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Vier Jahre Invasion: Tschechien steht fest an der Seite der Ukraine

Die Tschechische Republik gedenkt heute des vierten Jahrestags der umfassenden russischen Invasion in der Ukraine. Präsident Petr Pavel nahm an einer Kundgebung auf dem Altstädter Ring in Prag teil und erinnerte an die tschechische militärische und humanitäre Unterstützung – einschließlich einer Initiative, die der Ukraine über 4,4 Millionen Artilleriegeschosse sicherte.

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Redakcia
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Vier Jahre Invasion: Tschechien steht fest an der Seite der Ukraine

Prag und die gesamte Tschechische Republik erweisen der Ukraine die Ehre

Vier Jahre sind vergangen, seit russische Truppen in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2022 die Grenzen der Ukraine überschritten. Die Tschechische Republik begeht diesen Jahrestag mit umfangreichen Aktionen – die größte davon fand am Samstagnachmittag auf dem Altstädter Ring in Prag statt, wo sich unter dem Motto „Gemeinsam für die Ukraine“ Tausende von Menschen versammelten. Präsident Petr Pavel betonte in seiner Rede, dass die tschechische Unterstützung für Kiew nicht ende.

Das Programm begann mit dem Umzug „Marsch der verlorenen Flagge“, dessen Teilnehmer eine große ukrainische Flagge vom Nationalmuseum zum Altstädter Ring trugen. Auf der Bühne traten unter anderem der legendäre Eishockeytorwart Dominik Hašek und die Filmregisseurin Agnieszka Holland auf. Mütter gefallener tschechischer Freiwilliger, die in der Ukraine kämpfen, erinnerten daran, dass Freiheit den höchsten Preis hat.

Gedenkveranstaltungen in Städten in der ganzen Republik

Die Aktionen beschränkten sich nicht nur auf Prag. In Brünn, Olmütz, Zlín und Pilsen fanden Kundgebungen und Wohltätigkeitsmärkte statt. In Reichenberg schmückten die Teilnehmer symbolisch den Baum der Hoffnung, in Königgrätz konnte man das Flechten von Tarnnetzen für Soldaten ausprobieren. In etwa siebzehn Städten wurden auf den Plätzen Modelle russischer Drohnen aufgestellt, mit denen Russland systematisch die ukrainische zivile Infrastruktur angreift. Die Initiative „Ein Geschenk für Putin“ wollte den Tschechen so einen direkten Einblick in die Grausamkeit des modernen Krieges ermöglichen.

Parallel dazu lief ein ganztägiger Sendemarathon „Operation Hoffnung“ mit Dutzenden von Gästen und einer Spendenaktion für eine Rehabilitationsklinik in Lemberg.

Tschechische Munitionsinitiative: ein wichtiger Beitrag für Kiew

Die Tschechische Republik gehört seit Beginn des Konflikts zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine in Europa. Präsident Pavel veröffentlichte kürzlich eine Bilanz der Munitionsinitiative, die er selbst im Februar 2024 ins Leben gerufen hatte: In den zwei Jahren ihres Bestehens lieferte sie der Ukraine 4,4 Millionen großkalibrige Artilleriegeschosse, was mehr als 50 Prozent aller Granaten ausmacht, die Kiew von seinen Verbündeten erhalten hat. Allein im Jahr 2025 kamen fast 2 Millionen Stück hinzu. Die Initiative wurde von mehr als achtzehn Ländern finanziell unterstützt, darunter Deutschland, Dänemark, Frankreich und Polen.

Das Gesamtvolumen der tschechischen Regierungshilfe für die Ukraine überstieg nach Berechnungen des deutschen Kiel Instituts einen Wert von 232 Milliarden Kronen, was Tschechien den fünften Platz in der Europäischen Union sichert – ein bemerkenswertes Ergebnis für einen mittelgroßen Staat.

Fast 400.000 Flüchtlinge fanden in Tschechien ein Zuhause

Der Krieg brachte eine in Tschechien noch nie dagewesene Migrationswelle mit sich. Bis heute registrieren die Behörden über 398.000 Personen mit vorübergehendem Schutz, wobei fast die Hälfte davon erwachsene Frauen und ein Drittel Kinder sind. Etwa 172.000 wirtschaftlich aktive Ukrainer arbeiten auf dem tschechischen Arbeitsmarkt – acht von zehn, die arbeiten können, tun dies auch tatsächlich.

Ihre Steuer- und Versicherungsbeiträge beliefen sich auf 8,2 Milliarden Kronen, während die staatlichen Ausgaben für ihre Unterstützung 3,9 Milliarden betrugen. Die Integration der Flüchtlinge ist somit für die tschechische Wirtschaft zu einem Gewinn und nicht zu einer Belastung geworden. Tschechische humanitäre Organisationen halfen im vergangenen Jahr fast 880.000 Ukrainern direkt in ihrem Heimatland.

Pavel: Russland darf nicht für seine Aggression belohnt werden

Präsident Pavel warnt wiederholt, dass der Frieden in der Ukraine gerecht und dauerhaft sein muss – und nicht eine Kapitulation. Das Völkerrecht darf nicht geopolitischen Kalkulationen geopfert werden. „Wenn Aggression belohnt wird, senden wir ein gefährliches Signal in die ganze Welt“, betonte der tschechische Präsident. Gleichzeitig forderte er die Vereinigten Staaten auf, den Druck auf Moskau zu erhöhen, ohne den ein echter Frieden seiner Meinung nach nicht real sei.

Vier Jahre nach Beginn der Invasion bleibt die Tschechische Republik einer der entschlossensten Verbündeten Kiews. Die heutigen Gedenkveranstaltungen zeigen, dass diese Unterstützung nicht nur auf den Schultern der Regierung lastet, sondern von der gesamten tschechischen Gesellschaft getragen wird.

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