Gesundheit

Darmkrebs: Häufigste Todesursache unter 50-Jährigen

Neue epidemiologische Daten aus dem Jahr 2026 bestätigen einen alarmierenden Trend: Kolorektales Karzinom ist in den USA zur häufigsten Krebstodesursache bei Erwachsenen unter 50 Jahren geworden. Ein ähnlicher Anstieg wird auch in Europa und der Tschechischen Republik verzeichnet, die mit einer Senkung des Alters für das obligatorische Screening auf 45 Jahre reagiert.

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Redakcia
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Darmkrebs: Häufigste Todesursache unter 50-Jährigen

Stille Epidemie junger Erwachsener

Darmkrebs – das kolorektale Karzinom – ist in den Vereinigten Staaten zur häufigsten Krebstodesursache bei Erwachsenen unter 50 Jahren geworden. Laut den neuesten Daten, die in der Fachzeitschrift CA: A Cancer Journal for Clinicians veröffentlicht wurden, wurde dieser Meilenstein bereits im Jahr 2023 erreicht, ganze sieben Jahre früher als von Wissenschaftlern ursprünglich angenommen. Noch im Jahr 1990 stand das kolorektale Karzinom an fünfter Stelle der Ursachen für Krebstodesfälle in dieser Altersgruppe.

Für das Jahr 2026 schätzen Experten rund 158.850 neue Fälle und 55.230 Todesfälle in den USA. Besonders besorgniserregend ist, dass 45 Prozent der neuen Diagnosen Personen unter 65 Jahren betreffen – ein Anstieg von 27 Prozent gegenüber 1995. Die Inzidenz der Erkrankung steigt bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 49 Jahren um 3 Prozent pro Jahr, wobei die Inzidenz von Rektumkarzinomen besonders stark ansteigt und mittlerweile 32 Prozent aller Fälle von kolorektalem Karzinom ausmacht.

Warum erkranken immer jüngere Patienten?

Experten warnen, dass hinter dem Anstieg eine Kombination aus Lebensstilfaktoren steht, die typisch für die moderne westliche Gesellschaft sind. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Ungesunde Ernährung – hoher Konsum von verarbeitetem Fleisch, fettreichen Speisen und Zucker, geringe Aufnahme von Ballaststoffen und Gemüse
  • Übergewicht und Adipositas – ein höherer Body-Mass-Index ist stark mit einem frühen Krankheitsbeginn verbunden, insbesondere bei Männern
  • Sitzende Lebensweise – körperliche Inaktivität erhöht das Risiko, einen Tumor zu entwickeln
  • Alkohol und Rauchen – beide Faktoren erhöhen nachweislich das Risiko für kolorektales Karzinom

Forscher des Dana-Farber Cancer Institute weisen darauf hin, dass diese Faktoren nicht nur ein amerikanisches Phänomen sind – ein ähnlicher Trend ist in der gesamten entwickelten Welt, einschließlich Europa, zu beobachten.

Europa und die Tschechische Republik sind keine Ausnahme

Laut Daten des Portals Kolorektum.cz, das die Epidemiologie in der Tschechischen Republik und im europäischen Kontext verfolgt, steigt die Inzidenz von bösartigen Tumoren des Dickdarms und des Rektums bei jungen Europäern im Alter von 20 bis 39 Jahren um 6 Prozent pro Jahr – wobei im Zeitraum von 2008 bis 2016 der Anstieg bei Dickdarmkarzinomen sogar 7,4 Prozent pro Jahr betrug.

In der Tschechischen Republik werden jedes Jahr etwa 7.000 neue Fälle von kolorektalem Karzinom diagnostiziert und mehr als 3.000 Patienten sterben jährlich an dieser Krankheit. Damit gehört die Tschechische Republik im internationalen Vergleich zu den Ländern mit überdurchschnittlicher Belastung – Männer belegen im europäischen Ranking den 14. Platz, Frauen den 19. Platz.

Tschechien senkt das Alter für das Screening – als erstes Land in Europa

Die Tschechische Republik reagiert auf die alarmierenden Daten mit einem konkreten Schritt: Ab dem 1. Januar 2026 wurde die Altersgrenze für den Eintritt in das nationale Screening-Programm von 50 auf 45 Jahre gesenkt. Dies ist die erste derartige Änderung in Europa. Das neue Altersintervall für das Screening beträgt 45 bis 74 Jahre, und es werden jährlich etwa 16.000 zusätzliche Untersuchungen in der bisher nicht abgedeckten Altersgruppe der 45- bis 49-Jährigen durchgeführt.

Grund dafür ist auch eine besorgniserregende Statistik: Drei von vier Fällen von kolorektalem Karzinom bei Personen unter 50 Jahren werden in den USA erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, in dem die Behandlungsmöglichkeiten deutlich eingeschränkter sind. Die Entdeckung in einem frühen Stadium verbessert die Prognose jedoch dramatisch – die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei einem lokalisierten Befund liegt bei über 90 Prozent.

Symptome, die man nicht ignorieren sollte

Ärzte appellieren an junge Erwachsene, Warnsignale nicht zu unterschätzen: Blut im Stuhl, Veränderung der Häufigkeit oder Konsistenz des Stuhls, unerklärlicher Gewichtsverlust, anhaltende Bauchschmerzen oder das Gefühl einer unvollständigen Entleerung. Diese Symptome werden allzu oft Hämorrhoiden oder anderen gutartigen Zuständen zugeschrieben, was zu einer verzögerten Diagnose führt.

Experten sind sich einig: Der Schlüssel zur Umkehr dieses Trends liegt in Aufklärung, Änderung des Lebensstils und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen – und zwar früher, als den meisten Vierzigjährigen bisher bewusst war.

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