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Größter Wettskandal der Geschichte erschüttert tschechischen Fußball

Die Polizei hat 32 Personen im größten Korruptionsskandal des tschechischen Fußballs angeklagt. Unter den Beschuldigten ist der Bürgermeister von Karviná, Jan Wolf. Die Manipulationen betrafen Wettbewerbe von der ersten Liga bis zur Jugend.

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Redakcia
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Größter Wettskandal der Geschichte erschüttert tschechischen Fußball

Razzia historischen Ausmaßes

Der tschechische Fußball sieht sich mit dem größten Korruptionsskandal seiner Geschichte konfrontiert. Die Polizei führte am Dienstag, den 24. März 2026, koordinierte Razzien an Dutzenden Orten in der Tschechischen Republik und im Ausland durch und beschuldigte insgesamt 32 Personen der Manipulation von Fußballspielen im Zusammenhang mit Wetten. Den Beschuldigten drohen Freiheitsstrafen von bis zu 13 Jahren.

Die dreijährigen Ermittlungen wurden von der Nationalen Zentralstelle zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität in Zusammenarbeit mit Europol, Interpol und der Antikorruptionseinheit der UEFA koordiniert. Laut den Ermittlern betrifft der Skandal Wettbewerbe von der höchsten Liga über niedrigere Ligen und den MOL Cup bis hin zu Jugendligen.

Bürgermeister von Karviná unter den Beschuldigten

Der prominenteste Name unter den Beschuldigten ist Jan Wolf, Bürgermeister von Karviná und Chef des Erstligisten MFK Karviná, der laut Polizei Schiedsrichtern und Spielern Bestechungsgelder für die Beeinflussung von Ergebnissen angeboten haben soll. Wolf weist die Vorwürfe zurück und erklärte, er wolle seinen Namen reinwaschen.

Karviná ist der einzige Verein aus der höchsten Liga, der in den Fall verwickelt ist. Auch zwei Spieler des Vereins wurden angeklagt – Mittelfeldspieler Samuel Šigut und Matěj Hýbl. Der Skandal hatte sofortige wirtschaftliche Auswirkungen: Der Wettanbieter Chance beendete die Zusammenarbeit mit Karviná sowie mit dem Zweitligisten Slezský FC Opava, und das Bergbauunternehmen OKD zog sich von der Partnerschaft mit Karviná zurück.

Sechs Vereine und eine Balkan-Spur

Neben Karviná sind auch andere Vereine von den Ermittlungen betroffen: der Zweitligist SFC Opava und FK Chrudim, aber auch Teams aus niedrigeren Ligen wie 1. SC Znojmo, FC Vratimov oder FC Zlínsko. Beschuldigt werden Spieler, Funktionäre und Schiedsrichter.

Nach vorliegenden Informationen steckt hinter den Manipulationen unter anderem eine balkanische Wettgruppe namens Gypsy, die in den letzten Jahren systematisch in tschechische Vereine in unteren Ligen mit finanziellen Problemen eingedrungen ist. Die Bestechungsgelder sollen in Euro ausgezahlt worden sein.

Die Anklagen umfassen die Teilnahme an einer organisierten kriminellen Vereinigung, Betrug, Bestechung und Geldwäsche. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft für fünf Hauptverdächtige – das Gericht schickte schließlich vier von ihnen in Untersuchungshaft.

FAČR leitete 47 Disziplinarverfahren ein

Der tschechische Fußballverband (FAČR) reagierte umgehend. Der Vorsitzende der Ethikkommission, Martin Holub, kündigte die Einleitung von 47 Disziplinarverfahren gegen Vereine, Funktionäre, Schiedsrichter und Spieler an, die der Bestechung und Ergebnismanipulation verdächtigt werden. Die meisten betroffenen Spieler wurden vorläufig vom Spielbetrieb ausgeschlossen.

Der FAČR-Vorsitzende David Trunda betonte auf einer außerordentlichen Pressekonferenz, dass die Führung des tschechischen Fußballs nicht in den Fall verwickelt sei. „Der Einsatz betrifft niemanden aus der Führung des tschechischen Fußballs“, sagte Trunda.

Symbolträchtiger Zeitpunkt

Der Skandal kommt zu einem äußerst heiklen Zeitpunkt – nur zwei Tage vor dem Finalspiel der Play-offs um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 gegen Irland in Prag. Die tschechische Nationalmannschaft muss sich somit in dem wichtigsten Spiel der letzten Jahre einem enormen medialen Druck stellen.

Der Fall erinnert daran, dass das Problem der Spielmanipulation im tschechischen Fußball tiefe Wurzeln hat. Die Ermittler weisen darauf hin, dass die Ergebnisbeeinflussung mindestens bis ins Jahr 2023 zurückreicht. Ob es sich um die Spitze des Eisbergs handelt, wird erst der weitere Verlauf der Ermittlungen zeigen.

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