Czarnek als PiS-Kandidat für das Amt des Premierministers. Flirt mit der Rechten ohne Braun
Die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat Przemysław Czarnek offiziell als ihren Kandidaten für das Amt des Premierministers bei den Wahlen 2027 nominiert. Der ehemalige Bildungsminister sucht Verbündete in der Konföderation, schließt Grzegorz Braun jedoch kategorisch von einer zukünftigen Regierung aus.
Kaczyński setzt auf Czarnek
Jarosław Kaczyński gab am 7. März 2026 während einer Parteikonferenz im Krakauer Saal „Sokół" die Kandidatur von Przemysław Czarnek für das Amt des Premierministers bei den Parlamentswahlen 2027 bekannt. Der Ort ist kein Zufall – genau dort hatte der PiS-Vorsitzende zuvor die Kandidatur von Andrzej Duda für das Präsidentenamt im Jahr 2014 angekündigt und Karol Nawrocki im Jahr 2024 unterstützt.
Czarnek, Professor für Verfassungsrecht an der Katholischen Universität Lublin, ehemaliger Minister für Bildung und Wissenschaft sowie ehemaliger Woiwode von Lublin, nahm die Nominierung demütig an. „Ich bin der Lokführer in diesem Zug, und Kaczyński ist der Schaffner", sagte er während der Zeremonie.
Partei in der Defensive: Umfragen auf historischem Tiefstand
Die Entscheidung, den Kandidaten so früh – über ein Jahr vor den geplanten Wahlen – bekannt zu geben, ist kein Zufall. Die PiS verzeichnet lediglich 24 % Zustimmung, was den niedrigsten Wert seit 2012 darstellt. Die Partei kämpft gleichzeitig mit internen Spaltungen zwischen Anhängern des ehemaligen Premierministers Mateusz Morawiecki und dem Lager der Traditionalisten, zu dem Czarnek selbst gehört.
Der Politologe Rafał Chwedoruk von der Universität Warschau bewertet die Nominierung als defensive Strategie. „Die PiS hat erkannt, dass sie noch nicht bereit ist, das Duda-Szydło-Manöver zu wiederholen. Das ist eindeutig eine defensive Strategie", erklärt der Experte. Seiner Meinung nach würde eine Verschiebung in die Mitte lediglich zusätzlichen Raum für die Konföderation und die Gruppierung von Grzegorz Braun eröffnen.
Anbiederung an die Konföderation – mit Einschränkungen
Czarnek macht keinen Hehl daraus, dass sein Hauptziel darin besteht, Wähler zurückzugewinnen, die von der PiS zur Rechten abgewandert sind. Die Konföderation Freiheit und Unabhängigkeit verzeichnet in Umfragen 13 %, und die Konföderation der Polnischen Krone von Grzegorz Braun 8 %. Der neue PiS-Kandidat für das Amt des Premierministers wandte sich direkt an Sławomir Mentzen: „Du und ich sind derselben Meinung – Polen braucht eine verantwortungsvolle rechte Regierung". Mentzen blieb jedoch zurückhaltend, und der zweite Anführer der Konföderation, Krzysztof Bosak, betonte, dass seine Wähler „keine Rückkehr zur Pathologie der PiS-Regierung wollen".
In der Frage Grzegorz Braun ist Czarnek hingegen kategorisch. „Es gibt keine solche Möglichkeit – da bin ich mir zu zweihundert Prozent sicher", erklärte er auf die Frage nach einem möglichen Ministerium für den Abgeordneten Braun. Als Grund nannte er Brauns Unterstützung für das iranische Regime und fügte hinzu: „Ich kann mir keine Leute in der Regierung vorstellen, die heute einen Diktator verteidigen". Der US-Botschafter in Polen ließ auch öffentlich durchblicken, dass Washington sich gegen ein mögliches Bündnis der PiS mit Braun ausspricht.
Kontroverse ministerielle Bilanz
Czarnek sorgte als Bildungsminister für heftige Emotionen. Er forcierte zweimal das sogenannte Lex Czarnek – ein Gesetz zur Ausweitung der Befugnisse der Schulkuratoren –, doch beide Versionen wurden von Präsident Andrzej Duda mit einem Veto belegt. Er schlug vor, „linke und liberale Inhalte" aus den Lehrplänen zu streichen, und sprach sich gegen Antidiskriminierungs-Erziehung aus. Seine kritischen Äußerungen über LGBT+-Kreise lösten landesweite Lehrerproteste aus.
Polarisierung statt Koalition
Analysten sind sich einig: Die Nominierung von Czarnek verstärkt die Polarisierung der politischen Szene vor 2027. Die PiS verzichtet auf den Kampf um die Wähler der Mitte zugunsten der Mobilisierung der harten Wählerschaft. Die Frage, ob eine solche Strategie ausreicht, um eine Koalitionsmehrheit zu bilden, bleibt offen – zumal die Regierungsparteien ein Jahr Zeit haben werden, ihre eigene Botschaft zu konsolidieren.
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