Kultur

Letná lebt wieder auf: Viertelmillion demonstriert gegen Babiš

Auf der Prager Letná versammelten sich am 21. März 2026 über 200.000 Demonstranten zur größten Antiregierungsdemonstration seit der Samtenen Revolution. Die Teilnehmer äußerten ihre Besorgnis über die Gefährdung der Demokratie unter der Regierung von Andrej Babiš.

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Redakcia
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Letná lebt wieder auf: Viertelmillion demonstriert gegen Babiš

Größte Demonstration seit 1989

Am Samstag, den 21. März, füllten Hunderttausende Menschen die Prager Letná. Der Verein Eine Million Augenblicke für die Demokratie unter der Leitung von Mikuláš Minář hatte zu einer Kundgebung mit dem Titel „Wir lassen uns die Zukunft nicht stehlen“ aufgerufen, die laut den Organisatoren zur größten Antiregierungsdemonstration seit dem Fall des Kommunismus im Jahr 1989 wurde. Die Organisatoren schätzten die Teilnehmerzahl auf 250.000 Menschen, die Polizei bestätigte die genaue Zahl nicht.

Die Letná, ein Ort, der symbolisch mit den Massenprotesten während der Samtenen Revolution verbunden ist, wurde nach mehr als sechs Jahren wieder zum Epizentrum des bürgerlichen Unmuts. Bereits im Jahr 2019 versammelte Eine Million Augenblicke hier eine ähnliche Anzahl von Demonstranten gegen die damalige Regierung von Andrej Babiš.

Auslöser: Ablehnung der Auslieferung von Babiš und Okamura

Unmittelbarer Anlass für den Protest war die jüngste Abstimmung des Abgeordnetenhauses, das die Auslieferung von Premierminister Andrej Babiš zur Strafverfolgung im Fall des Subventionsbetrugs in Höhe von zwei Millionen Euro aus EU-Fonds ablehnte. Das Parlament lehnte gleichzeitig die Auslieferung des Vorsitzenden der SPD, Tomio Okamura, ab, dem Hetze vorgeworfen wird. Beide Entscheidungen bedeuten, dass die Politiker bis zum Ende ihres Mandats im Jahr 2029 nicht vor Gericht gestellt werden können.

Die Organisatoren erklärten als Reaktion auf die Abstimmung, dass sich die tschechische Gesellschaft in „gewöhnliche Menschen und Unantastbare“ teile.

Befürchtungen über einen demokratischen Niedergang

Die Demonstranten äußerten ihre Besorgnis über die Ausrichtung der Koalitionsregierung der Bewegung ANO, der Partei SPD und der Motoristé sobě. Zu den Hauptkritikpunkten gehörten:

  • Geplante Änderungen der Finanzierung öffentlich-rechtlicher Medien
  • Vorbereitung eines Gesetzes über ausländische Verbindungen, das mit der russischen Gesetzgebung über „ausländische Agenten“ verglichen wird
  • Kürzung der Verteidigungsausgaben trotz russischer Bedrohung
  • Ablehnung finanzieller Hilfe für die Ukraine und Abkehr von einer pro-europäischen Außenpolitik

Der Vorsitzende von Eine Million Augenblicke, Mikuláš Minář, erklärte von der Bühne: „Wir sind hier, um uns klar dagegen zu stellen, dass unser Land auf den Weg der Slowakei und Ungarns gezogen wird.“ Er forderte junge Menschen auf, sich stärker in politischen Parteien zu engagieren, und Oppositionsführer, „rote Linien“ gegenüber der Regierung zu ziehen.

Prominente Redner und Symbolik

Auf der Bühne traten zahlreiche Persönlichkeiten auf. Der Schauspieler Ivan Trojan kritisierte die Kürzungen im Verteidigungsbereich und den Einfluss extremistischer Parteien. Der Regisseur und Drehbuchautor Zdeněk Svěrák bezeichnete die Versuche, das Fernsehen und den Rundfunk zu kontrollieren, als „Unverschämtheit, nicht als Spaß“. Der ehemalige Präsident der Akademie der Wissenschaften, Václav Pačes, warnte, dass das vorbereitete Gesetz leicht zur Einschränkung der persönlichen Freiheit missbraucht werden könne. Auch die Sängerin Aneta Langerová, der Schauspieler Jiří Lábus und die Historikerin Hana Kubátová traten auf.

Zum Abschluss des Protests erschien eine Gruppe von Menschen, die als Blaník-Ritter verkleidet waren – legendäre Beschützer, die der Legende nach in den schwersten Zeiten zu Hilfe kommen sollen.

Reaktionen von Regierung und Opposition

Der ehemalige Premierminister Petr Fiala drückte den Demonstranten seinen Respekt und Dank aus. Der Außenminister Petr Macinka hingegen wies die Demonstration als „übliche Oppositionsrhetorik“ zurück und erklärte, dass die Demokratie nicht durch die Regierung, sondern durch „druckausübende Bürgergruppen“ gefährdet werde. Premierminister Babiš äußerte sich nicht öffentlich zu der Demonstration.

Der Protest dauerte etwa zweieinhalb Stunden und endete mit der Nationalhymne. Die Polizei verzeichnete keine schwerwiegenden Zwischenfälle, sondern nahm lediglich einen Mann fest, der aus einem Fenster in der Nähe der Letná mit einer Airsoft-Waffe geschossen hatte.

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