Kultur

„Mr. Nobody Against Putin“ gewinnt Oscar – Triumph für Tschechien nach 30 Jahren

Der tschechisch-dänische Dokumentarfilm „Mr. Nobody Against Putin“ wurde bei der 98. Oscar-Verleihung als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Es ist der erste Oscar-Gewinn für eine tschechische Koproduktion seit 1997, als Jan Svěrák mit „Kolja“ den Preis gewann.

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Redakcia
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„Mr. Nobody Against Putin“ gewinnt Oscar – Triumph für Tschechien nach 30 Jahren

Historischer Erfolg für das tschechische Kino

Los Angeles, 16. März 2026 – Der tschechisch-dänische Dokumentarfilm „Mr. Nobody Against Putin“ hat bei der 98. Verleihung der Academy Awards den Oscar als bester Dokumentarfilm gewonnen. Für das tschechische Kino ist dies der erste Oscar-Gewinn seit fast drei Jahrzehnten – zuletzt feierte Tschechien 1997, als Jan Svěrák mit dem Film Kolja in der Kategorie bester fremdsprachiger Film triumphierte.

Die Geschichte eines russischen Lehrers, der Propaganda filmte

Der Dokumentarfilm begleitet Pawel Talankin, Koordinator von Veranstaltungen und Videofilmer an der Grundschule Nr. 1 in Karabasch – einer armen Bergbaustadt in der Nähe des Urals. Talankin wurde beauftragt, staatlich verordnete militärische Bildungsprogramme umzusetzen, darunter Propagandastunden für Schüler. Anstatt blind zu gehorchen, beschloss er, die Kamera nicht auszuschalten und begann, den Alltag der Schule und den Druck der Staatsmaschinerie auf die einfachen Leute zu dokumentieren.

Die Dreharbeiten dauerten zwei Jahre unter zunehmend riskanten Bedingungen. Vor Talankins Flucht aus Russland im Sommer 2024 fing der Film sogar Aufnahmen der polizeilichen Überwachung seines Hauses ein. Das Material wurde anschließend mit koordinierter Hilfe von Produzenten und Regisseur David Borenstein aus Russland geschmuggelt.

Tschechische Beteiligung hinter der Kamera und auf der Bühne

Der Film ist eine Koproduktion der tschechischen Firma PINK und der dänischen Produktion Made in Copenhagen. Die tschechische Seite wird von den Produzenten Radovan Síbrt, Alžběta Karásková und Petra Dobešová vertreten, die dänische von Helle Faber. Karásková und Síbrt nahmen die goldene Statue auf der Bühne des Dolby Theatre entgegen.

Regie führten der dänische Dokumentarfilmer David Borenstein, der Talankin kontaktierte und ihm half, das Material in den Westen zu bringen, und Talankin selbst als Co-Autor.

Politische Botschaft von der Oscar-Bühne

Talankin hielt bei der Entgegennahme des Preises einen dringenden Appell:

„Im Namen unserer Zukunft, im Namen all unserer Kinder – stoppt all diese Kriege.“

Borenstein fügte hinzu, dass der Film eine Warnung für die ganze Welt sei: „Mr. Nobody Against Putin handelt davon, wie man sein Land verliert", sagte er, „wenn die Regierung Gewalt anwendet und die Bürger schweigen. Auch ein Niemand kann mächtiger sein, als man denkt."

Der Kreml reagierte auf seine Weise auf den Sieg – Sprecher Dmitri Peskow erklärte, er habe den Film nicht gesehen und auch nichts davon gehört.

Der Weg von Sundance über BAFTA zum Oscar

Der Film feierte seine Weltpremiere im Januar 2025 in der Sektion World Cinema Documentary auf dem Sundance Festival, wo er den Special Jury Award gewann. Im Februar 2026 folgte ein Triumph bei der 79. Verleihung der BAFTA Awards in der Kategorie bester Dokumentarfilm. Bei den Oscars übertraf er dann die Favoriten des Wettbewerbs und bestätigte seine außergewöhnliche Festivalgeschichte.

Die tschechische Seite sieht die Auszeichnung als ein starkes symbolisches Signal. Die Produzenten sagten, der Preis „ermutigt die Menschen, sich nicht von Ungerechtigkeit einschüchtern zu lassen“ – eine Botschaft, die weit über die Grenzen der Filmindustrie hinausgeht.

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