Wirtschaft

Tschechische Industrie am Rande der Erholung: PMI erreicht 50 Punkte

Der tschechische Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe stieg im Februar 2026 auf die Marke von 50 Punkten und signalisiert damit eine Stabilisierung nach einer langen Phase der Kontraktion. Während das Geschäftsvertrauen auf ein Vierjahreshoch sprang, plant die Regierung Babiš Steuersenkungen für Unternehmen und eine Ankurbelung des Bausektors.

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Redakcia
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Tschechische Industrie am Rande der Erholung: PMI erreicht 50 Punkte

Stabilisierung nach einem Jahr Kontraktion

Die tschechische verarbeitende Industrie hat im Februar 2026 einen Wendepunkt erreicht. Der von S&P Global erstellte Einkaufsmanagerindex (PMI) stieg von 49,8 im Januar auf 50,0 Punkte – genau an die Grenze, die Expansion von Kontraktion trennt. Obwohl es sich technisch gesehen eher um eine Stabilisierung als um eine eindeutige Expansion handelt, ist der Wert der beste seit über einem Jahr und bestätigt eine allmähliche Stimmungsverbesserung im verarbeitenden Sektor.

Haupttreiber des Februar-Ergebnisses war das Wachstum des Produktionsvolumens, das sich auf das höchste Tempo seit vier Jahren beschleunigte. Die Hersteller steigerten die Produktion den dritten Monat in Folge und bearbeiteten dabei bestehende Auftragsbestände. Das Geschäftsvertrauen sprang auf ein Vierjahreshoch, was darauf hindeutet, dass die Unternehmen optimistisch in Bezug auf die mittelfristigen Aussichten sind.

Schattenseiten: Aufträge und Beschäftigung unter Druck

Trotz der positiven Trends zeigen die Daten anhaltende Schwächen. Die Neuaufträge sind im Februar zum zweiten Mal in Folge leicht gesunken – die Hersteller sehen sich einer gedämpften Nachfrage und einem starken internationalen Wettbewerb gegenüber. Auch die Exportaufträge schwächten sich ab, wobei die Unternehmen eine schwächere Nachfrage aus westeuropäischen Märkten, insbesondere aus Deutschland, anführten. Die Beschäftigung im Sektor bleibt unter Druck, wobei die Unternehmen vorerst keine neuen Mitarbeiter einstellen.

Gleichzeitig steigen die Produktionspreise so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr – der Margendruck hat einige Unternehmen dazu veranlasst, ihre eigenen Produkte zu verteuern, was die Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Monaten beeinträchtigen könnte.

Tschechien sticht in der Region hervor: Polen und Rumänien in Kontraktion

Im regionalen Kontext hebt sich die Tschechische Republik positiv von ihren Nachbarn ab. Laut einer Analyse von FXStreet stieg der PMI im Februar sowohl in Tschechien als auch in Ungarn, während Polen und Rumänien einen Rückgang in den Kontraktionsbereich verzeichneten. Tschechien gehört damit zusammen mit Ungarn zu den relativ widerstandsfähigeren Volkswirtschaften Mittel- und Osteuropas im derzeit schwierigen globalen Umfeld.

Regierung Babiš setzt auf Steuererleichterungen

An der fiskalischen Front hat die Koalition von Babiš (ANO), SPD und Motoristů Schritte angekündigt, die die wirtschaftliche Erholung unterstützen könnten. Die Regierung plant, die Körperschaftsteuer von 21 % wieder auf 19 % zu senken – das Niveau, das vor dem Konsolidierungspaket der vorherigen Regierung galt. Ziel ist es, die Attraktivität Tschechiens für Investitionen zu erhöhen und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern, wie es im Koalitionsvertrag heißt.

Auch der Wohnungsbau wird sich ändern: Ab 2026 können Steuerzahler Hypothekenzinsen auch dann von der Steuer absetzen, wenn das Darlehen über eine Wohnungsbaugenossenschaft aufgenommen wird. Wirtschaftsverbände begrüßen die Pläne, weisen aber gleichzeitig darauf hin, dass Steuersenkungen allein nicht ausreichen – entscheidend sei der Abbau des Verwaltungsaufwands und die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren.

Globale Risiken trüben den vorsichtigen Optimismus

Die globalen Handelsunsicherheiten erschweren die Gesamtaussichten. Die US-Zölle auf europäische Waren werden die tschechische Wirtschaft vor allem indirekt treffen – über die Automobilzulieferketten, die stark mit deutschen Herstellern verbunden sind. Laut der Europäischen Kommission könnte eine Eskalation der Handelskriege das tschechische Wirtschaftswachstum innerhalb von zwei Jahren um etwa 0,8 Prozentpunkte reduzieren.

Das Finanzministerium prognostiziert dennoch für 2026 ein BIP-Wachstum von rund 2,2 %, getragen vom Binnenkonsum und einer Erholung der Investitionen. Die PMI-Daten vom Februar deuten darauf hin, dass sich die Industrie zwar noch nicht vollständig erholt hat, das Schlimmste aber wahrscheinlich überstanden ist.

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