Formel 1: Eine neue Ära beginnt in Melbourne – DRS abgeschafft, Cadillac gibt Debüt
Die Formel 1 startet am 8. März mit einem umfassend überarbeiteten Reglement, einem neuen amerikanischen Team und Titelverteidiger Lando Norris in Melbourne in die wohl revolutionärste Saison seit Jahrzehnten.
Eine neu erfundene Sportart
Wenn am 8. März in Albert Park die Startampel erlischt, ist das mehr als nur der Auftakt zu einer weiteren Formel-1-Saison. Der Große Preis von Australien 2026 markiert das, was viele innerhalb des Sports als die umfassendste regulatorische Revolution in der F1-Geschichte bezeichnen: neue Antriebseinheiten, eine neue aerodynamische Philosophie und ein Feld, das so ausgeglichen ist, dass kein Team wagt vorherzusagen, wer zuerst auf dem Podium stehen wird.
Die wichtigste Änderung ist die Abschaffung des Drag Reduction System (DRS), der Öffnungshilfe für den Heckflügel, die die Fahrer seit 2011 verwendet haben. An seine Stelle hat die F1 ein Trio neuer Werkzeuge eingeführt: Overtake Mode (Überholmodus), Straight Mode (Gerademodus) und Boost Mode (Boost-Modus). Zusammen stellen sie einen grundlegend anderen Ansatz für das Downforce-Management und die Leistungsentfaltung der Autos dar.
So funktionieren die neuen Systeme
Der Overtake Mode, das engste Äquivalent zum DRS, ermöglicht es einem Fahrer, der sich innerhalb einer Sekunde hinter dem vorausfahrenden Auto befindet, zusätzliche 0,5 Megajoule elektrische Energie einzusetzen und länger eine höhere Geschwindigkeit aufrechtzuerhalten. Im Gegensatz zum DRS funktioniert er von einem einzigen Erkennungspunkt aus und kann flexibel über eine Runde eingesetzt werden, nicht nur in ausgewiesenen Zonen.
Der Straight Mode funktioniert unabhängig von der Rennposition: Jeder Fahrer kann den Luftwiderstand auf jeder Geraden reduzieren, unabhängig vom Abstand zum vorausfahrenden Auto. Die bekannten DRS-Tafeln an den Strecken zeigen nun SM an, um den Beginn der Zone zu kennzeichnen. Der Boost Mode funktioniert wie eine aktualisierte Version von KERS und ermöglicht den maximalen Einsatz der Leistung – die von einer Antriebseinheit bezogen wird, die nun zu gleichen Teilen aus Verbrennung und elektrischer Leistung besteht – an jedem Punkt der Runde.
Auch die Autos selbst haben sich physisch verändert. Der Radstand wurde um 200 Millimeter, die Gesamtbreite um 100 Millimeter reduziert, und das Mindestgewicht ist um 30 Kilogramm auf 770 kg gesunken. Die Absicht ist laut F1 und FIA, die Maschinen wendiger zu machen, schwieriger am Limit zu fahren und stärker auf das fahrerische Können zu setzen.
Cadillac: Das elfte Team der F1
Eine der wichtigsten Geschichten im Vorfeld von Melbourne ist das Debüt von Cadillac als elfter Konstrukteur in der Formel 1 – das erste neue Team, das seit Haas im Jahr 2016 in die Startaufstellung kommt. Das amerikanische Team, das von Ferrari-Antriebseinheiten angetrieben und von Teamchef Graeme Lowdon geleitet wird, hat mit Valtteri Bottas und Sergio Pérez eine Reihe erfahrener Fahrer zusammengestellt, die beide bereits Rennen gewonnen und um Meisterschaften gekämpft haben.
Das Team reist bereits mit Upgrades für den Saisonauftakt an, obwohl die Erwartungen gedämpft sind. Bottas geht mit einer Startplatzstrafe in Melbourne an den Start, dennoch hat das Team sein Debüt als historisch bezeichnet und konzentriert sich darauf, die Leistung Rennen für Rennen zu steigern. Ihre Anwesenheit erweitert das Fahrerlager zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt auf eine vollständige Startaufstellung mit 22 Autos.
Norris unter Druck
Lando Norris kommt mit der Nummer 1 auf seinem McLaren nach Melbourne – verdient durch den Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft 2025 mit nur zwei Punkten Vorsprung vor Max Verstappen. Er gewann den letztjährigen Großen Preis von Australien von der Pole-Position aus, was Albert Park zu einer Strecke mit schönen Erinnerungen macht. Aber die Titelverteidigung in einem Jahr des Umbruchs ist eine ganz andere Sache.
McLarens Oscar Piastri gab auf der Donnerstags-Pressekonferenz offen zu, dass das Team nicht glaubt, sich in der gleichen dominanten Position wie vor zwölf Monaten zu befinden. Die Vorsaisontests deuteten darauf hin, dass Mercedes und Red Bull einen Schritt voraus sind, wobei auch Ferrari fest im Rennen ist. Analysten von Sky Sports F1 prognostizieren einen echten Vierkampf, wobei Mercedes als knapper Favorit für den ersten Sieg des Jahres gilt.
Ein offenes Feld
Die F1 ist selten mit so viel echter Ungewissheit in eine neue Saison gestartet. Große Reglementänderungen mischen die Wettbewerbsordnung historisch neu, und 2026 ist keine Ausnahme. Mit aktiver Aerodynamik, Hybridantrieb, der nun die Hälfte der Gesamtleistung liefert, und kleineren, leichteren Chassis, die den Fahrern mehr abverlangen, ist Albert Park an diesem Wochenende im Grunde genommen der erste echte Test für alle.
Auch das Qualifying-Format wurde angepasst: In Q1 und Q2 werden jeweils sechs statt fünf Autos ausscheiden, wobei die Sitzungsdauern verkürzt wurden. Die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Boxengasse wird auf 60 km/h zurückgesetzt, um der erweiterten Startaufstellung mit 22 Autos Rechnung zu tragen.
Was auch immer am Sonntag passiert, eines ist sicher: Die Formel 1, die 2026 aus Melbourne hervorgeht, wird anders aussehen, klingen und sich anders fahren als alles, was die Fans bisher gesehen haben.
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