Tisza liegt 12 Punkte vorn, Orbán fährt schmutzige Kampagne
Laut dem unabhängigen Závecz Research liegt die Tisza-Partei bei den entschiedenen Wählern mit 12 Punkten Vorsprung vorn, während das regierungsnahe Nézőpont einen Fidesz-Sieg misst – die Kluft zwischen den beiden Daten halten Politikwissenschaftler für forschungsbasiert unerklärlich.
Zwei Welten, zwei Ergebnisse: Der Krieg der Meinungsforscher
Sechsunddreißig Tage vor den Parlamentswahlen am 12. April zeigt die ungarische Meinungsforschungslandschaft ein seltsames Bild. Laut der neuesten Umfrage von Závecz Research Ende Februar liegt die Tisza-Partei bei 50 Prozent, die Fidesz bei 38 Prozent unter den sicheren Wählern – das bedeutet einen Vorsprung von 12 Prozentpunkten für Péter Magyar. Laut Závecz übersteigt das Tisza-Lager bereits drei Millionen Menschen, während die Fidesz mit etwas mehr als 2,5 Millionen sicheren Anhängern rechnen kann.
Im Gegensatz dazu maß das regierungsnahe Nézőpont Intézet im gleichen Zeitraum eine Fidesz-Führung von 45–40 Prozent. Der Unterschied zwischen den beiden Daten von fast 17 Prozentpunkten ist laut Politikwissenschaftlern „forschungstechnisch unerklärlich“. Es ist kein Zufall, dass eine Analyse von Euronews direkt von einem „gespaltenen Meinungsforschungsbild“ spricht: Unabhängige Institute zeigen regelmäßig einen Tisza-Vorsprung, während Institute mit Fidesz-naher Finanzierung konsequent einen Fidesz-Sieg signalisieren.
„Der Unterschied ist so groß, dass er methodisch nicht erklärbar ist“, formulierten politische Analysten in ihren Erklärungen gegenüber Euronews.
Orbán greift zu immer aggressiveren Mitteln
Eine detaillierte Analyse von Foreign Policy vom 5. März enthüllt, welche Kampagnentaktiken Viktor Orbán anwendet, der nach 16 Jahren zum ersten Mal eine Niederlage erleiden könnte. Laut der Zeitung setzt die Fidesz-Kampagne auf mit künstlicher Intelligenz erstellte gefälschte Videos und irreführende Plakatwerbung: Das ganze Land ist mit Bildern übersät, die Wolodymyr Selenskyj mit EU-Führungskräften zeigen, die ihre Hände nach Geld ausstrecken – was suggeriert, dass ein Sieg der Opposition Ungarn in den Krieg treiben würde.
Laut Berichten von NBC News und Balkan Insight basiert Orbáns Kampagnenbotschaft auf einer einzigen Achse: „Frieden oder Krieg“. In den regierungstreuen Medien wird unaufhörlich betont, dass Ungarn im Falle eines Sieges von Péter Magyar der europäischen Koalition an der Seite der Ukraine beitreten und ungarische Soldaten an die Front geschickt würden. Foreign Policy bezeichnet dies als offene Desinformation. Hinzu kommen Vorwürfe der Behinderung von Oppositionsveranstaltungen, der systematischen Einschränkung des Medienzugangs und der Fidesz-freundlichen Neuzuschnitte von Wahlkreisen.
Péter Magyars „Jetzt oder nie“-Tour
Der Vorsitzende der Tisza-Partei verfolgt eine grundlegend andere Kampagnenstrategie. Péter Magyar hat eine 55-tägige Tour durch das Land begonnen, im Rahmen derer er täglich an mehreren Orten Wähler trifft – sowohl auf Stadtplätzen als auch in Kleinstädten. Ein bezeichnender Moment war, als er die tief in der Fidesz-Region gelegene Stadt Nyírbátor besuchte, wo die Regierungspartei 2022 mit 66 Prozent gewonnen hatte – und dennoch von einer Menschenmenge empfangen wurde. Ein ähnliches Szenario spielte sich in Kisvárda, Záhony und Baktalórántháza ab.
Der Chef der Tisza verspricht: Wenn er gewinnt, wird er die eingefrorenen EU-Gelder freigeben, sich aktiv an der EU-Entscheidungsfindung beteiligen und dem ständigen Kleinkrieg mit Brüssel ein Ende setzen. Das Engagement der Wähler ist bemerkenswert: 86 Prozent der Tisza-Sympathisanten würden bei einer fiktiven Wahl am Sonntag sicher wählen gehen, während dieser Anteil bei den Fidesz-Anhängern 80 Prozent beträgt.
Es geht um die Richtung für vier Jahre
Das Ergebnis der Wahl am 12. April geht weit über die Innenpolitik hinaus. Die Qualität der EU-Mitgliedschaft Ungarns, die Ukraine-Politik und die Rolle innerhalb der NATO werden alle von den Wählern abhängen. Laut einer Analyse von Bloomberg könnte ein Sieg der Tisza die Beziehungen Budapests zu Brüssel und Kiew grundlegend verändern.
EUobserver und Responsible Statecraft warnen gleichermaßen: Aufgrund des Gerrymandering und des Systems der Einzelwahlkreise wird es die Tisza trotz des Vorsprungs in den Meinungsumfragen schwer haben, Mandate zu gewinnen. In den letzten Wochen zählt jede Stimme.
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