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Mond schrumpft weiter: 1.000 neue tektonische Rücken entdeckt

Wissenschaftler der Smithsonian Institution haben über 1.000 bisher unbekannte tektonische Rücken in den dunklen Ebenen des Mondes kartiert. Dies bestätigt, dass sich unser nächster Nachbar immer noch zusammenzieht und geodynamisch aktiv ist – eine Entdeckung mit direkten Auswirkungen auf die Artemis-II-Mission, deren Start für den 6. März 2026 geplant ist.

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Redakcia
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Mond schrumpft weiter: 1.000 neue tektonische Rücken entdeckt

Ein Mond, der nie aufgehört hat, sich zu bewegen

Der Mond galt lange als geologisch tote Welt – ein erstarrtes Relikt des frühen Sonnensystems. Neue Forschungsergebnisse der Smithsonian Institution widerlegen diese Annahme. Wissenschaftler haben die erste globale Karte kleiner tektonischer Rücken auf der Mondoberfläche erstellt und dabei mehr als tausend Strukturen entdeckt, die der Wissenschaft völlig unbekannt waren. Dies bestätigt, dass sich der nächste Nachbar der Erde auch heute noch langsam zusammenzieht.

Die Studie unter der Leitung des planetaren Geologen Cole Nypaver und des leitenden Wissenschaftlers Tom Watters am Center for Earth and Planetary Studies des National Air and Space Museum wurde am 24. Dezember 2025 im The Planetary Science Journal veröffentlicht. Ihre Ergebnisse verändern das Verständnis der Forscher über die innere Entwicklung des Mondes und verleihen der Planung zukünftiger bemannter Mondmissionen eine neue Dringlichkeit.

Mehr als 1.000 verborgene Rücken

Das Team katalogisierte 1.114 bisher nicht identifizierte Segmente von dem, was Geologen als kleine Mare-Rücken (SMRs) bezeichnen – niedrige, faltenartige Gesteinsformationen, die ausschließlich in den riesigen dunklen Basaltebenen des Mondes, den sogenannten Maria, vorkommen. Zusammen mit bereits bekannten Strukturen beläuft sich die Gesamtzahl nun auf 2.634 SMR-Segmente, die auf der Mondoberfläche kartiert wurden.

Diese Rücken sind keine alten Relikte. Altersbestimmungen auf der Grundlage seismischer Rücksetzmethoden datieren sie auf ein Alter zwischen 50 und 310 Millionen Jahren, mit einem Durchschnittsalter von etwa 124 Millionen Jahren – ein geologischer Wimpernschlag für einen Körper, der vor 4,5 Milliarden Jahren entstanden ist. Zum Vergleich: Als die jüngsten dieser Rücken entstanden, waren die Dinosaurier bereits seit zig Millionen Jahren ausgestorben.

Die Rücken entstehen durch die gleichen Kompressionskräfte, die für lobate scarps verantwortlich sind – kliffartige Verwerfungslinien, die bereits im Mondhochland dokumentiert wurden. Wenn sich das Innere des Mondes abkühlt und zusammenzieht, wird seine Kruste zusammengepresst, wodurch Gestein entlang von Verwerfungsebenen nach oben gedrückt wird. Nypaver und Watters zeigen, dass lobate scarps im Hochland oft direkt in SMRs übergehen, wenn sie in die Maria übergehen, was auf einen kontinuierlichen, planetenweiten Kontraktionsprozess hindeutet, den Forscher nun als Vervollständigung "eines globalen Bildes eines dynamischen, sich zusammenziehenden Mondes" bezeichnen.

Mondbebenrisiko für zukünftige Missionen

Die praktischen Auswirkungen dieser Entdeckung sind erheblich. Mit einer durchschnittlichen Verwerfungstiefe von rund 101 Metern und Verschiebungswegen von etwa 45 Metern sind diese Strukturen in der Lage, Mondbeben auszulösen. Frühere seismische Daten von Instrumenten aus der Apollo-Ära dokumentierten bereits unerklärliche Mondbeben; die SMR-Karte liefert nun eine plausible Quelle für Ereignisse, die Wissenschaftler seit Jahrzehnten vor Rätsel stellen.

Dies wirkt sich direkt auf die Standortauswahl für bemannte Mondbasen aus. Das Artemis-Programm der NASA – das darauf abzielt, Menschen auf die Mondoberfläche zurückzubringen – muss seismische Gefahren in einer Weise berücksichtigen, die bisher nicht als notwendig erachtet wurde. Landezonen in der Nähe aktiver Mare-Verwerfungen bergen Risiken, die frühere Missionsplaner aufgrund fehlender Daten schlichtweg nicht bewerten konnten.

Artemis II: Menschen kehren in die Mondumlaufbahn zurück

Der Mond steht wieder im Zentrum menschlicher Ambitionen. Die NASA plant den Start von Artemis II, der ersten bemannten Mission, die seit Apollo 17 im Dezember 1972 um den Mond fliegen soll, für den 6. März 2026. Die Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und der Astronaut der Canadian Space Agency, Jeremy Hansen, werden zehn Tage auf einer Free-Return-Trajektorie um den Mond verbringen und sich dabei der Mondrückseite bis auf etwa 6.500 Kilometer nähern.

Die Besatzung hat sich nach einer kürzlichen Testbetankung des Space Launch System, bei der ein früheres Leck mit flüssigem Wasserstoff behoben wurde, in eine Vorflugquarantäne begeben. Wenn alles nach Plan verläuft, wird Artemis II die Grundlage für Artemis III bilden – die Mission, die die Landung von Menschen am lunaren Südpol vorsieht.

Eine Welt, die noch lebt

Das Zusammentreffen dieser Entwicklungen markiert einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie die Menschheit mit dem Mond umgeht. Weit entfernt von einer statischen Kulisse ist der Erdtrabant ein aktiver geologischer Körper, dessen Oberfläche sich noch immer leise verschiebt. Während sich Astronauten darauf vorbereiten, ihn zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren zu umrunden, entdecken Wissenschaftler immer noch, wie unruhig – und wie überraschend – er wirklich ist.

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