Wirtschaft

Katar: LNG-Produktionsstopp treibt europäische Gaspreise in die Höhe

Iranische Drohnenangriffe auf die Industriekomplexe Ras Laffan und Mesaieed in Katar zwangen QatarEnergy zur Einstellung der gesamten LNG-Produktion. Dies löste einen Preisanstieg von 30 bis 50 Prozent bei europäischen Gaspreisen aus und schürt neue Ängste um die Energiesicherheit des Kontinents.

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Redakcia
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Katar: LNG-Produktionsstopp treibt europäische Gaspreise in die Höhe

Eine Krise, die die globalen Energiemärkte erschütterte

In den frühen Morgenstunden des 2. März 2026 trafen iranische Drohnen zwei der wichtigsten Energiezentren Katars – die Industriekomplexe Ras Laffan und Mesaieed. Dies zwang das staatliche Unternehmen QatarEnergy, den weltweit größten Exporteur von Flüssigerdgas (LNG), zur sofortigen Einstellung der gesamten Produktion. Die Folgen waren unmittelbar und heftig: Die europäischen Referenzpreise für Gas stiegen in einer einzigen Sitzung um 30 bis 50 Prozent und markierten damit eines der heftigsten Ereignisse in der Geschichte des Gasmarktes.

Der Angriff: Was geschah

Das katarische Verteidigungsministerium bestätigte, dass zwei iranische Drohnen sein Territorium getroffen hatten – eine zielte auf ein Kraftwerk in Mesaieed, die andere auf eine Energieanlage in der Industriestadt Ras Laffan, dem Standort des weltweit größten LNG-Verflüssigungskomplexes. QatarEnergy kündigte einen vollständigen Stopp der LNG-Produktion und der damit verbundenen Leistungen an und verwies auf Sicherheitsvorkehrungen nach den "militärischen Angriffen auf seine Betriebsanlagen."

Die Angriffe erfolgten im Kontext eines sich rasch zuspitzenden Konflikts im Nahen Osten. Nach gemeinsamen Militäroperationen der USA und Israels gegen den Iran – bei denen Berichten zufolge auch der Oberste Führer Ali Khamenei getötet wurde – startete Teheran Vergeltungsangriffe mit Drohnen und Raketen auf Golfstaaten. Das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) gab außerdem Warnungen heraus, in denen es drohte, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus, den wichtigen maritimen Engpass, durch den katarische LNG-Tanker passieren müssen, zu blockieren.

Europas Gasmarkt im freien Fall

Der niederländische TTF-Kontrakt – Europas Referenzwert für Erdgas – stieg am 2. März um mehr als 48 Prozent und erreichte kurzzeitig 47,70 € pro Megawattstunde. Mitte der Woche waren die Preise laut Bloomberg sogar noch weiter gestiegen und lagen bei über 60 €/MWh – fast doppelt so hoch wie in der Vorwoche.

Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Europas Gasspeicher sind vor dem Frühjahr ungewöhnlich leer, was bedeutet, dass der Kontinent in den kommenden Monaten große Mengen an LNG importieren muss, um die Reserven vor dem nächsten Winter wieder aufzufüllen. Katar liefert zwischen 12 und 14 Prozent der gesamten LNG-Importe Europas – ein Anteil, der seit dem Ausfall der russischen Pipeline-Lieferungen nach dem Einmarsch in die Ukraine strategisch wichtig geworden ist.

"Die Bedrohung der Versorgungssicherheit ist hier und jetzt. Das Ausmaß wird von der Dauer des Stillstands abhängen, aber wir befinden uns jetzt in einem neuen Szenario", warnte Simone Tagliapietra, Energieanalystin bei der Brüsseler Denkfabrik Bruegel.

Ein Fünftel des globalen LNG-Angebots fällt weg

Katar ist für etwa 20 Prozent der globalen LNG-Exporte verantwortlich. Die Einstellung der Produktion hat effektiv ein Fünftel der weltweiten LNG-Exportkapazität über Nacht beseitigt. Auch die asiatischen LNG-Referenzpreise stiegen um fast 39 Prozent, was die globale Reichweite des Schocks unterstreicht.

Goldman Sachs warnte, dass die europäischen TTF-Preise auf 74 €/MWh steigen könnten – etwa 130 Prozent über dem Vorkrisenniveau –, wenn die LNG-Flüsse durch die Straße von Hormus für einen ganzen Monat vollständig eingestellt würden. Analysten von Verisk Maplecroft bezeichneten die Angriffe des Iran auf die Energieinfrastruktur am Golf als "eine erhebliche Eskalation".

Neustart-Zeitplan: Noch Wochen entfernt

QatarEnergy nannte keinen festen Zeitplan für die Wiederaufnahme der Produktion. Branchenexperten, die von Al Jazeera und gCaptain zitiert wurden, schätzen, dass die Anlage mindestens zwei Wochen lang außer Betrieb bleiben könnte, wobei weitere zwei Wochen benötigt würden, um die Produktion sicher wieder auf volle Kapazität hochzufahren. Jeder Neustart, so warnten sie, müsse "absichtlich langsam" erfolgen, um Schäden an der Ausrüstung zu vermeiden.

Ein Silberstreif am Horizont, so die Analysten, ist, dass die schlimmste Zeit der Winternachfrage in Europa vorbei ist. Da die Speicherstände jedoch auf einem Mehrjahrestiefstand sind und die geopolitischen Risiken keine Anzeichen einer Entspannung zeigen, steht die Region vor einem prekären Weg durch den Frühling und in die nächste Heizperiode.

Eine neue Phase der Energiekrise

Europa hat in den letzten drei Jahren versucht, sich vom russischen Gas zu diversifizieren – ein kostspieliger, aber weitgehend erfolgreicher Übergang. Der Produktionsstopp in Katar deckt nun die nächste Schwachstelle auf: die Abhängigkeit von LNG aus einer Region, in der militärische Konflikte die Lieferketten aktiv stören. Die politischen Entscheidungsträger stehen unter erneutem Druck, die Investitionen in alternative Quellen, Speicherkapazitäten und Energieeffizienz zu beschleunigen, um sich gegen eine zunehmend instabile globale Energieordnung zu wappnen.

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