungen Theater, Orchester und Festivals gefährden.
Symbolische Umbenennung als Schrei der Verzweiflung
Am Freitag, dem 13. März 2026, fand vor dem Gebäude des Kulturministeriums auf dem Malteserplatz in Prag eine ungewöhnliche Performance statt. Drei Künstler benannten das Ressort symbolisch in „Ministerium für Bodybuilding“ um – ein ironisches Wortspiel, das eine Botschaft enthält: Die tschechische Regierung stärkt die Muskeln dort, wo sie es braucht (Verteidigung, Rüstung), während sie die Kultur verkümmern lässt. Die Initiative Kunst überlebt kündigte an, dass sie ähnliche Aktionen an jedem Werktag veranstalten will, bis die Regierung ihren Ansatz zur Kulturfinanzierung überdenkt.
Diese provokative Performance ist kein Einzelfall. Sie folgt auf eine Reihe von Protesten, die die tschechische Kulturszene mit beispielloser Intensität getroffen haben. Bereits am 11. März versammelten sich Hunderte von Studenten von Kunsthochschulen – von DAMU, FAMU, AVU und anderen – auf dem Kleinseitner Ring unter dem Motto „Wir stehen zur Kultur!“. Auf Transparenten waren Aufrufe wie „Ohne lebendige Kultur stumpfe Gehorsamkeit“ oder „Wir können hungern, ihr könnt nicht regieren“ zu lesen.
Wie viel Geld der Kultur fehlt
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der Entwurf des Staatshaushalts für das Jahr 2026 weist dem Kulturministerium 17,6 Milliarden Kronen zu, was etwa 1,17 Milliarden weniger ist als von den Vorgängerregierungen vorgeschlagen. Im Vergleich zu den tatsächlichen Ausgaben des Jahres 2025 – als das Ressort auch aus dem Nationalen Aufbauplan schöpfte – bedeutet dies einen Rückgang von fast 3,9 Milliarden Kronen. Der Anteil der Kultur am Staatshaushalt ist damit auf nur noch 0,63 Prozent gesunken, was historisch gesehen einen der niedrigsten Werte der letzten Jahrzehnte darstellt.
Am schmerzhaftesten betroffen sind die lebendigen Kunstformen. Das Programm für kulturelle Aktivitäten, aus dem unabhängige Ensembles, Theater und Festivals im ganzen Land schöpfen, verzeichnete Kürzungen von über 300 Millionen Kronen – also einen Rückgang von fast 30 Prozent. Orchester und Chöre verloren aus ihrem Programm 100 Millionen Kronen, was einer Viertelung entspricht. Der Literaturzeitschrift Host droht vom Kulturministerium ein Fördermittelentfall von vierzig Prozent, der zu einer Reduzierung der Auflagen oder zu Entlassungen führen könnte.
Verteidigung wächst, Kultur verdorrt
Der Kontext, den die Kunstszene nicht übersehen kann, ist offensichtlich: Während die Kultur spart, erreichen die Ausgaben für Verteidigung im Jahr 2026 206,5 Milliarden Kronen, d. h. 2,35 Prozent des BIP. Die tschechische Regierung hat dabei einen Plan verabschiedet, den Militärhaushalt bis 2030 auf 3 Prozent des BIP zu erhöhen. Die NATO-Verpflichtungen werden mit Bravour erfüllt – auf Kosten anderer Bereiche des öffentlichen Interesses, so die Protestierenden.
Kulturminister Oto Klempíř (Motoristé sobě) verteidigt sich, dass „der Haushalt nach schwierigen Verhandlungen das Maximum des Möglichen ist“ und weist einen Teil der Informationen über die Höhe der Kürzungen als Desinformation zurück. Künstler weisen jedoch darauf hin, dass Klempíř ihre Einladung zu einer öffentlichen Debatte im Theater abgelehnt hat. Die Schauspieler Jitka Čvančarová und Hynek Čermák haben eine Erklärung abgegeben, dass die Einladung weiterhin gilt.
Warnung aus Bratislava
Die Analystin Apolena Rychlíková warnt vor einem slowakischen Szenario: In Bratislava demontiert Kulturministerin Martina Šimkovičová seit 2023 systematisch unabhängige Kultureinrichtungen. Die tschechische Kulturszene, die seit Jahren in chronischer Unterfinanzierung überlebt, habe ihrer Meinung nach keine ausreichenden Abwehrmechanismen aufgebaut. Die Frage ist also: Kann die Initiative Kunst überlebt und die gesamte Widerstandsbewegung die Regierung zu einem Kurswechsel bewegen, oder bleiben die Performances vor dem „Ministerium für Bodybuilding“ nur die Stimme eines Rufer in der Wüste?
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