Wirtschaft

Orbán blockiert EU-Hilfskredit von 90 Milliarden Euro für die Ukraine

Ungarn wird die Auszahlung des EU-Hilfskredits in Höhe von 90 Milliarden Euro an die Ukraine so lange blockieren, bis Kiew die Erdöllieferungen über die Druschba-Pipeline wieder aufnimmt, die am 27. Januar durch einen russischen Drohnenangriff beschädigt wurde.

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Redakcia
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Orbán blockiert EU-Hilfskredit von 90 Milliarden Euro für die Ukraine

Die Ankündigung der Blockade

Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó gab am 20. Februar bekannt, dass Ungarn die Auszahlung des EU-Hilfskredits in Höhe von 90 Milliarden Euro an die Ukraine so lange blockieren wird, bis Kiew die Erdöllieferungen über die Druschba-Pipeline wieder aufnimmt. Ministerpräsident Viktor Orbán formulierte es am nächsten Tag noch deutlicher: „Solange die Ukraine die Druschba-Pipeline blockiert, blockiert Ungarn den ukrainischen Kriegskredit von 90 Milliarden Euro.“ Budapest argumentiert, die Ukraine habe das Assoziierungsabkommen mit der EU verletzt, indem sie die Fortsetzung des Öltransits verweigere.

Die Druschba-Pipeline und der Vorfall vom 27. Januar

Über die aus der Sowjetzeit stammende Druschba-Pipeline (russisch für Freundschaft) gelangt seit dem 27. Januar kein russisches Erdöl mehr nach Ungarn und in die Slowakei. Laut ukrainischen Angaben wurde die Pumpstation in Brody durch einen russischen Drohnenangriff beschädigt, was den Öltransport unmöglich machte. Die Europäische Union selbst räumte ein, dass die Reparaturarbeiten durch die Gefahr weiterer russischer Luftangriffe erschwert werden.

Innerhalb der EU verfügen lediglich Ungarn und die Slowakei über Raffinerien, die das über die Druschba-Pipeline gelieferte russische Erdöl verarbeiten können. Budapest hat die Adria-Pipeline als Alternative genannt, über die per Seeweg transportiertes Erdöl über kroatische Häfen bezogen werden könnte.

Widersprüchliche Standpunkte

Budapest und Bratislava werfen Kiew vor, die Reparatur bewusst zu verzögern und die Einstellung der Öllieferungen für politischen Druck zu nutzen – insbesondere im Hinblick auf die für den 12. April angesetzten ungarischen Parlamentswahlen. Péter Szijjártó behauptet, die Ukraine versuche in Abstimmung mit Brüssel und der ungarischen Opposition, die heimischen Kraftstoffpreise in die Höhe zu treiben.

Die Ukraine weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Ukrainische Sprecher erklärten: „Ungarn weiß genau, dass die Druschba-Pipeline von Russland angegriffen wurde.“ Kiew zufolge stellen die Reparaturarbeiten inmitten der anhaltenden russischen Luftangriffe eine erhebliche technische Herausforderung dar.

Details des 90-Milliarden-Euro-Hilfspakets

Das Europäische Parlament verabschiedete am 11. Februar das Hilfspaket in Höhe von 90 Milliarden Euro, das etwa zwei Drittel des Finanzbedarfs der Ukraine für die Jahre 2026–2027 deckt. Das Paket sieht 30 Milliarden Euro zur Unterstützung des ukrainischen Staatshaushalts vor – geknüpft an Bedingungen zur Rechtsstaatlichkeit – und 60 Milliarden Euro für militärische Ausgaben und Rüstungsprogramme.

Ein Schlüsselelement des Pakets erfordert eine Änderung des langfristigen EU-Haushalts, die eine einstimmige Zustimmung des Rates erfordert – was Budapest ein faktisches Vetorecht einräumt. Ungarn, die Slowakei und Tschechien haben ohnehin eine Ausnahmeregelung von der gemeinsamen Schuldenaufnahme erhalten, sodass die Blockade in erster Linie ein Schritt mit politischer Wirkung ist.

Eskalation und innenpolitische Dimension

Der Konflikt verschärft sich weiter: Ungarn und die Slowakei haben am 18. Februar als Reaktion auf die Einstellung des Öltransits den Export von Dieselkraftstoff in die Ukraine ausgesetzt. Laut Informationen von Euronews hat die Europäische Kommission eine außerordentliche Sitzung zur Energiekoordinierung einberufen.

Die Ankündigung erfolgte drei Wochen vor den Wahlen am 12. April. Umfragen zufolge liegt Orbáns Fidesz-Partei etwa zehn Prozentpunkte hinter dem Oppositionsführer Péter Magyar zurück. Analysten zufolge ist das harte Vorgehen gegen Brüssel und die Ukraine teilweise auch ein Mittel der Wahlkampfstrategie.

Ausblick

Die finanzielle Situation der Ukraine ist kritisch: Die erste Tranche des Hilfspakets soll im zweiten Quartal 2026 ausgezahlt werden, und ein dauerhaftes ungarisches Veto könnte die Kriegsfinanzierung Kiews erheblich beeinträchtigen. Der Schlüssel zur Lösung liegt im Tempo der Reparatur der Druschba-Pipeline und im Erfolg diplomatischer Verhandlungen – während die direkten Energiesicherheitsinteressen Ungarns und die geopolitischen Prioritäten der EU zunehmend kollidieren.

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