Wirtschaft

Washington stellt sich offen hinter Orbán

US-Vizepräsident JD Vance wird in naher Zukunft Budapest besuchen, um Viktor Orbán vor den Parlamentswahlen am 12. April zu unterstützen – die Trump-Administration baut damit inmitten des engsten Wahlkampfs in Ungarn eine immer engere Allianz mit dem Land auf.

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Redakcia
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Washington stellt sich offen hinter Orbán

Washington stellt sich offen hinter Orbán

US-Vizepräsident JD Vance wird in naher Zukunft Budapest besuchen, um Ministerpräsident Viktor Orbán vor den Parlamentswahlen am 12. April öffentlich seine Unterstützung zuzusichern – dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am 18. März unter Berufung auf exklusive Quellen. Der genaue Zeitpunkt des Besuchs ist noch nicht endgültig festgelegt und die Pläne können sich ändern, insbesondere angesichts der laufenden amerikanisch-israelischen Militäroperationen gegen den Iran, die Vance vorerst in Washington halten könnten.

Die Ankündigung ist jedoch an sich schon eine starke politische Botschaft: Die Trump-Administration entsendet damit innerhalb kurzer Zeit bereits zum zweiten Mal einen hochrangigen Vertreter nach Budapest. Im Februar besuchte Außenminister Marco Rubio Orbán und machte auf der gemeinsamen Pressekonferenz die Position Washingtons deutlich:

„Präsident Trump setzt sich zutiefst für Ihren Erfolg ein, denn Ihr Erfolg ist unser Erfolg.“
Rubio stellte auch in Aussicht, dass die Vereinigten Staaten Ungarn bei Bedarf finanzielle Unterstützung gewähren könnten.

Die engste Wahl in Orbáns 15 Jahren

Die Aufmerksamkeit Washingtons kommt nicht von ungefähr: Die Wahl am 12. April ist die bisher schwerste Bewährungsprobe für die Ära Orbán. Meinungsumfragen zufolge hat die Tisza-Partei unter der Führung von Péter Magyar – einem ehemaligen Insider der Regierung – dauerhaft einen Vorsprung gegenüber der Fidesz. Laut Daten von Median führt die Tisza-Partei bei den sicheren Wählern, die sich für eine Partei entschieden haben, sogar mit einem Vorsprung von bis zu 20 Prozentpunkten und liegt mit 55 zu 35 Prozent vor der Regierungspartei.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs von Péter Magyar stehen die Bekämpfung der Korruption, die Rückgewinnung der eingefrorenen EU-Gelder und der Wiederaufbau der staatlichen Institutionen. Orbán argumentiert hingegen mit der Gefahr eines möglichen Hineingezogenwerdens in den Ukraine-Krieg und der Sicherheit der Energieversorgung – und suggeriert, dass ein Sieg der Opposition ein ernstes wirtschaftliches und sicherheitspolitisches Risiko für Ungarn darstellen würde.

Europäische und transatlantische Besorgnisse

Die immer enger werdende Beziehung zwischen Washington und Budapest löst bei den Verbündeten in der Europäischen Union und der NATO erhebliche Besorgnisse aus. Analysten befürchten, dass ein weiterer Orbán-Zyklus die gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen und die Ukraine-Politik weiter blockieren könnte. Eine Analyse des CSIS (Center for Strategic and International Studies) kommt zu dem Schluss, dass das Ergebnis der ungarischen Wahl direkte Auswirkungen auf die Fähigkeit der EU haben wird, die gleichzeitigen Herausforderungen der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, der russischen Aggression und der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu bewältigen.

Unterdessen schart sich die europäische extreme Rechte geschlossen hinter Orbán: Laut einem Bericht von Euronews vom 18. März nehmen auch Marine Le Pen und Matteo Salvini an einer Budapester „Patriotischen Großkundgebung“ teil, auf der auch der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš sprechen wird. Diese demonstrative Einigkeit sorgt sowohl in Brüssel als auch im NATO-Hauptquartier für Unruhe.

Was steht auf dem Spiel?

Vances Besuch wäre – falls er zustande kommt – eine deutlichere Botschaft als je zuvor: Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten stellt sich persönlich hinter den Regierungschef eines EU-Mitgliedstaates, während dieser die engste Wahl seiner bisherigen Karriere bestreitet. Dieser Schritt könnte Orbán nicht nur innenpolitisches Kapital verschaffen, sondern auch signalisieren, dass Washington die transatlantische Partnerschaft neu definiert: Anstelle der jahrzehntelangen Bündnisnetzwerke stellt es die ideologische Affinität in den Vordergrund.

Für Ungarn und Europa ist die Abstimmung am 12. April somit weit mehr als eine nationale Parlamentswahl: Es geht um die Frage, in welche Richtung sich das Land im nächsten Jahrzehnt entwickeln wird.

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