Wirtschaft

Gasschock: Katar stoppt LNG, Europa zahlt den Preis

Iranische Drohnenangriffe auf katarische Energieanlagen haben QatarEnergy zur Produktionseinstellung gezwungen. Die europäischen Gaspreise stiegen daraufhin dramatisch, Deutschland reaktivierte seinen Krisenausschuss.

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Redakcia
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Gasschock: Katar stoppt LNG, Europa zahlt den Preis

Drohnenangriffe legen weltgrößte LNG-Anlage lahm

Am 2. März 2026 traf eine neue Schockwelle die europäischen Energiemärkte: Der staatliche katarische Energiekonzern QatarEnergy stellte die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) an seinen beiden wichtigsten Industriekomplexen — Ras Laffan und Mesaieed — ein. Auslöser waren iranische Drohnenangriffe, die laut Katars Verteidigungsministerium je eine Anlage in beiden Städten trafen: eine Wassertank-Infrastruktur in Mesaieed sowie eine Energieanlage in Ras Laffan, dem Herzstück der katarischen LNG-Industrie. QatarEnergy begründete den Produktionsstopp mit Sicherheitsbedenken und erklärte auch die Herstellung von Downstream-Produkten wie Harnstoff, Polymere und Methanol für ausgesetzt.

Qatar beliefert rund 20 Prozent des globalen LNG-Markts. Dieser Ausfall ist damit kein regionales Ereignis — er erschüttert die Grundlagen der weltweiten Gasversorgung.

Europäische Gaspreise im freien Fall nach oben

Die Reaktion der Märkte war unmittelbar und brutal. Der Benchmark-Terminkontrakt für europäisches Erdgas, der niederländische TTF-Future, schnellte am Montag um bis zu 50 Prozent in die Höhe, berichtete Bloomberg. Euronews verzeichnete Tagesgewinne von rund 45 Prozent. Gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag, 27. Februar, legten die TTF-Preise im Wochenverlauf zeitweise um bis zu 70 Prozent zu und überstiegen die Marke von 60 Euro pro Megawattstunde — fast das Doppelte des Vorwochenniveaus.

Die Investmentbank Goldman Sachs erhöhte ihre Preisprognose für europäisches Gas im April 2026 von 36 auf 55 Euro pro Megawattstunde. Analysten warnen: Sollte der Konflikt die Straße von Hormus für einen Monat blockieren, könnten sich die Preise mehr als verdoppeln, so Goldman Sachs laut Bloomberg.

Deutschland besonders exponiert

Für Deutschland ist die Situation heikel. Nach dem Abschied vom russischen Pipelinegas hatte die Bundesrepublik massiv in LNG-Importinfrastruktur investiert und Lieferverträge mit Katar geschlossen. Zum Zeitpunkt der Krise lagen die deutschen Gasspeicher laut Marktdaten bei lediglich rund 20,6 Prozent Füllstand — ein Mehrjahrestief für diese Jahreszeit. In der gesamten EU betrug der Füllstand Anfang März nur noch etwa 30 Prozent.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche räumte Preissteigerungen offen ein, versuchte aber zu beruhigen: „Wir können jetzt mit Preiserhöhungen rechnen, aber nicht mit schwerwiegenden Konsequenzen", erklärte sie laut Clean Energy Wire. Gleichzeitig reaktivierte die Bundesregierung einen Krisenausschuss zur Beobachtung der Gasmärkte. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, mit einer Wirtschaftsdelegation nach Katar zu reisen, um die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern.

Industrie und Verbraucher unter Druck

Wirtschaftsverbände schlagen Alarm. Die deutsche Industrie, die nach den Rekordenergiepreisen von 2022 noch immer um ihre Wettbewerbsfähigkeit kämpft, droht erneut in eine Kostenfalle zu geraten. Besonders energieintensive Sektoren wie Chemie, Stahl und Papier sind anfällig für Preissprünge bei Erdgas. Auch für Haushalte bedeutet die Entwicklung mittelfristig höhere Heizkosten.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Engführung nicht nur das LNG selbst betrifft: QatarEnergy stellte auch die Produktion petrochemischer Folgeprodukte ein, was globale Lieferketten in der Düngemittel- und Kunststoffbranche trifft.

Eine zweite Energiefront im Nahost-Krieg

Analysten sprechen von einer zweiten Energiefront im eskalierenden Nahost-Konflikt. Neben dem Ölmarkt, der durch die Spannungen rund um den Iran bereits unter Druck steht, ist nun auch der Gasmarkt betroffen. Al Jazeera zufolge droht bei einer anhaltenden Blockade der Straße von Hormus nicht nur Europa, sondern auch Asien ein massiver Wettbewerb um alternative LNG-Lieferungen — mit weiteren Preissteigerungen als Folge.

Europa hat aus der Krise von 2022 gelernt und die Versorgung diversifiziert. Doch die niedrigen Speicherfüllstände und der anhaltende Ausfall der weltgrößten LNG-Exportanlage zeigen: Die Energiesicherheit des Kontinents bleibt fragil — und abhängig von geopolitischen Entwicklungen weit jenseits seiner Grenzen.

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