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Ovale Umlaufbahn enthüllt exotische Verschmelzung von Neutronenstern und Schwarzem Loch

Wissenschaftler haben erstmals bestätigt, dass ein Neutronenstern und ein Schwarzes Loch auf einer elliptischen – nicht kreisförmigen – Umlaufbahn umeinander kreisten und sich verschmolzen. Dies widerlegt Annahmen darüber, wie die extremsten binären Systeme des Universums entstehen.

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Redakcia
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Ovale Umlaufbahn enthüllt exotische Verschmelzung von Neutronenstern und Schwarzem Loch

Eine kosmische Kollision mit einer Wendung

Ein Paar toter Sterne hat Gravitationswellengeschichte geschrieben – nicht nur durch die Kollision selbst, sondern auch durch die Art und Weise, wie sie stattfand. Ein internationales Forschungsteam hat bestätigt, dass das Gravitationswellenereignis GW200105, das ursprünglich im Januar 2020 von den LIGO- und Virgo-Observatorien detektiert wurde, einen Neutronenstern und ein Schwarzes Loch umfasste, die sich auf einer deutlich elliptischen Bahn umeinander bewegten, bevor sie endgültig verschmolzen. Die am 11. März 2026 in The Astrophysical Journal Letters veröffentlichte Entdeckung stellt den ersten direkten Beweis für eine solch exzentrische Umlaufbahn in einem binären System aus Neutronenstern und Schwarzem Loch dar.

Warum ein Kreis erwartet wurde

Die gängige astrophysikalische Theorie besagt, dass sich kompakte binäre Systeme – Paare dichter Überreste wie Neutronensterne und Schwarze Löcher – im Laufe von Millionen von Jahren allmählich kreisförmig ausrichten sollten, da sie durch die Abstrahlung von Gravitationswellen Energie verlieren. Bis ein solches Paar nahe genug beieinander ist, um zu verschmelzen und ein detektierbares Signal zu erzeugen, erwarteten die Wissenschaftler, dass die Umlaufbahn nahezu perfekt kreisförmig sein würde. GW200105 bricht diese Regel jedoch entschieden.

Mithilfe eines neuen Gravitationswellen-Wellenformmodells, das am Institute of Gravitational Wave Astronomy der University of Birmingham entwickelt wurde, führten die Forscher eine rigorose Bayes'sche Analyse durch, bei der Tausende von theoretischen Signalschablonen mit den tatsächlichen LIGO- und Virgo-Daten verglichen wurden. Das Ergebnis: Eine kreisförmige Umlaufbahn kann mit 99,5 % Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die mittlere orbitale Exzentrizität des Systems wurde bei einer Gravitationswellenfrequenz von 20 Hz auf etwa 0,14 gemessen – subtil, aber unverkennbar.

Die Massenbilanz wird neu geschrieben

Das Modell mit exzentrischer Umlaufbahn veränderte nicht nur das Bild der Umlaufbahn, sondern korrigierte auch die Massenschätzungen. Frühere Analysen von GW200105, die von einer kreisförmigen Umlaufbahn ausgegangen waren, hatten die Masse des Schwarzen Lochs unterschätzt und die des Neutronensterns überschätzt. Die neue Studie korrigiert diese Werte nach oben für das Schwarze Loch auf etwa 11,5 Sonnenmassen (von 8,9) und nach unten für den Neutronenstern auf etwa 1,5 Sonnenmassen (von 1,9). Die Verschmelzung erzeugte letztendlich ein Schwarzes Loch, das etwa 13-mal massereicher war als die Sonne.

Eine turbulente Vergangenheit

Die drängendste Frage, die sich aus der Entdeckung ergibt, ist: Wie kam es überhaupt zu der ovalen Umlaufbahn? Das Forschungsteam – unter der Leitung von Wissenschaftlern der University of Birmingham, der Universidad Autónoma de Madrid und des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik – sieht dramatische Gravitationswechselwirkungen als wahrscheinlichste Ursache.

Drei Entstehungsszenarien stehen zur Debatte:

  • Dichte Sternhaufen, wie z. B. Kugelsternhaufen oder galaktische Kerne, in denen enge Sternbegegnungen binäre Systeme in exzentrische Umlaufbahnen befördern können
  • Hierarchische Dreifachsternsysteme, in denen ein dritter Begleiter das innere binäre System gravitativ stört und die Zirkularisierung verhindert
  • Chaotische Mehrkörperwechselwirkungen in überfüllten stellaren Umgebungen, die das Paar dynamisch zusammensetzen, anstatt es sich isoliert entwickeln zu lassen

„Dies ist ein überzeugender Beweis dafür, dass nicht alle Neutronenstern-Schwarzloch-Paare den gleichen Ursprung haben“,
betonten die Forscher und hoben hervor, dass das Universum diese extremen binären Systeme offenbar über mehrere unterschiedliche Wege hervorbringt.

Neue Fenster zur extremen Physik öffnen

Die Studie stellt auch die erste gleichzeitige Messung sowohl der orbitalen Exzentrizität als auch der spininduzierten orbitalen Präzession in einem Neutronenstern-Schwarzloch-System dar – obwohl in diesem Fall keine überzeugenden Beweise für eine Präzession gefunden wurden, was darauf hindeutet, dass die Exzentrizität eher durch die Entstehungsdynamik als durch Spineffekte verursacht wurde.

Da LIGO, Virgo und das KAGRA-Observatorium weiterhin Detektionen sammeln – inzwischen Hunderte –, erinnert GW200105 daran, dass der Gravitationswellenhimmel Überraschungen bereithält, die selbst etablierte astrophysikalische Modelle in Frage stellen. Zukünftige Detektionen mit verbesserter Empfindlichkeit könnten zeigen, ob exzentrische Verschmelzungen seltene Kuriositäten oder eine bedeutende verborgene Population im Kosmos sind.

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