BW-Wahl: CDU und Grüne liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen
Am 8. März 2026 wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. CDU-Kandidat Manuel Hagel und Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir kämpfen in einem engen Rennen um die Nachfolge von Winfried Kretschmann — mit Signalwirkung für die gesamte Bundespolitik.
Ein historischer Wahlsonntag
Am Sonntag, dem 8. März 2026, sind rund 8,5 Millionen Wahlberechtigte in Baden-Württemberg aufgerufen, einen neuen Landtag zu bestimmen. Die Wahl markiert gleich mehrere Zäsuren: Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährige abstimmen — das entspricht rund 180.000 zusätzlichen Wahlberechtigten. Zudem wird erstmals nach einem neuen Zwei-Stimmen-Wahlrecht gewählt, das Direktmandate und Verhältniswahl kombiniert. Und vor allem: Nach fast 15 Jahren verlässt Winfried Kretschmann das Staatsministerium — der letzte grüne Ministerpräsident Deutschlands tritt nicht mehr an.
Hagel gegen Özdemir — ein enges Duell
Das Rennen um seine Nachfolge ist offen wie selten zuvor. Manuel Hagel, CDU-Landesvorsitzender und Fraktionschef, fordert den Regierungswechsel und setzt auf klassische bürgerliche Wirtschaftspolitik: Steuererleichterungen für Unternehmen, Bürokratieabbau und eine stärkere Förderung der Industrie — besonders wichtig für ein Land mit starker Automobilwirtschaft und dem Maschinenbau als Rückgrat.
Ihm gegenüber steht Cem Özdemir, der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister und langjährige Grünen-Politiker, der bewusst auf die Landtagswahl gesetzt hat. Özdemir verbindet Klimaschutz mit Industriepolitik: grüner Wasserstoff, beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien und klimaneutrale Modernisierung des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg. Er gilt als volksnaher Kandidat — in der Direktwahlfrage liegt er mit 47 Prozent deutlich vor Hagel (24 Prozent).
Umfragen: Spannend bis zum Schluss
Die letzten Erhebungen vor der Wahl zeigen ein historisch knappes Rennen. Das ZDF-Politbarometer Extra sieht CDU und Grüne gleichauf bei je 28 Prozent. Eine INSA-Umfrage vom 4. März hingegen sieht die CDU mit 27 Prozent knapp vor den Grünen mit 24 Prozent. Die AfD liegt bei etwa 20 Prozent, die SPD bei 9 Prozent, FDP und Linke je um 6 Prozent.
Den Umfragen zufolge werden CDU und Grüne erneut aufeinander angewiesen sein — die entscheidende Frage ist daher nicht ob, sondern welche der beiden Parteien den Ministerpräsidenten stellt. Bei einem Sieg Özdemirs würden die Grünen trotz leichter Stimmenverluste gegenüber 2021 die Regierungsführung behalten. Ein Sieg Hagels bedeutete die Rückkehr der CDU an die Spitze nach 15-jähriger Oppositionsrolle im Staatsministerium.
Stimmungstest für Kanzler Merz
Die Wahl in Stuttgart hat weit über Baden-Württemberg hinaus Bedeutung. Es ist die erste Landtagswahl seit der Bildung der schwarz-roten Bundesregierung unter Friedrich Merz — und damit ein erster Stimmungstest für die neue Berliner Koalition. Ein starkes Abschneiden der CDU würde Merz Rückenwind geben; ein Überraschungssieg der Grünen hingegen könnte die bundespolitische Debatte über Klimapolitik neu entfachen.
Beobachter verweisen auch auf die AfD: Ein Ergebnis um 20 Prozent im wirtschaftsstarken Südwesten wäre ein weiteres Signal, dass die Partei sich auch in Wohlstandsregionen dauerhaft verankert hat.
Neues Wahlrecht, neue Wähler
Erstmals können Jugendliche ab 16 Jahren abstimmen — insgesamt rund 650.000 Erstwählerinnen und Erstwähler, was 8,4 Prozent aller Wahlberechtigten entspricht. Das neue Wahlsystem mit Erst- und Zweitstimme erlaubt zudem erstmals das Splitting — also die Stimmabgabe für unterschiedliche Parteien bei Direkt- und Listenmandat. Wie sich das auf die Sitzverteilung auswirken wird, ist offen.
Baden-Württemberg, das wirtschaftsstärkste Flächenland Deutschlands, wählt morgen nicht nur einen Landtag — es entscheidet über Richtung und Gesicht der deutschen Klimapolitik auf Jahrzehnte.
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