30-Nationen-Koalition verspricht Unterstützung für die Ukraine im vierten Kriegsjahr
Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffskrieges bekräftigten über 30 Nationen eine von Europa geführte multinationale Truppe für die Ukraine und sagten über 500 Millionen Euro an neuer Energiehilfe zu, während der Konflikt ohne Waffenstillstand in sein fünftes Jahr geht.
Ein düsterer Meilenstein, eine geeinte Antwort
Vier Jahre nachdem russische Panzer in die Ukraine einmarschiert sind, trafen sich am 24. Februar 2026 mehr als dreißig Staats- und Regierungschefs virtuell, um ihr Engagement für die Verteidigung Kiews zu bekräftigen. Der Gipfel der sogenannten „Koalition der Willigen“ – unter dem gemeinsamen Vorsitz des britischen Premierministers Keir Starmer, des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz – wurde bewusst auf den Jahrestag des russischen Angriffskrieges gelegt, um sowohl Kiew als auch Moskau ein Signal der Einigkeit zu senden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj empfing in Kiew eine persönliche Delegation, flankiert von nordisch-baltischen Staatsoberhäuptern, hochrangigen EU-Vertretern und der kroatischen Führung – ein Zeichen der Solidarität, das unterstreicht, wie grundlegend die europäische Sicherheitspolitik durch vier Kriegsjahre verändert wurde.
Truppen, Kredite und eine halbe Milliarde an Energiehilfe
Das Kernstück des Gipfels am Dienstag war die Bekräftigung der Multinationalen Truppe für die Ukraine – einer geplanten, von Europa geführten Eingreiftruppe, die erstmals auf einem wegweisenden Treffen in Paris im Januar 2026 vereinbart wurde. Im Rahmen dieser Pariser Erklärung unterzeichneten Großbritannien und Frankreich eine Absichtserklärung, Truppen auf ukrainischem Territorium zu stationieren, falls es zu einem Waffenstillstand kommt. Macron schätzte, dass Frankreich allein „mehrere tausend“ Soldaten beisteuern könnte, während die Vereinigten Staaten den Rahmen unterstützen, indem sie sich verpflichten, einen Mechanismus zur Überwachung und Überprüfung des Waffenstillstands zu leiten.
Die finanziellen Zusagen entsprachen der militärischen Rhetorik. Das 90-Milliarden-Euro-Kreditpaket der EU ist weiterhin auf Kurs, und die Koalitionspartner mobilisierten über 500 Millionen Euro an neuen Zusagen für den Ukraine Energy Support Fund – von entscheidender Bedeutung, da russische Angriffe weiterhin auf die Energieinfrastruktur im ganzen Land abzielen. Die Staats- und Regierungschefs erneuerten auch ihre Zusagen, die Sanktionen zu verschärfen und insbesondere gegen Russlands Schattenflotte, Ölhandelsnetzwerke und militärisch-industrielle Lieferketten vorzugehen.
Druck auf Russland, Forderung nach einem vollständigen Waffenstillstand
In der gemeinsamen Erklärung wurde Moskau aufgefordert, sich „sinnvoll an Friedensgesprächen zu beteiligen“ und einem „vollständigen, bedingungslosen Waffenstillstand“ zuzustimmen, wobei der grundlegende Grundsatz bekräftigt wurde, dass internationale Grenzen nicht mit Gewalt verändert werden dürfen – eine direkte Zurückweisung der illegalen Annexion ukrainischer Gebiete durch Russland.
Russland hat die Anwesenheit von NATO-verbundenen Truppen auf ukrainischem Boden im Rahmen einer Friedensregelung stets abgelehnt. Zusätzliche Spannungen schürte eine Analyse des Daily Telegraph, die am selben Tag veröffentlicht wurde und nahelegte, dass die geplanten Truppenstationierungen der Koalition in der Praxis die stillschweigende Zustimmung Moskaus erfordern würden, um tragfähig zu sein – eine Realität, die die Koalitionsführer öffentlich nur ungern anerkennen.
Eine neue europäische Sicherheitsarchitektur nimmt Gestalt an
Das Treffen spiegelt einen tieferen strukturellen Wandel wider: Europäische Nationen, alarmiert durch das unsichere Engagement der USA für die NATO unter der Trump-Regierung, haben ihre Bemühungen beschleunigt, eine unabhängige Abschreckungskapazität aufzubauen. Die Koalition der Willigen stellt nun den konkretesten – wenn auch noch fragilen – Ausdruck dieser neuen Haltung dar.
Während die Ukraine in ihr fünftes Kriegsjahr eintritt, steht die Koalition vor einer entscheidenden Bewährungsprobe: die Umsetzung von Zusagen in operative Fähigkeiten, bevor sich Friedensverhandlungen konkretisieren. Da Russland immer noch große Teile des ukrainischen Territoriums besetzt und keine Anzeichen für ein echtes Engagement zeigt, ist die multinationale Truppe eher ein Entwurf als eine Truppe vor Ort.
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