Kazincbarcika: Fidesz-Sieg vor dem 12. April
Der Kandidat von Fidesz–KDNP, Attila Kaló, hat die Nachwahl in Kazincbarcika am 8. März gewonnen und damit nach 16 Jahren ein Mandat in der einstigen Oppositionsbastion errungen – dies war die letzte bedeutende Kraftprobe vor den Parlamentswahlen am 12. April.
Fidesz gewinnt nach sechzehn Jahren in Kazincbarcika
Attila Kaló, der Kandidat von Fidesz–KDNP, hat die Nachwahl im 7. Einzelwahlkreis von Kazincbarcika am 8. März gewonnen. Der Kandidat der Regierungspartei erhielt 43,21 Prozent der Stimmen (283 Stimmen) und lag damit vor Ágnes Sütő (36,34 %, 238 Stimmen) auf dem zweiten Platz und Erzsébet Séllyei (20,46 %) auf dem dritten Platz. Von den 2821 Wahlberechtigten, die im Wählerverzeichnis eingetragen waren, gingen insgesamt 658 zur Wahl – das entspricht einer Beteiligung von nur 23,33 Prozent.
Der Sieg ist deshalb besonders, weil Fidesz vor sechzehn Jahren das letzte Mal ein Einzelmandat in der traditionell linksgerichteten Industriestadt im Komitat Borsod errungen hat. Ministerpräsident Viktor Orbán gratulierte persönlich zum Sieg und kommentierte das Ergebnis in den sozialen Medien wie folgt: „Realität gegen Tisza: 2:0" – in Anspielung auf die wiederholten Nachwahl-Niederlagen der Opposition.
Die Tisza-Partei stellte keinen Kandidaten auf
Ein wichtiger Aspekt ist jedoch, dass die von Péter Magyar geführte Tisza-Partei offiziell keinen Kandidaten für die Wahl aufgestellt hat. Die Tisza-Sympathisantin Ágnes Sütő trat als „Zivilistin" mit Unterstützung des oppositionellen Stadtverteidigungsvereins an und wurde am Ende Dritte. Die HVG merkte kritisch an: Fidesz habe den Sieg gegen Tisza verkündet, obwohl Magyar und seine Anhänger in Wirklichkeit gar nicht angetreten seien.
Widersprüchliche Meinungsumfragen
Vor den Parlamentswahlen am 12. April zeichnen die Ergebnisse der Meinungsumfragen ein überraschend widersprüchliches Bild. Laut dem regierungsnahen Nézőpont Intézet liegt Fidesz–KDNP bei 46 Prozent, während die Tisza-Partei 40 Prozent erreicht. Im Gegensatz dazu führt die Tisza-Partei laut der neuesten Umfrage von Závecz Research bei den sicheren Wählern mit 50 Prozent vor Fidesz mit 38 Prozent. Auch das Publicus Intézet misst einen Tisza-Vorsprung: Die sicheren Wähler bevorzugen die Partei von Péter Magyar im Verhältnis 47 zu 39.
Die Kluft zwischen den verschiedenen Instituten ist zum Teil auf methodische Unterschiede zurückzuführen – beispielsweise bei der Definition von „sicheren Wählern" –, zum Teil spielt aber auch die politische Finanzierung eine Rolle bei der Beurteilung der Meinungsforscher.
Der Schatten der Wahlkreisverschiebung
Für einen Erfolg der Opposition reicht jedoch der Vorsprung in den Meinungsumfragen nicht aus. Fidesz hat im Dezember 2024 die Grenzen der Einzelwahlkreise neu gezogen und dabei vor allem in Budapest deren Zahl verringert und im Komitat Pest erhöht. Laut einer Analyse von Átlátszó benötigt die Opposition einen Vorsprung von mindestens 3–5 Prozentpunkten im landesweiten Stimmenanteil, um eine parlamentarische Mehrheit zu erlangen. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass Tisza ein Volksabstimmungsergebnis von bis zu 55 Prozent benötigen würde, um eine einfache parlamentarische Mehrheit zu erzielen, während Fidesz mit 45 Prozent sogar eine Zweidrittelmehrheit erringen könnte.
Mobilisierung und Einsatz
Péter Magyar nimmt an einer 55-tägigen „Jetzt oder nie"-Landesrundfahrt teil, um die Wähler von Tisza zu mobilisieren. Laut Euronews wollen 97 Prozent der Tisza-Sympathisanten sicher an der Wahl teilnehmen, verglichen mit 85 Prozent im Fidesz-Lager – dieser Unterschied in der Beteiligung könnte entscheidend sein.
Der Sieg in Kazincbarcika zeigt, dass Fidesz in der Lage ist, seine lokale Basis zu mobilisieren und gleichzeitig die Zersplitterung der Opposition auszunutzen. Ob dieser Schwung bis zum 12. April anhält und welche tatsächliche Mehrheit sich im Parlament bildet, wird die Entscheidung der Wähler bald zeigen.
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