Wirtschaft

Selenskyj fordert Orbán auf: Verhandle mit Putin über einen Energie-Waffenstillstand

Der ukrainische Präsident Selenskyj hält die Reparatur der Druschba-Pipeline für sinnlos, solange Russland sie ständig zerstört. Er forderte Viktor Orbán auf, mit Putin über einen Energie-Waffenstillstand zu verhandeln. Ungarn hat unterdessen ein EU-Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro und ein neues Sanktionspaket gegen Russland blockiert.

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Redakcia
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Selenskyj fordert Orbán auf: Verhandle mit Putin über einen Energie-Waffenstillstand

Selenskyj: Russland beschießt Reparaturtrupps

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte in einer Erklärung gegenüber France 24 am 24. Februar deutlich: Die Wiederherstellung der Druschba-Pipeline wird auf absehbare Zeit nicht erfolgen. Seiner Ansicht nach zerstört Russland kontinuierlich die Energieinfrastruktur und eröffnet das Feuer auf die Reparaturtrupps – daher sei es sinnlos, die Wiederherstellung als Aufgabe der Ukraine einzufordern.

„Dies ist nicht ihr erster Angriff, und sie setzen die Angriffe auf den Energiesektor fort", sagte Selenskyj. Der Präsident forderte Ministerpräsident Viktor Orbán gleichzeitig auf, die Lösung bei Wladimir Putin zu suchen: Er solle über einen Energie-Waffenstillstand verhandeln und nicht Kiew für die entstandene Situation verantwortlich machen.

Wie kam es zu dieser Situation?

Die Krise brach am 27. Januar aus, als ein russischer Drohnenangriff die Anlagen des Brody-Abschnitts der Druschba-Pipeline in der Westukraine beschädigte. Seitdem ist der Transport von russischem Erdöl nach Ungarn und in die Slowakei unterbrochen. Die Situation verschärfte sich am 23. Februar weiter, als ukrainische Drohnen den Pumpbahnhof Kalejkino in Tatarstan in Russland angriffen, eine wichtige Infrastruktur der Druschba-Pipeline – das Feuer konnte erst nach vielen Stunden gelöscht werden.

Laut Euronews hat die Europäische Kommission die Ukraine aufgefordert, die Reparaturarbeiten zu beschleunigen, und Kroatien hat die alternative Route der Adria-Pipeline angeboten, deren Kapazität jedoch den Ausfall der Druschba-Pipeline nicht vollständig kompensieren kann.

Budapests Veto und Gegenmaßnahmen

Die Regierung von Viktor Orbán reagierte mit Nachdruck auf den Stopp der Öllieferungen. Am 23. Februar vetoierte Budapest das 20. Sanktionspaket der EU gegen Russland und blockierte den für die Ukraine vorgesehenen Kreditrahmen von 90 Milliarden Euro – solange der Öltransit nicht wieder aufgenommen wird. Außenminister Péter Szijjártó sagte, die Ukraine nutze die Energieversorgung als politische Waffe gegen Ungarn.

Über das Veto hinaus hat Budapest den Export von Dieselkraftstoff in die Ukraine ausgesetzt. Die Europäische Union umging die ungarische Blockade jedoch in der Frage des Kreditrahmens: Die Mitgliedstaaten stimmten ohne Ungarn für das Paket. Viktor Orbán berief auch den Energiesicherheitsrat ein und ordnete die Verstärkung des militärischen Schutzes kritischer Infrastruktur an.

Regionale Auswirkungen: Slowakei und die Notölreserven

Sowohl Ungarn als auch die Slowakei haben ihre strategischen Ölreserven mobilisiert. Auf Antrag von MOL hat Budapest 250.000 Tonnen Erdöl aus den staatlichen Reserven freigegeben, um die Knappheit zu decken. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico stellte Kiew ein Ultimatum: Wenn die Öllieferungen nicht wieder aufgenommen werden, wird Bratislava die Notstromversorgung für die Ukraine einstellen – was letztendlich auch geschah.

Laut einer Bewertung von EUobserver hat die ungarisch-slowakische Doppelstrategie ungewöhnlich scharfe Spannungen innerhalb der EU erzeugt. Mehrere Außenminister der Mitgliedstaaten – darunter der schwedische – kritisierten Budapest scharf und sagten, Orbán „sitze der Ukraine für seinen eigenen Wahlkampf im Nacken".

Wahlkontext und die Einsätze

In Ungarn finden am 12. April Parlamentswahlen statt, und Umfragen zufolge hat Orbán einen geringeren Vorsprung oder liegt sogar hinter der Opposition zurück. Mehrere Analysten gehen davon aus, dass die Konfrontation mit Kiew und die Konfrontation mit den EU-Institutionen eine bewusste Wahlkampfstrategie sind – die Energiekrise ist somit nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine innenpolitische Frage. Die Schlacht um die Druschba-Pipeline wird daher wahrscheinlich nicht so schnell enden.

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