Wirtschaft

Grüne siegen knapp in BW — Özdemir wird Ministerpräsident

Die Grünen haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 31,3 Prozent knapp vor der CDU gewonnen. Spitzenkandidat Cem Özdemir wird als erster Politiker türkischstämmiger Herkunft Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes.

R
Redakcia
Share
Grüne siegen knapp in BW — Özdemir wird Ministerpräsident

Historisches Ergebnis im Südwesten

Es war ein Abend der Rekorde: Die Grünen haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 mit rund 31,3 Prozent der Stimmen gewonnen — knapp vor der CDU, die auf 29,7 Prozent kam. Der Vorsprung betrug laut Tagesspiegel gerade einmal rund 27.000 Stimmen bei mehr als 5,4 Millionen abgegebenen Stimmen. Ein hauchzarter Sieg, der dennoch Geschichte schreibt.

Denn Spitzenkandidat Cem Özdemir wird damit aller Voraussicht nach als erster Politiker türkischstämmiger Herkunft Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes. Der 60-jährige gebürtige Bad Uracher, gelernter Sozialpädagoge und ehemaliger Bundeslandwirtschaftsminister, tritt damit die Nachfolge von Langzeit-Regierungschef Winfried Kretschmann an — dem bislang einzigen grünen Ministerpräsidenten Deutschlands.

AfD stark, SPD historisch schwach

Hinter dem Zweikampf an der Spitze zeigt das Ergebnis deutliche Verschiebungen in der politischen Landschaft des Südwestens. Die AfD erzielte rund 18,2 Prozent und verdoppelte damit annähernd ihr Ergebnis von 2021. Sie wird drittstärkste Kraft im neuen Landtag, bleibt aber koalitionspolitisch isoliert.

Noch dramatischer ist der Absturz der SPD: Mit lediglich 5,5 Prozent erzielte sie ein historisch schwaches Ergebnis und schaffte es nur knapp über die Fünfprozenthürde. Parteichef Andreas Stoch sowie FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke kündigten unmittelbar nach der Wahl ihren Rücktritt an. Die FDP verpasste den Einzug in den Landtag.

Grün-Schwarz setzt Regierung fort

Politisch zeichnet sich eine Fortsetzung der bisherigen grün-schwarzen Koalition ab. Grüne und CDU kommen gemeinsam auf eine klare Mehrheit im Landtag. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel gratulierte Özdemir und signalisierte Gesprächsbereitschaft für Koalitionsverhandlungen. Laut ZDF heute bewerteten 55 Prozent der Befragten die Grünen in Baden-Württemberg als eine Partei, die andere Politik betreibe als die Bundespartei — ein entscheidender Faktor für den Wahlerfolg.

Dämpfer für Kanzler Merz

Das Ergebnis gilt als erster wichtiger Stimmungstest für die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). Die Niederlage seiner Partei im bevölkerungsreichsten Südwestland ist ein symbolischer Rückschlag — gerade weil Merz bundesweit zuletzt mit einem Kurs der strikten Migrationspolitik Punkte gesammelt hatte. Laut der Forschungsgruppe Wahlen schnitt die Bundesregierung mit einem Wert von minus 0,6 auf einer Skala von +5 bis −5 deutlich schlechter ab als die Landesregierung. Özdemirs persönliche Beliebtheit und die Fähigkeit der Grünen, ihre Stammwählerschaft zu mobilisieren, erwiesen sich als stärker als der konservative Bundestrend.

Ein Symbol für Einwanderungsgesellschaft

Özdemirs bevorstehende Amtsübernahme hat auch eine gesellschaftliche Dimension: Er war 1994 als erster Abgeordneter türkischer Herkunft in den Deutschen Bundestag eingezogen. Nun könnte er als Regierungschef eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer Deutschlands — Heimat von Daimler, Bosch und SAP — ein sichtbares Zeichen für die Realität der deutschen Einwanderungsgesellschaft setzen. Für viele Menschen mit Migrationsgeschichte ist das Ergebnis mehr als ein Wahlergebnis: Es ist ein Symbol.

Bleib auf dem Laufenden!

Folge uns auf Facebook für die neuesten Nachrichten und Artikel.

Folge uns auf Facebook

Verwandte Artikel