Brandanschlag in Pardubice: Vierter Verdächtiger in Untersuchungshaft
Die tschechische Polizei hat einen vierten Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf ein Lager der Firma LPP Holding in Pardubice festgenommen. Alle vier werden des Terrorismus beschuldigt, die Ermittler schließen Verbindungen zu einem ausländischen Staat nicht aus.
Koordinierter Angriff auf Rüstungsbetrieb
Zehn Tage nach dem Brandanschlag auf einen Lagerkomplex der Firma LPP Holding im Industriegebiet von Pardubice hat die Polizei die Festnahme eines vierten Verdächtigen bestätigt. Das Bezirksgericht in Pardubice hat ihn am Samstag, den 28. März, in Untersuchungshaft genommen – ebenso wie drei zuvor festgenommene Personen. Alle werden eines terroristischen Anschlags und der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung beschuldigt, wofür ihnen bis zu zwanzig Jahre Haft oder eine lebenslange Freiheitsstrafe drohen.
Das Feuer brach am 20. März kurz nach vier Uhr morgens aus. Die Flammen erfassten eine Lagerhalle und breiteten sich auf das angrenzende Verwaltungsgebäude aus. Die Feuerwehr löschte das Feuer bis acht Uhr. Bei dem Angriff wurde niemand verletzt, der Schaden beläuft sich jedoch auf mehrere zehn Millionen Kronen.
Wer sind die Beschuldigten?
Unter den Festgenommenen befinden sich Staatsbürger der Tschechischen Republik und der Vereinigten Staaten. Einer der Beschuldigten ist Youssef Moursi, ein pro-palästinensischer Aktivist mit amerikanischer Staatsbürgerschaft und ägyptischen Wurzeln, der für ein tschechisches linkes Magazin schrieb. Eine weitere Festgenommene ist eine junge Tschechin, die seit langem im Klima- und Linkenaktivismus engagiert ist. Die dritte Verdächtige – eine amerikanische Staatsbürgerin – wurde in der Slowakei festgenommen und anschließend an die tschechischen Behörden ausgeliefert.
Keiner der Beschuldigten hat vor Gericht die Tat gestanden. Der Richter sah alle drei gesetzlichen Gründe für die Verhängung der Untersuchungshaft als gegeben an: Fluchtgefahr, Beeinflussung von Zeugen und die Gefahr der Wiederholung von Straftaten. Nach Angaben der Ermittler könnten bis zu sieben Personen in den Fall verwickelt sein.
Earthquake Faction und die Frage nach dem Motiv
Zu dem Anschlag bekannte sich auf dem sozialen Netzwerk X eine bisher unbekannte Gruppe namens Earthquake Faction, die sich als internationale anti-israelische Organisation bezeichnet. Die Gruppe behauptete, das „Epizentrum der israelischen Rüstungsindustrie in Europa“ getroffen zu haben, und drohte mit der Veröffentlichung interner Dokumente des Unternehmens, falls LPP Holding die Zusammenarbeit mit dem israelischen Unternehmen Elbit Systems nicht bis zum 20. April einstellt. LPP Holding hat jedoch jegliche Zusammenarbeit mit Elbit dementiert.
Die Ermittler erwägen jedoch, ob es sich nicht um eine Operation unter falscher Flagge handelt. Da LPP Holding autonome Drohnentechnologien herstellt, die an die ukrainische Armee geliefert werden, ist eine der verfolgten Spuren eine mögliche Verbindung zu Russland. Der Inlandsgeheimdienst (BIS) untersucht den Fall aktiv in Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern.
Sicherheitskontext
Der Fall Pardubice ereignet sich in einer Zeit erhöhter Sicherheitsbedrohungen in Tschechien. Premierminister Andrej Babiš berief nach dem Anschlag den Staatssicherheitsrat ein und forderte die Rüstungsunternehmen auf, die Sicherheit ihrer Betriebe zu erhöhen. Die Terrorismuswarnstufe bleibt auf Stufe zwei, also auf dem Niveau eines erhöhten Risikos.
Die Ermittlungen werden von der Nationalen Zentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus, Extremismus und Cyberkriminalität (NCTEKK) in Zusammenarbeit mit dem BIS und dem Innenministerium koordiniert. Der Fall gilt als einer der schwerwiegendsten Terrorismusfälle in der neueren tschechischen Geschichte und ist ein Test für die Fähigkeit der Sicherheitskräfte, organisierte Gruppen, die die Sicherheit des Staates gefährden, schnell zu zerschlagen.
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