Polen: Eine Million Waffen und Rekordzahl an Waffenscheinen im Schatten Russlands
In Polen sind erstmals über eine Million zivile Schusswaffen registriert. Im Jahr 2025 wurden rekordverdächtige 50.709 Waffenscheine ausgestellt. Die zunehmenden hybriden Angriffe Russlands und die Debatte über Atomwaffen verleihen diesem Trend eine neue Dimension.
Historische Million
Polen hat eine historische Schwelle erreicht: Zum ersten Mal in der Geschichte hat die Zahl der legal registrierten zivilen Schusswaffen die Million überschritten. Laut Daten des Hauptkommissariats der Polizei befanden sich am 31. Dezember 2025 1.037.778 registrierte Schusswaffen in den Händen der polnischen Bevölkerung. Insgesamt gibt es 411.769 aktive Waffenscheine – mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2015, als es knapp 193.000 waren.
Allein im Jahr 2025 wurden rekordverdächtige 50.709 neue Waffenscheine ausgestellt – 10,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2022, unmittelbar nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine, stieg die Zahl der neuen Waffenscheine um fast 88 Prozent auf 37.402. Seitdem hat jedes weitere Jahr den vorherigen Rekord gebrochen.
Wer kauft Waffen und warum?
Unter den im Jahr 2025 ausgestellten Waffenscheinen dominieren Sammlerwaffen – 21.071 Stück, gefolgt von Sportwaffen (17.601). Deutlich steigt jedoch das Interesse an Waffen zur persönlichen Verteidigung: Im Jahr 2021 wurden nur 81 solcher Waffenscheine ausgestellt, im Jahr 2025 bereits 7.254. Experten, darunter der ehemalige Polizist Dariusz Loranty, betonen, dass ein Teil der polnischen Bevölkerung Waffen nicht so sehr aus Angst vor einem Krieg kauft, sondern aus Furcht vor der zunehmenden organisierten Kriminalität.
Trotz des spektakulären Anstiegs liegt Polen jedoch weiterhin auf dem letzten Platz in der Europäischen Union, was die Waffendichte in der Zivilbevölkerung betrifft – nur 2,5 Waffen pro 100 Einwohner. Finnland verzeichnet einen Wert von 32,4, Österreich 30,0. Eine Million Waffen ist ein symbolischer Durchbruch, verändert aber die Position Polens im europäischen Vergleich nicht grundlegend.
Russland testet die polnische Infrastruktur
Die private Aufrüstung der polnischen Bevölkerung fügt sich in einen breiteren Kontext der Bedrohung aus dem Osten ein. Am 29. Dezember 2025 kam es zu einem schweren Cyberangriff auf ein polnisches Heizkraftwerk. Forscher der Firma ESET schreiben den Angriff der Gruppe Sandworm zu – die direkt im Auftrag des russischen Militärgeheimdienstes GRU agiert. Die verwendete Schadsoftware der Klasse Wiper zielte darauf ab, Daten dauerhaft zu zerstören und die Energieinfrastruktur vor den winterlichen Bedarfsspitzen zu lähmen.
Die polnische Regierung hat die zweite Alarmstufe BRAVO sowie ihr Pendant im Cyberspace – BRAVO-CRP – bis zum 28. Februar 2026 verlängert. Das Budget für Cybersicherheit soll im Jahr 2026 auf eine Milliarde Euro steigen, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Analysten von ESET warnen, dass Russland seine hybriden Operationen gegen Polen, Deutschland und Frankreich ausweiten wird.
Debatte über nukleare Abschreckung
Angesichts dieser Bedrohungen werden Forderungen nach nuklearer Abschreckung immer lauter. Präsident Karol Nawrocki hat sich wiederholt dafür ausgesprochen, dass Polen dem NATO-Programm Nuclear Sharing beitritt und ein eigenes nukleares Potenzial entwickelt. Die Experten sind geteilter Meinung: Ein Teil weist darauf hin, dass die Teilnahme an Nuclear Sharing die Glaubwürdigkeit der Abschreckung erhöhen würde, andere warnen, dass einseitige Maßnahmen in dieser Richtung zu diplomatischer Isolation führen könnten. Die Vereinigten Staaten haben die Stationierung von Atomwaffen in Ländern, die nach 1997 der NATO beigetreten sind, vorerst ausgeschlossen.
Eine Rekordzahl an Waffenscheinen, Rekordausgaben für Cybersicherheit und die Diskussion über nukleare Abschreckung – all diese Phänomene fügen sich zu einem Bild zusammen: Die polnische Gesellschaft und der polnische Staat bereiten sich intensiv auf Szenarien vor, die noch vor wenigen Jahren als weit entfernt galten.
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