Metastasen sind kein Zufall: Forscher entdecken genetischen Code der Krebsausbreitung
Wissenschaftler der Universität Genf haben Genmuster identifiziert, die die Ausbreitung von Krebs steuern, und das KI-Tool MangroveGS entwickelt, das das Metastasierungsrisiko mit einer Genauigkeit von fast 80 % vorhersagt. Die Entdeckung verändert die Sichtweise auf die Behandlung von Tumoren.
Krebs breitet sich nach Regeln aus, nicht zufällig
Ein internationales Team von Wissenschaftlern der Universität Genf (UNIGE) hat eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: Metastasen – die Ausbreitung von Krebs in entfernte Organe – sind kein zufälliger Prozess. Im Gegenteil, sie werden von einem biologischen „Programm“ gesteuert, das direkt in den Genen der Tumorzellen kodiert ist. Die im März 2026 in der renommierten Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlichte Studie könnte die Art und Weise, wie Ärzte onkologische Patienten behandeln, grundlegend verändern.
Genmuster verraten die Aggressivität des Tumors
Das Team unter der Leitung von Professor Ariel Ruiz i Altaba vom Departement für genetische Medizin und Entwicklung der UNIGE isolierte und analysierte etwa dreißig Klone von Tumorzellen aus zwei primären Dickdarmtumoren. Die Wissenschaftler untersuchten die Genaktivität der Zellen sowohl unter Laborbedingungen als auch an Mausmodellen und suchten nach einem Zusammenhang zwischen der Genexpression und der Fähigkeit der Zellen zur Migration.
Die Ergebnisse zeigten klare Muster: Das metastatische Potenzial wird nicht durch das Profil einer einzelnen Zelle bestimmt, sondern durch die Interaktionen zwischen Gruppen verwandter Krebszellen. Die Analyse von Hunderten von Genen ergab Expressionsgradienten, die direkt mit der Migrationsfähigkeit der Tumorzellen verbunden sind.
„Wir sollten Krebs eher als eine deformierte Form der Entwicklung verstehen", erklärt Professor Ruiz i Altaba.
KI-Tool sagt Metastasen mit 80 % Genauigkeit voraus
Auf der Grundlage der entdeckten Genmuster entwickelten die Forscher ein Instrument der künstlichen Intelligenz namens MangroveGS (Mangrove Gene Signatures). Im Gegensatz zu bisherigen Methoden, die sich auf einige wenige Biomarker stützten, verwendet MangroveGS Dutzende bis Hunderte von Gen-Signaturen gleichzeitig, was es resistent gegen individuelle Variationen zwischen Patienten macht.
Das Modell erreichte eine Genauigkeit von fast 80 % bei der Vorhersage von Metastasen und Rezidiven von Dickdarmkrebs – ein deutlich besseres Ergebnis als bestehende Methoden. Bemerkenswert ist, dass sich die aus Dickdarmkrebs abgeleiteten Gen-Signaturen auch bei der Vorhersage des metastatischen Risikos von Magen-, Lungen- und Brustkrebs als wirksam erwiesen.
Weniger unnötige Behandlung, mehr gezielte Versorgung
Die klinische Anwendung des Instruments ist unkompliziert: Aus einer Tumorprobe wird RNA sequenziert und MangroveGS generiert schnell einen Score für das Metastasierungsrisiko. Die Ergebnisse werden über eine verschlüsselte Plattform sicher mit Onkologen und Patienten geteilt.
Professor Ruiz i Altaba betont die praktischen Auswirkungen: „Diese Informationen verhindern eine Überbehandlung von Patienten mit geringem Risiko, wodurch Nebenwirkungen und unnötige Kosten reduziert werden, und gleichzeitig wird die Überwachung von Hochrisikopatienten intensiviert."
Was bedeutet das für die Slowakei?
Krebserkrankungen gehören in der Slowakei zu den häufigsten Todesursachen. Laut dem OECD-Krebsprofil für das Jahr 2025 steht das Land vor Herausforderungen in den Bereichen Früherkennung und personalisierte Behandlung. Instrumente wie MangroveGS könnten slowakischen Onkologen in Zukunft helfen, Patienten genauer zu stratifizieren – also zu entscheiden, wer eine aggressive Behandlung benötigt und wer im Gegenzug von einer unnötigen Chemotherapie verschont werden kann.
Das Nationale Onkologische Institut unterstützt derzeit Auslandsaufenthalte für slowakische Fachkräfte, was die Übertragung ähnlicher Innovationen in die klinische Praxis beschleunigen könnte. Wenn sich MangroveGS in weiteren klinischen Studien bestätigt, könnte es zu einem Standardinstrument im Arsenal von Onkologen auf der ganzen Welt werden – einschließlich der Slowakei.
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