NAV beschlagnahmt 75 Millionen Dollar von ukrainischen Bankern
Die ungarische Steuer- und Zollbehörde NAV hat in Budapest sieben Mitarbeiter der Oschadbank festgenommen, die 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold von Österreich in die Ukraine transportierten. Die Beschlagnahmung hat eine schwere diplomatische Krise zwischen Kiew und Budapest ausgelöst.
Gepanzerter Konvoi in der Hauptstadt
Die Nationale Steuer- und Zollbehörde (NAV) hat am 5. März 2026 in Budapest sieben Mitarbeiter der ukrainischen Staatsbank Oschadbank festgenommen, die in zwei gepanzerten Geldtransportern insgesamt 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Goldbarren von Österreich in die Ukraine transportierten. Die Behörde hat ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche eingeleitet und die gesamte Lieferung sowie die beiden gepanzerten Fahrzeuge beschlagnahmt.
Herkunft und Weg der Lieferung
Der Konvoi transportierte im Auftrag der österreichischen Raiffeisen Bank Bargeld und Edelmetallbestände von Wien in die Ukraine. Portfolio.hu und mehrere Expertenquellen bestätigten: Diese Transporte fanden als regelmäßige und dokumentierte Transaktion zwischen dem ukrainischen Staat und der Raiffeisen Bank statt. Laut NAV-Angaben wurden allein im Jahr 2026 bisher mehr als 900 Millionen Dollar, 420 Millionen Euro und 146 Kilogramm Goldbarren auf ähnliche Weise durch Ungarn in die Ukraine transportiert. Laut Informationen von Bloomberg betrachten die Finanzinstitute die betreffende Lieferung als völlig regulär: Die Oschadbank deckt unter den Kriegsbedingungen auf diese Weise den Devisenbedarf ukrainischer Unternehmen und Privatpersonen.
Unter den Festgenommenen war auch ein General
Laut einem Bericht von Index.hu war einer der sieben festgenommenen ukrainischen Staatsbürger ein ehemaliger ukrainischer Geheimdienstgeneral. Die NAV hat gegen die Betroffenen keine formelle Anklage erhoben – ihr Anwalt sagte, die Vernehmung sei ohne Anklage erfolgt. Am nächsten Tag, dem 6. März, wurden alle ukrainischen Staatsbürger am Grenzübergang Záhony an die ukrainischen Behörden übergeben – die Lieferung und die Fahrzeuge wurden jedoch als Beweismittel in Ungarn zurückgehalten. Die Geldwäscheermittlungen werden unter der Leitung der Staatsanwaltschaft fortgesetzt.
Ukraine: „Geiselnahme und Raub"
Die heftige Reaktion aus Kiew kam umgehend. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach von „staatlichem Terrorismus und Erpressung" und behauptete, die ungarischen Behörden hätten die Mitarbeiter der Oschadbank „praktisch als Geiseln genommen". Laut Euronews hat Kiew seine Bürger gewarnt, das Gebiet Ungarns zu meiden. Die Oschadbank forderte in einer Erklärung die sofortige Rückgabe des als illegal beschlagnahmt bezeichneten Vermögens. Transportexperten stellten jedoch klar, dass der Transport selbst keinerlei ungewöhnliche Elemente enthielt – die Anhaltung selbst sei die Ausnahme.
Ungarisch-ukrainische Spannungen erreichen neuen Tiefpunkt
Der Vorfall ereignete sich nicht im luftleeren Raum. Außenminister Péter Szijjártó fragte, ob das Geld dazu bestimmt sei, jemanden in Ungarn zu beeinflussen, und erweiterte den Verdacht damit um eine politische Dimension. Laut einer Analyse von The Irish Times haben sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern seit Jahren verschlechtert – aufgrund des Streits um die Druschba-Erdölpipeline, Meinungsverschiedenheiten über die EU-Finanzierung und der als Moskau-nah geltenden Außenpolitik von Viktor Orbán. Laut NBC News steht der Fall auch in direktem Zusammenhang mit den bevorstehenden ungarischen Wahlen: Umfragen sehen Orbán derzeit hinter seinen Gegnern. Das Schicksal des beschlagnahmten Vermögens und der Ausgang der Ermittlungen sind derzeit ungewiss.
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