BW-Wahl: Grüne siegen, Özdemir wird Ministerpräsident
Die Grünen haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 mit 30,2 Prozent knapp vor der CDU gewonnen. Cem Özdemir wird als erster Ministerpräsident türkischer Herkunft Geschichte schreiben — während die AfD ihr Ergebnis fast verdoppelt und die SPD ein historisches Tief erreicht.
Ein historisches Ergebnis für den Südwesten
Es war ein Wahlabend der Superlative: Die Grünen haben am 8. März 2026 die Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 30,2 Prozent der Stimmen knapp vor der CDU (29,7 %) gewonnen. Damit steht fest: Cem Özdemir, der Grünen-Spitzenkandidat und frühere Bundeslandwirtschaftsminister, wird als erster Ministerpräsident türkischer Herkunft in die Geschichte Deutschlands eingehen — ein historisches Signal aus dem wirtschaftsstärksten Flächenland der Republik.
Knappes Rennen bis zum Schluss
Monatelang lagen die Umfragen zugunsten der CDU und ihres Spitzenkandidaten Manuel Hagel. Doch Özdemir drehte das Rennen auf den letzten Metern. Sein persönlicher Beliebtheitswert von rund 50 Prozent überstieg die Zustimmung zur eigenen Partei deutlich — eine Strategie, die er bewusst einsetzte: Auf vielen Wahlplakaten trat das Grünen-Logo bewusst in den Hintergrund. Hagel sprach nach der Wahl von „gemischten Gefühlen" — seine Partei habe Stimmen gewonnen, aber das Ziel, die Regierungsführung zu übernehmen, verfehlt.
Für Bundeskanzler Friedrich Merz war das Ergebnis nach eigenen Worten „bitter" — ein herber Rückschlag für die CDU kurz nach dem Regierungsantritt in Berlin.
AfD fast verdoppelt, SPD am Tiefpunkt
Die AfD erzielte mit 18,8 Prozent und 35 Sitzen das stärkste Ergebnis ihrer Geschichte in Baden-Württemberg — eine nahezu vollständige Verdoppelung gegenüber der Wahl 2021. AfD-Bundesvorsitzender Tino Chrupalla bezeichnete seine Partei als den „Sieger des Abends". Gleichzeitig ist die AfD für alle anderen Parteien als Koalitionspartner ausgeschlossen.
Das andere Extrem markierte die SPD: Mit nur 5,5 Prozent fuhr sie das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte in Baden-Württemberg ein. Parteichef Andreas Stoch kündigte unmittelbar nach der Wahl seinen Rücktritt an. Auch FDP-Landeschef Hans-Ulrich Rülke trat zurück, nachdem die Liberalen mit 4,4 Prozent an der Fünfprozenthürde scheiterten — erstmals seit über drei Jahrzehnten ist die FDP nicht mehr im Stuttgarter Landtag vertreten. Auch die Linke verpasste mit ebenfalls 4,4 Prozent den Einzug.
Grün-Schwarz bleibt die einzige Option
Im neuen Landtag sitzen nur noch vier Fraktionen: Grüne und CDU verfügen gemeinsam mit 112 von 157 Sitzen über eine Zweidrittelmehrheit — stark genug, um sogar die Landesverfassung zu ändern. Eine Fortsetzung des seit einem Jahrzehnt bewährten schwarz-grünen Bündnisses gilt als einzig realistische Koalitionsoption.
Özdemir machte unmittelbar nach der Wahl deutlich, dass er kein Angebot zur Amtszeitenteilung mit der CDU akzeptieren werde: Wer die meisten Stimmen habe, stelle den Ministerpräsidenten — ohne Wenn und Aber.
Historische Zäsur in schwieriger Zeit
Der Wahlausgang fällt in eine Phase wirtschaftlicher Unsicherheit: Industriejobs stehen in Baden-Württemberg, dem Heimatland von Daimler und Bosch, unter Druck. Migration und wirtschaftliche Abstiegsängste prägten den Wahlkampf. Dass Özdemir — Sohn türkischer Einwanderer, aufgewachsen in Bad Urach — in diesem Klima die Wahl für sich entscheiden konnte, wertet er als Beleg dafür, dass Deutschland „mehr kann als viele denken".
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