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Alinejad erhält ersten Paulskirchenpreis für Demokratie

Die iranisch-amerikanische Journalistin Masih Alinejad wurde in Frankfurt am Main mit dem erstmals verliehenen Europäischen Paulskirchenpreis für Demokratie ausgezeichnet — für ihren Kampf gegen die Zwangsverschleierung und für Menschenrechte im Iran.

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Redakcia
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Alinejad erhält ersten Paulskirchenpreis für Demokratie

Historische Premiere in der Paulskirche

Am 31. März 2026 wurde in der Frankfurter Paulskirche erstmals der Europäische Paulskirchenpreis für Demokratie verliehen. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung ging an die iranisch-amerikanische Journalistin, Autorin und Frauenrechtlerin Masih Alinejad. Der Beirat des Preises wählte sie einstimmig aus 30 eingegangenen Bewerbungen aus.

Die Preisverleihung in der Wiege der deutschen Demokratie — dem Ort, an dem 1848 das erste frei gewählte deutsche Parlament zusammentrat — unterstrich die symbolische Kraft der Auszeichnung. Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) überreichte gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner (Grüne) die Urkunde an Alinejad.

Laudatio von Bundestagspräsidentin Klöckner

Die Laudatio hielt auf Wunsch der Preisträgerin Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU). In ihrer Rede betonte Klöckner die Bedeutung von Alinejads Engagement: „Im Iran entscheidet ein Stück Stoff darüber, ob eine Frau frei ist — oder verfolgt wird."

Alinejad selbst widmete die Auszeichnung den „mutigen Frauen und Männern, die für einen freien Iran kämpfen — viele von ihnen haben für diese Werte ihr Leben geopfert." In ihrer Dankesrede forderte sie westliche Demokratien auf, die iranische Opposition nicht nur mit Solidaritätsbekundungen, sondern mit konkreter Unterstützung zu stärken.

Vom Kopftuch-Selfie zur globalen Bewegung

Masih Alinejad lebt seit 2009 im US-amerikanischen Exil, nachdem sie Morddrohungen von höchster Stelle erhalten hatte. Im Mai 2014 veröffentlichte sie ein Foto von sich ohne Kopftuch und löste damit die Kampagne „My Stealthy Freedom" aus, die Millionen Iranerinnen erreichte. Frauen teilten Bilder ohne Hidschab — trotz strafrechtlicher Verfolgung im Iran.

Seitdem überlebte Alinejad mehrere Mordanschläge und Entführungsversuche auf US-amerikanischem Boden, die den iranischen Revolutionsgarden zugeschrieben werden. In einem Interview mit der Tagesschau sagte sie: „I love democracy" — und betonte, es sei ihr wichtiger, „mit Würde zu leben und eine Mission zu haben."

Deutliche Kritik an westlicher Diplomatie

In ihrer Rede scheute Alinejad nicht vor scharfer Kritik an westlichen Regierungen zurück. Sie warf ihnen vor, autoritäre Regime durch Engagement und Handel zu legitimieren: „Wenn Sie eine Diktatur legitimieren, ermächtigen Sie sie, mehr Menschen zu töten." Diejenigen, die für die Demokratie kämpften, dürften niemals allein gelassen werden.

Besonders kritisierte sie westliche Staats- und Regierungschefs, die nach umstrittenen Wahlen im Iran der iranischen Führung gratulierten. Die Revolutionsgarden bezeichnete sie als Terrororganisation.

Ein Preis mit Zukunft

Der Europäische Paulskirchenpreis für Demokratie soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden. Die Stadt Frankfurt schuf ihn im Gedenken an das 175-jährige Jubiläum der Nationalversammlung von 1848 und finanziert ihn aus kommunalen Mitteln. In einer Zeit, in der demokratische Werte weltweit unter Druck stehen, sendet die Auszeichnung ein deutliches Signal — gerade auch an die deutsche Öffentlichkeit, dass Demokratie stets aufs Neue verteidigt werden muss.

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