Druschba-Pipeline: Budapest und Bratislava beschweren sich bei der EU
Ungarn und die Slowakei haben am 4. März auf einer Sitzung der EU-Ölkoordinierungsgruppe formell die Ukraine beschuldigt, die Druschba-Erdölpipeline absichtlich zu blockieren. Außenminister Péter Szijjártó führte unterdessen Gespräche in Moskau und erhielt Garantien für die Fortsetzung der russischen Energielieferungen.
Formelle Beschwerde im EU-Energieforum
Vertreter Ungarns und der Slowakei haben am 4. März auf einer Sitzung der Ölkoordinierungsgruppe der Europäischen Union formell die Frage der Stilllegung der Druschba-Erdölpipeline zur Sprache gebracht. Budapest und Bratislava warfen Kiew vor, die Wiederherstellung der Lieferungen absichtlich zu verzögern und die Ölversorgung als politisches Instrument zu nutzen – berichteten Ukrainska Pravda und Index.hu.
Die EU forderte daraufhin die Ukraine auf, unabhängigen Beobachtern Zugang zu der beschädigten Pipeline zu gewähren, über die Russland seit Jahrzehnten Erdöl an Raffinerien in Ungarn und der Slowakei liefert. Nach Informationen der Financial Times hat Brüssel deutlich gemacht, dass Transparenz für die Beilegung der Angelegenheit unerlässlich ist.
Was geschah im Januar?
Die Lieferungen über den südlichen Strang der Druschba-Erdölpipeline wurden am 27. Januar eingestellt. Kiew zufolge wurde die Infrastruktur in der Nähe von Brody in der Westukraine durch einen russischen Drohnenangriff getroffen, und die Reparaturarbeiten werden unter äußerst schwierigen Bedingungen aufgrund russischer Artillerieangriffe durchgeführt. Ungarn und die Slowakei hingegen behaupten, dass die Ukraine technisch in der Lage wäre, die Lieferungen fortzusetzen, und dass die Stilllegung das Ergebnis einer politischen Entscheidung sei.
Laut einem Bericht von Euronews haben Viktor Orbán und Robert Fico am 27. Februar eine gemeinsame Untersuchungskommission eingesetzt und die Europäische Kommission aufgefordert, sich an einer Inspektion vor Ort zu beteiligen. Präsident Selenskyj lehnte den Kontrollvorschlag unter Berufung auf Sicherheitsbedenken des ukrainischen Geheimdienstes ab.
Szijjártó führte Gespräche in Moskau
Während in Brüssel die diplomatische Schlacht tobte, führte Außenminister Péter Szijjártó am 4. März Gespräche in Moskau. Laut Informationen von Portfolio.hu und Origo erhielt der Minister die Garantie, dass Russland die Erdgas- und Erdöllieferungen nach Ungarn zu unveränderten Preisen fortsetzen wird. Szijjártó sagte, dass bei Behinderungen der Pipeline-Lieferungen nach alternativen Lösungen – einschließlich Seewege – gesucht werde.
Bei den Gesprächen wurde auch die Freilassung der beiden ungarischen Kriegsgefangenen vereinbart, was die diplomatische Botschaft des Besuchs weiter nuanciert.
Energiepolitische Bruchlinien in der EU
Der Fall hat auch tiefere Spannungen in der EU-Energiepolitik offenbart. Ministerpräsident Fico kündigte an, dass die Slowakei das geplante 90-Milliarden-Euro-EU-Kreditpaket für die Ukraine blockieren werde, wenn die Ukraine die Druschba-Erdölpipeline nicht wieder in Betrieb nimmt. Bratislava hat bereits die Notstromlieferungen an die Ukraine eingestellt.
Die Europäische Kommission stellte Ende Februar fest, dass die Energiesicherheit Ungarns und der Slowakei kurzfristig nicht gefährdet ist, da beide Länder ihren Bedarf aus strategischen Reserven decken. Brüssel hat die kroatische Adria-Erdölpipeline als alternative Versorgungsroute genannt – diese wird von Budapest jedoch als teurer und weniger zuverlässig als billiges russisches Rohöl angesehen.
Was ist als Nächstes zu erwarten?
Die Situation ist derzeit festgefahren: Die Ukraine erlaubt keine Inspektion vor Ort, während Ungarn und die Slowakei versuchen, in der EU-Entscheidungsfindung Druck auf Kiew auszuüben. Die interne EU-Debatte zeigt jedoch, dass der Abbau der russischen Energieabhängigkeit – insbesondere in den Mitgliedstaaten, die auf die Infrastruktur der Sowjetära angewiesen sind – noch lange nicht abgeschlossen ist.
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