Fico in Paris: Slowakei droht mit Blockade von 90 Mrd. € für Kiew
Ministerpräsident Robert Fico traf sich am 10. März in Paris mit der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Er fordert Zugang von Experten zur beschädigten Erdölleitung Druschba und droht damit, dass die Slowakei ein EU-Darlehen an die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro blockieren wird, falls Kiew die Öllieferungen nicht wieder aufnimmt.
Treffen in Paris im Schatten des Energiestreits
Der slowakische Premierminister Robert Fico traf sich am Dienstag, dem 10. März, am Rande des Gipfels zur Kernenergie in Paris mit der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Hauptthema des Treffens war der Streit um die Erdölleitung Druschba, die seit Ende Januar nach einem russischen Drohnenangriff auf die Pumpstation Brody im Gebiet Lwiw außer Betrieb ist.
Fico forderte von der Leyen auf, die Europäische Kommission solle Druck auf Kiew ausüben und unabhängigen Experten den Besuch des beschädigten Leitungsabschnitts ermöglichen. Der slowakische Premierminister behauptet wiederholt, Bratislava verfüge über Satellitenbilder, die beweisen, dass die Pipeline weiterhin funktionsfähig ist – was andeutet, dass die Ukraine ihre Reparatur aus politischen Gründen absichtlich blockiert.
Drohung mit Blockade eines 90-Milliarden-Euro-Kredits
Sollte Kiew den Transit von russischem Öl nicht wieder aufnehmen, drohte Fico damit, dass die Slowakei den Staffelstab von Ungarn übernehmen und die Genehmigung eines EU-Kredits an die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro blockieren werde. Dieser war bereits im Dezember 2025 vorläufig vereinbart worden und umfasst 30 Milliarden Euro für die Budgethilfe und 60 Milliarden Euro für militärische Zwecke.
Ungarn unter der Führung von Viktor Orbán blockiert den Kredit derzeit. Sollte die Europäische Union ihn nicht bis Anfang April 2026 freigeben, drohe der Ukraine laut Analysten ein erheblicher Ausfall bei der Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen und des Militärs.
„Die Slowakei ist bereit, den Staffelstab von Ungarn zu übernehmen und den Kredit für die Ukraine zu blockieren, falls dies notwendig sein sollte", erklärte Fico vor seinem Abflug nach Paris.
Kiew: Reparatur erfordert Waffenstillstand
Die ukrainische Seite weist die Anschuldigungen einer absichtlichen Blockade zurück. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Reparatur der beschädigten Pipeline sei nur im Falle eines Waffenstillstands möglich, wobei die Arbeiten unter den derzeitigen Kampfbedingungen bis zu anderthalb Monate dauern würden. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bestätigte, dass die Pipeline durch einen russischen Angriff beschädigt wurde.
Eskalation: Strom und Diesel
Der Energiestreit zwischen Bratislava und Kiew hat sich in den letzten Wochen deutlich verschärft. Die Slowakei hat am 4. März formell den Vertrag über Notstromlieferungen an die Ukraine gekündigt – Fico machte dessen Verlängerung gerade von der Wiederaufnahme der Öllieferungen über Druschba abhängig. Die slowakische Seite hat gleichzeitig auch den Export von Diesel in die Ukraine gestoppt.
Ähnlich verfährt auch Budapest, das erwägt, seine eigenen Notstromlieferungen einzustellen und ebenfalls den Diesel-Export in die Ukraine ausgesetzt hat.
Ungarische Wahlen als Variable
Die Situation spielt sich in einem entscheidenden politischen Kontext ab: Die ungarischen Parlamentswahlen sind für den 12. April 2026 geplant. Umfragen deuten zwar darauf hin, dass Orbáns Fidesz seinen Vorsprung hält (~45 % gegenüber ~40 % der Oppositionspartei Tisza), doch eine mögliche Niederlage würde das Kräfteverhältnis bei den Verhandlungen verändern. Gerade deshalb deutete Fico offen an, dass die Slowakei bereit sei, die Blockade auch ohne Ungarn fortzusetzen, sollte Orbán die Wahlen verlieren.
Brüssel sucht nach einer Lösung
Die Europäische Kommission ist sich der Dringlichkeit der Situation bewusst. Laut Quellen aus Brüssel üben EU-Beamte selbst Druck auf Kiew aus, um zumindest eine technische Inspektion der Erdölleitung zu ermöglichen. Die Zeit spielt dabei eine Rolle – jede Woche ohne Lösung schwächt die ukrainische Position bei den Verhandlungen über die Finanzierung sowie auf dem diplomatischen Parkett.
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