Ölpreis steuert auf 100 Dollar zu, da Iran Märkte schockiert
Gemeinsame US-israelische Angriffe auf den Iran ließen den Preis für Brent-Rohöl auf 72,48 Dollar pro Barrel steigen. Barclays warnt, dass die Preise 100 Dollar erreichen könnten, wenn der Iran die Straße von Hormus – den Engpass für ein Drittel des weltweiten Seeölhandels – einschränkt.
Märkte unter Schock nach Angriffen auf den Iran
Die gemeinsame US-israelische Militäroperation gegen Ziele im Iran hat am Freitag umgehend Schockwellen durch die globalen Energiemärkte gesendet. Brent-Rohöl schloss bei 72,48 Dollar pro Barrel – ein Plus von 1,73 Dollar oder 2,45 % an diesem Tag – während US West Texas Intermediate um 2,78 % auf 67,02 Dollar stieg. Beide Benchmarks waren in Erwartung militärischer Aktionen bereits seit Wochen gestiegen, aber die Bestätigung der Angriffe löste einen schärferen, von Angst getriebenen Sprung aus.
Barclays gehörte zu den schnellsten, seine Prognose zu revidieren und erhöhte seine Brent-Prognose auf etwa 100 Dollar pro Barrel – gegenüber einer früheren Schätzung von 80 Dollar – und verwies auf die Möglichkeit einer anhaltenden Angebotsunterbrechung. Die Aufwärtskorrektur der Bank spiegelt ein Szenario wider, in dem sich die Kämpfe hinziehen oder der Iran Vergeltungsmaßnahmen ergreift, die die Ölflüsse aus dem Persischen Golf erheblich einschränken.
Der Engpass von Hormus
Im Zentrum der Marktangst steht die Straße von Hormus, die schmale Wasserstraße zwischen dem Iran und Oman, durch die täglich mehr als 14 Millionen Barrel Öl fließen – etwa ein Drittel aller seegestützten Rohölexporte, so Bloomberg. Etwa drei Viertel dieses Volumens sind für China, Indien, Japan und Südkorea bestimmt, was jede Störung zu einer direkten Bedrohung für die Volkswirtschaften der größten Energieverbraucher Asiens macht.
Unmittelbar nach den Angriffen beschrieben halboffizielle iranische Medien die Straße als faktisch geschlossen. Schiffe in der Region berichteten, VHF-Funknachrichten erhalten zu haben, die angeblich von den iranischen Revolutionsgarden stammten und ankündigten, dass keine Schiffe passieren dürften. Teheran bestätigte keine formelle Schließungsanordnung, aber allein die Drohung verunsicherte die Tankermärkte. Der Iran verfügt über große Lagerbestände an Minen und Kurzstreckenraketen, die den kommerziellen Verkehr durch die Wasserstraße ernsthaft stören können – und selbst eine teilweise, versicherungsbedingte Umleitung von Tankern könnte Brent deutlich über 100 Dollar treiben, warnten Analysten.
Irans Öl-Fußabdruck – und seine Grenzen
Trotz jahrelanger westlicher Sanktionen exportiert der Iran derzeit etwa 1,9 Millionen Barrel pro Tag, von denen der Großteil China über ein Netzwerk sogenannter Schattenflotten erreicht, die der Entdeckung entgehen sollen. Der Verlust iranischer Lieferungen würde die Märkte verknappen, aber die globalen Ströme nicht kritisch stören, so die Energieanalysten von NPR – China unterhält beträchtliche strategische Reserven und alternative Versorgungslinien.
Die weitaus größere Angst gilt den Kollateralschäden. Iranische Vergeltungsmaßnahmen gegen die Infrastruktur der Golfproduzenten in Saudi-Arabien, Kuwait, den VAE oder Katar könnten weitaus mehr Barrel aus dem Verkehr ziehen als der Iran selbst exportiert. Ein Worst-Case-Szenario mit einer breiteren regionalen Eskalation könnte schätzungsweise 20 % des globalen Angebots vom Netz nehmen – ein Niveau, das seit den Ölpreisschocks der 1970er Jahre nicht mehr erreicht wurde.
OPEC+ und die Inflationsgefahr
OPEC+ berief am Sonntag eine Dringlichkeitssitzung ein, um die Situation zu beurteilen. Die Gruppe erwog bereits eine moderate Produktionssteigerung von 137.000 Barrel pro Tag für April; ein längerer Konflikt könnte diese Diskussionen beschleunigen. Doch freie Kapazitäten – die sich hauptsächlich in Saudi-Arabien und den VAE konzentrieren – lassen sich möglicherweise nicht so einfach einsetzen, wenn sich die Kämpfe in der Region ausweiten.
Die makroökonomischen Risiken gehen weit über die Energiehändler hinaus. Eine anhaltende Störung des Hormus-Verkehrs könnte die globale Inflation um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte erhöhen, so Prognosen, die von CNBC zitiert werden – ein unerwünschter Druck für Zentralbanken, die bereits mit hartnäckigem Preiswachstum zu kämpfen haben. Wenn ein solcher Schock anhält, könnte er die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen.
Wie es weitergeht
Der unmittelbare Verlauf hängt stark davon ab, ob der Iran seine Hormus-Beschränkungen formalisiert und wie schnell diplomatische Kanäle den Konflikt eindämmen können. Ein schneller, begrenzter Austausch, der in einer ausgehandelten Deeskalation endet, könnte es Brent ermöglichen, in einem grundsätzlich überversorgten globalen Markt wieder in Richtung 70 Dollar zu driften. Aber wenn die Angriffe eine längere Konfrontation auslösen, stehen die Energiemärkte – und die Weltwirtschaft – vor einer Zerreißprobe ohne jüngere Präzedenzfälle.
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