Wirtschaft

Selenskyj lädt Fico nach Kiew ein – Thema ist die Druschba-Pipeline

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico zu einem Besuch in Kiew eingeladen. Als Termine wurden der 6. oder 9. März vorgeschlagen. Im Mittelpunkt der Gespräche soll die Wiederaufnahme der Öllieferungen durch die Druschba-Pipeline stehen, die seit Ende Januar außer Betrieb ist.

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Redakcia
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Selenskyj lädt Fico nach Kiew ein – Thema ist die Druschba-Pipeline

Einladung aus Kiew

Während eines Telefonats am 27. Februar 2026 lud der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico zu direkten Gesprächen nach Kiew ein. Der Berater des ukrainischen Präsidialamtes, Dmytro Lytwyn, teilte mit, dass Kiew zwei mögliche Termine vorschlägt – 6. oder 9. März – und „alle aktuellen Fragen“ in den gegenseitigen Beziehungen erörtern möchte.

Fico nahm die Einladung an, deutete aber eine Präferenz für ein Treffen in einem der Mitgliedstaaten der Europäischen Union an. Der diplomatische Ton bleibt angespannt: Die slowakische Seite ist überzeugt, dass Kiew kein Interesse an der Wiederaufnahme des Öltransits hat, während die Ukraine darauf beharrt, dass die Situation eine direkte Folge der russischen Aggression ist.

Ein Monat ohne Öl durch Druschba

Kern des Streits ist die Druschba-Pipeline, die seit dem 27. Januar 2026 kein russisches Öl mehr in die Slowakei oder nach Ungarn transportiert. Kiew erklärt den Ausfall mit der Beschädigung der Infrastruktur bei einem russischen Angriff auf eine Pumpstation in Brody in der Region Lwiw. Bratislava und Budapest bezweifeln diese Version und vermuten politische Motive auf ukrainischer Seite.

Nach dem Telefonat mit Selenskyj erklärte Fico öffentlich, er habe aus dem Gespräch „den eindeutigen Eindruck gewonnen, dass Kiew kein Interesse an der Wiederaufnahme des Öltransits hat“. Ukrainische Vertreter weisen dies zurück – und gerade deshalb, so sagen sie, erhalte Fico die Einladung zu persönlichen Gesprächen.

Der Schatten von Nord Stream und eine abgelehnte Inspektion

Fico ging in seiner Rhetorik noch weiter: Er warnte, dass Kiew in der Lage sei, die Druschba-Pipeline absichtlich zu beschädigen, analog zur Zerstörung der Nord Stream-Pipeline im Jahr 2022. Ukrainische Vertreter wiesen diese Behauptungen entschieden zurück. Lytwyn reagierte auf Ficos Äußerungen mit der Aufforderung, dass „ernsthafte Fragen am Verhandlungstisch gelöst werden, nicht über soziale Netzwerke“.

Fico schlug gemeinsam mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán die Einrichtung einer Expertengruppe aus Vertretern der Europäischen Kommission und der EU-Mitgliedstaaten vor, die den tatsächlichen Zustand der Pipeline beurteilen sollte. Der slowakische Botschafter in Kiew und der diplomatische Vertreter der EU erhielten jedoch keinen Zugang zur Pipeline. Selenskyj begründete die Ablehnung mit der „negativen Stellungnahme des ukrainischen Geheimdienstes“.

Slowakei stoppt Energiehilfe

Als Vergeltungsmaßnahme hat die Slowakei die Notstromlieferungen in die Ukraine eingestellt. Fico machte deren Wiederaufnahme von der Wiederinbetriebnahme des Öltransits durch Druschba abhängig:

„Wir werden euch erst dann helfen, wenn wieder Öl zu uns fließt.“
Der slowakische Stromnetzbetreiber (SEPS) bestätigte, dass die regulären kommerziellen Stromlieferungen fortgesetzt werden – lediglich die sogenannte Notfallhilfe wurde ausgesetzt. Laut Berichten von Euronews hat die Slowakei auch die Lieferung von Gas und Diesel in die Ukraine gestoppt.

Obwohl Analysten die symbolische Bedeutung dieses Schrittes als größer einschätzen als seine praktischen Auswirkungen – die Ukraine verfügt über alternative Versorgungsrouten über Polen, Rumänien und Moldawien – könnte ein koordiniertes Vorgehen der Slowakei und Ungarns die ukrainische Energiesicherheit während der Wintermonate erheblich schwächen.

Was steht auf dem Spiel

Die geplanten Gespräche in Kiew – falls sie stattfinden – wären das erste direkte Treffen zwischen Fico und Selenskyj seit Dezember 2023, seitdem sich die gegenseitigen Beziehungen deutlich abgekühlt haben. Für die Slowakei handelt es sich um eine wirtschaftlich sensible Angelegenheit: Das Land ist zusammen mit Ungarn der letzte EU-Mitgliedstaat, der russisches Öl über Druschba auf der Grundlage einer Sanktionsausnahme importiert. Jeder Ausfall des Transits beeinträchtigt unmittelbar die slowakische Industrie und die Verbraucher.

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