Israel blockiert Palmsonntagsmesse in der Grabeskirche
Die israelische Polizei hinderte Kardinal Pizzaballa daran, die Palmsonntagsmesse in der Jerusalemer Grabeskirche zu feiern – die erste derartige Störung seit Jahrhunderten –, was eine Welle internationaler Verurteilung und eine rasche Kehrtwende von Netanjahu auslöste.
Eine historische Störung
Zum ersten Mal seit Jahrhunderten konnte die Palmsonntagsmesse nicht in der Grabeskirche – der heiligsten Stätte des Christentums – gefeiert werden, nachdem die israelische Polizei Kardinal Pierbattista Pizzaballa, den lateinischen Patriarchen von Jerusalem, am 29. März am Betreten des Gebäudes gehindert hatte.
Pizzaballa und Pater Francesco Ielpo, der offizielle Kustos der Kirche, wurden von der Polizei aufgehalten, als sie sich auf den Weg machten, um eine private Messe zu feiern – keine öffentliche Prozession. Die formelle Palmsonntagsprozession war bereits aufgrund des israelischen Verbots großer Versammlungen inmitten des anhaltenden Konflikts mit dem Iran abgesagt worden. Doch selbst diese reduzierte Andacht wurde verweigert.
Das lateinische Patriarchat nannte die Entscheidung "eine offenkundig unzumutbare und grob unverhältnismäßige Maßnahme" und wies darauf hin, dass in den vergangenen Konfliktwochen private Messen in der Kirche ohne Zwischenfälle abgehalten worden waren.
Israels Rechtfertigung
Die israelische Polizei nannte Sicherheitsbedenken und erklärte, die engen Gassen der Altstadt ließen keinen Zugang für Rettungsfahrzeuge zu, was "im Falle eines Massenanfalls eine echte Gefahr für Menschenleben" darstelle. Das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu fügte hinzu, die Polizei habe "aus besonderer Sorge" um die Sicherheit des Kardinals gehandelt und betonte, es habe "keine böswillige Absicht" gegeben.
Beamte verwiesen auf die iranischen Angriffe mit ballistischen Raketen auf Jerusalem seit Beginn des Konflikts Ende Februar und stellten fest, dass Raketenfragmente "Meter von der Grabeskirche entfernt" eingeschlagen seien. Jerusalems wichtigste heilige Stätten sind seit Kriegsbeginn am 28. Februar für Gläubige geschlossen.
Eine Welle internationaler Verurteilung
Der Vorfall löste eine rasche und ungewöhnlich einhellige Kritik von westlichen Verbündeten aus. US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee – der normalerweise kein Kritiker der israelischen Regierung ist – nannte die Blockade "schwer verständlich oder zu rechtfertigen" und bezeichnete sie als "bedauerliches Übermaß".
Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni drückte Pizzaballa ihre "Solidarität" aus und erklärte, die Verweigerung "stelle nicht nur eine Beleidigung für Gläubige dar, sondern für jede Gemeinschaft, die die Religionsfreiheit anerkennt". Italien protestierte formell bei den israelischen Behörden und bestellte den israelischen Botschafter in Rom ein.
Der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Entscheidung als Teil einer "besorgniserregenden Reihe von Verstößen gegen den Status der heiligen Stätten in Jerusalem" und fügte hinzu: "Die freie Religionsausübung in Jerusalem muss für alle Religionen gewährleistet sein." Der deutsche Botschafter Steffen Seibert nannte den Vorfall "schmerzhaft für alle Christen".
Netanjahus rasche Kehrtwende
Angesichts des wachsenden diplomatischen Drucks handelte Netanjahu schnell, um die Folgen einzudämmen. Am Montagmorgen gab er bekannt, er habe die "zuständigen Behörden" gebeten, Kardinal Pizzaballa den Zutritt zur Grabeskirche zu gestatten und "Gottesdienste nach seinen Wünschen abzuhalten". Er signalisierte auch Pläne, die Kirche in den kommenden Tagen teilweise wiederzueröffnen.
Die Kehrtwende konnte jedoch den symbolischen Schaden kaum ausgleichen. Der Sprecher des lateinischen Patriarchats, Farid Jubran, fasste die von vielen geteilte Stimmung zusammen: "Es ist ein sehr, sehr heiliger Tag für Christen, und unserer Meinung nach gab es keine Rechtfertigung."
Breitere Auswirkungen
Der Vorfall hat die Besorgnis über die langjährige Status-quo-Regelung neu entfacht – den jahrhundertealten Rahmen, der den Zugang zu Jerusalems heiligen Stätten regelt, die von mehreren Glaubensrichtungen geteilt werden. Kritiker sehen seit Beginn des Iran-Konflikts ein Muster zunehmend restriktiver israelischer Maßnahmen, die die christliche und muslimische Religionsausübung in der Altstadt beeinträchtigen.
Für viele Beobachter trug die Blockierung einer privaten Palmsonntagsmesse – genau an dem Tag, an dem Christen an Jesu Einzug in Jerusalem erinnern – eine Symbolik, die keine Sicherheitsbegründung leicht rechtfertigen konnte.
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