Wirtschaft

Duslo Šaľa: Teures Gas stoppt Ammoniakproduktion

Der größte slowakische Hersteller von Stickstoffdüngemitteln, Duslo Šaľa, hat die Ammoniakproduktion nach einem starken Anstieg der Erdgaspreise, der durch den Konflikt im Nahen Osten und die Produktionsunterbrechung von QatarEnergy verursacht wurde, auf ein technisches Minimum reduziert. Die Situation gefährdet den slowakischen Chemie- und Agrarsektor.

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Redakcia
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Duslo Šaľa: Teures Gas stoppt Ammoniakproduktion

Gaskrise trifft das Herz der slowakischen Chemieindustrie

Der größte slowakische Hersteller von Stickstoffdüngemitteln, das Unternehmen Duslo Šaľa, hat die Ammoniakproduktion auf ein technisches Minimum reduziert. Grund dafür ist der sprunghafte Anstieg der Erdgaspreise – ein wichtiger Rohstoff, der 70 bis 80 Prozent der Kosten für die Düngemittelproduktion ausmacht. Generaldirektor Pavel Hanus bezeichnet die Situation als ernst: Ohne ein Nachgeben der Gaspreise sieht er keine positiven Aussichten.

Straße von Hormus beunruhigt europäische Märkte

Hinter dem Preisanstieg stecken geopolitische Erschütterungen im Nahen Osten. Nach Militärschlägen der USA und Israels gegen den Iran hat das Unternehmen QatarEnergy die Förderung von Flüssigerdgas (LNG) nach Angriffen auf seine Anlagen in Ras Laffan eingestellt. Der europäische Benchmark-Kontrakt TTF stieg um mehr als 45 Prozent – die Preise bewegen sich um die 60 Euro pro Megawattstunde, während sie Ende 2025 noch unter 30 Euro lagen.

Katar deckt 12 bis 14 Prozent der europäischen LNG-Importe ab. Die Gefahr einer Schließung der Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des globalen Gas- und Öltransports verlaufen, treibt die Preise weiter in die Höhe. Zudem ist Europa mit unterdurchschnittlichen Lagerbeständen in die Krise geraten – die Gasspeicher der EU sind nur zu knapp 30 Prozent ihrer Kapazität gefüllt, während es vor einem Jahr noch 40 Prozent waren.

Šaľa ohne Ammoniak: Einschnitt in die gesamte Wertschöpfungskette

Das Werk in Šaľa verfügt über eine Tageskapazität von 1.600 Tonnen Ammoniak. Bei Duslo arbeiten rund 2.000 Mitarbeiter, und das Unternehmen ist der größte Erdgasverbraucher in der Slowakei – sein Anteil am nationalen Verbrauch beträgt 11 Prozent. Die Düngemittelproduktion wird zwar aus den Lagerbeständen an Ammoniak fortgesetzt, doch bei anhaltenden Preiserhöhungen wird das Werk auf teure externe Lieferungen angewiesen sein.

Ein Sprecher von Agrofert, zu dem Duslo gehört, bestätigte: „Wir haben die Ammoniakproduktion auf das technologische Minimum reduziert, die Düngemittelproduktion wird fortgesetzt." Die Beschäftigung ist bisher nicht gefährdet – die Geschäftsleitung plant keine personellen Veränderungen. Erdgas dient im Werk in zweifacher Weise: als Energie und als direkter Rohstoff für die Ammoniaksynthese. Wenn der Preis des Inputs den Preis des Outputs übersteigt, muss das Werk die Produktion einschränken oder einstellen.

Landwirtschaft spürt Druck auf die Ernten 2027

Die slowakische Landwirtschaftskammer warnt, dass die Folgen der Krise vor allem die Ernten des Jahres 2027 zu spüren bekommen werden, wenn die Krise andauert. Die Landwirte im Bezirk Nitra verfügen über Vorräte für das Frühjahr, doch die herbstliche Versorgung mit Düngemitteln ist fraglich. Analysten weisen auf das Risiko einer Wiederholung der Situation von 2022 hin, als sich die Düngemittelpreise nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine verdoppelten. Neben Düngemitteln steigen auch die Preise für AdBlue und andere Chemikalien, die von Erdgas abhängig sind, was die Kosten für die Lebensmittelproduktion weiter belastet.

Duslo ist nicht allein – Europa erlebt eine Welle von Stilllegungen

Die Einschränkung der Ammoniak- und Düngemittelproduktion hat mehrere europäische Chemiewerke getroffen. Laut der Analyseagentur ICIS können die Gaspreise bei anhaltender Unterbrechung der Straße von Hormus noch deutlich steigen. Industrie und Regierungen stehen unter dem Druck, alternative Lieferquellen zu finden – aus den USA, Norwegen oder neuen LNG-Projekten – doch eine schnelle Lösung liegt nicht auf dem Tisch.

Für die Slowakei ist dies ein ernstes wirtschaftliches Signal: Die Abhängigkeit von billigem Gas verwandelt sich in Zeiten geopolitischer Instabilität in eine systemische Verwundbarkeit. Ohne eine Stabilisierung der Energiemärkte bleiben die Aussichten für Duslo Šaľa – und den gesamten slowakischen Chemiesektor – höchst unsicher.

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