Tschechien bietet der Slowakei Notfall-Öllieferungen über die Druschba-Pipeline an
Industrieminister Karel Havlíček hat der Slowakei Notfall-Öllieferungen über den tschechischen Zweig der Druschba-Pipeline angeboten, nachdem die Ukraine den Transit von russischem Öl gestoppt hat. Für größere Mengen wäre eine umfassende Modernisierung der tschechischen Pipeline-Infrastruktur erforderlich.
Havlíčeks Angebot: Öl-Solidarität in der Praxis
Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček traf sich am Dienstag, den 17. Februar, in Bratislava mit dem slowakischen Premierminister Robert Fico und unterbreitete ihm ein konkretes Angebot: Tschechien ist bereit, die Slowakei über den eigenen Zweig der Druschba-Pipeline mit Öl zu versorgen. Dies ist ein beispielloser Schritt, der die praktische Energie-Solidarität zwischen den Nachbarn in einer Zeit demonstriert, in der die Slowakei mit einer schweren Ölkrise konfrontiert ist.
Wie die Krise begann
Auslöser der ganzen Situation war die Entscheidung der Ukraine, am 30. Januar 2026 den Transit von russischem Öl durch die Druschba-Pipeline zu stoppen. Kiew bezeichnete diesen Schritt als politische Entscheidung im Kontext des laufenden Konflikts. Die Slowakei und Ungarn, die weiterhin von russischem Öl abhängig sind, sahen sich ohne einen wichtigen Versorgungskanal.
Die slowakische Regierung reagierte am 18. Februar mit der Ausrufung des Öl-Notstands, der bis zum 30. September 2026 gilt. Die Raffinerie Slovnaft – die einzige in der Slowakei – beantragte beim Staat ein Notfalldarlehen von bis zu 250.000 Tonnen Öl aus strategischen Reserven, um den Betrieb für etwa einen Monat zu sichern. Premierminister Fico kündigte gleichzeitig einen sofortigen Stopp der Ausfuhr von Kraftstoffen in die Ukraine an.
Technische Realität: kleine Mengen, große Investitionen
Havlíčeks Angebot hat jedoch seine technischen Grenzen. Der tschechische Zweig der Druschba-Pipeline, der vom staatlichen Unternehmen Mero betrieben wird, transportierte Öl historisch in die entgegengesetzte Richtung – von der Slowakei nach Tschechien. Eine Umkehrung des Flusses für Notfalllieferungen ist physisch möglich, aber die bestehende Infrastruktur würde nur relativ kleine, krisenbedingte Mengen ermöglichen.
„Die technische Vorbereitung und Anpassung kann mehrere Monate dauern. Gleichzeitig sind wir bereit, auch im jetzigen Zustand eine Krisenmenge zu liefern", sagte Havlíček. Der Generaldirektor von Mero, Jaroslav Pantůček, kündigte an, dass konkrete Zahlen zu den maximalen Transportkapazitäten etwa eine Woche nach den Verhandlungen vorliegen werden.
Für größere Liefermengen, die Slovnaft für einen vollwertigen Betrieb tatsächlich benötigen würde, wäre eine deutliche Modernisierung der Pipeline-Infrastruktur erforderlich. Dies ist eine Frage von Monaten, nicht von Tagen.
Tschechien ist nicht von russischem Öl abhängig
Die Situation verdeutlicht den strategischen Unterschied zwischen den beiden Ländern. Tschechien hat in die Diversifizierung der Ölversorgung investiert und wird heute vollständig aus dem Westen versorgt – über die italienische TAL-Pipeline und die daran angeschlossene IKL-Pipeline. Es ist daher nicht von russischem Öl abhängig und kann daher aus einer Position der Stärke heraus seinen Nachbarn Hilfe anbieten.
Havlíček erwähnte bei den Gesprächen in Bratislava auch Pläne zur Erhöhung der Erdgastransportkapazität von Deutschland über Tschechien in die Slowakei, wobei die notwendigen Investitionen in Kompressorstationen für die Jahre 2026 und 2028 geplant sind.
Die Slowakei sucht nach Alternativen
Bratislava arbeitet unterdessen an alternativen Lösungen. Die wichtigste Rettungsroute ist die kroatische Adria-Pipeline, über die Öl aus den Häfen an der Adria in die Slowakei fließen könnte. Die Umleitung der Lieferungen über diesen Weg ist jedoch logistisch anspruchsvoll und wird Schätzungen zufolge 20 bis 30 Tage dauern, bis sie voll funktionsfähig ist. Die Bestände an den Tankstellen sind nach Angaben der slowakischen Kommission für Öl-Sicherheit NESO derzeit ausreichend.
Geopolitische Dimension der Krise
Die Ölkrise erhält auch eine starke politische Note. Fico beschuldigte den ukrainischen Präsidenten Selenskyj offen, die Wiederaufnahme der Lieferungen über die Druschba-Pipeline absichtlich zu blockieren. Die Slowakei hat als Reaktion darauf die Ausfuhr von Kraftstoffen in die Ukraine gestoppt – ein Schritt, der die ohnehin schon schwierigen Beziehungen weiter belastet.
Das tschechische Hilfsangebot stellt in diesem Zusammenhang nicht nur ein praktisches Energieinstrument dar, sondern auch ein diplomatisches Signal: Die mitteleuropäischen Länder können in Krisensituationen koordiniert und solidarisch handeln, unabhängig von den politischen Differenzen ihrer Regierungen.
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