Webb entdeckt entfernteste Quallengalaxie des Universums
Das James-Webb-Weltraumteleskop hat die Galaxie COSMOS2020-635829 in einer Entfernung von 8,5 Milliarden Lichtjahren erfasst – die entfernteste „Quallengalaxie“, die Wissenschaftler je beobachtet haben. Die Entdeckung stellt bisherige Vorstellungen über die Entwicklung des frühen Universums in Frage.
Kosmische Qualle aus den Anfängen des Universums
Ein Team von Astrophysikern der University of Waterloo hat mithilfe des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) die bisher entfernteste Quallengalaxie entdeckt – ein Objekt mit der Bezeichnung COSMOS2020-635829, das sich in einer Entfernung von 8,5 Milliarden Lichtjahren befindet. Das vom Teleskop aufgefangene Licht verließ diese Galaxie zu einer Zeit, als das Universum erst etwa die Hälfte seines heutigen Alters hatte. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Astrophysical Journal veröffentlicht.
Was sind Quallengalaxien?
Quallengalaxien erhielten ihren poetischen Namen aufgrund der langen, tentakelartigen Streifen aus ionisiertem Gas und neugeborenen Sternen, die sie bei ihrer Bewegung durch dichte Galaxienhaufen hinterlassen. Dieses Phänomen wird fachsprachlich als Ram-Pressure Stripping bezeichnet: Heißes, dünnes Gas, das den Galaxienhaufen ausfüllt, wirkt wie ein starker Wind, der das Gas förmlich aus der sich bewegenden Galaxie herausreißt.
Der Hauptkörper von COSMOS2020-635829 sieht aus wie eine gewöhnliche, symmetrische Scheibengalaxie. Doch in ihren Schlepptau – weit entfernt vom galaktischen Kern – leuchten helle blaue Haufen. Dabei handelt es sich um extrem junge Sterne, die weniger als 100 Millionen Jahre alt sind und sich direkt im abgetrennten Gas außerhalb der Hauptgalaxienscheibe gebildet haben.
Warum ist die Entdeckung überraschend?
Wissenschaftler gingen bisher davon aus, dass Galaxienhaufen in einem so frühen Stadium des Universums noch nicht dicht und heiß genug waren, um ein intensives Ram-Pressure Stripping zu erzeugen. Der neue Fund stellt diese Annahme in Frage.
„Die erste Schlussfolgerung ist, dass die Umgebung des Haufens schon damals rau genug war, um Galaxien zu entreißen. Die zweite ist, dass Galaxienhaufen die Eigenschaften von Galaxien möglicherweise früher verändert haben, als wir angenommen hatten", erklärte der leitende Autor der Studie, Dr. Ian Roberts, Postdoktorand am Waterloo Centre for Astrophysics, gegenüber dem Portal Phys.org.
Die Forschung zeigt auch, dass Ram-Pressure Stripping nicht nur Gas abreißt, sondern es gleichzeitig komprimieren und eine intensive Sternentstehung auslösen kann – was eine weitere Dimension zum Verständnis der Galaxienentwicklung hinzufügt.
Noch ein Kandidat
Trotz der bemerkenswerten Ergebnisse betonen die Wissenschaftler Vorsicht: COSMOS2020-635829 ist bisher nur ein Kandidat für eine Quallengalaxie. Dr. Roberts und sein Team haben weitere Beobachtungszeit am JWST beantragt, um das Objekt mithilfe der Spektroskopie genauer zu untersuchen und seinen Charakter endgültig zu bestätigen.
Ein neues Fenster in die Geschichte des Universums
Das James-Webb-Teleskop erweist sich seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2022 immer wieder als revolutionäres Instrument – seine Infrarotabbildung kann Staubwolken durchdringen und Galaxien in ihren frühesten Stadien sehen. Die Entdeckung der entferntesten Quallengalaxie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie das JWST Lehrbuchwissen über die kosmische Entwicklung umschreibt und Wissenschaftler zwingt, zu überdenken, wann und wie sich große Strukturen im Universum bilden.
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