Slowakei und Ungarn wollen Oligarchen von Sanktionen streichen
Bratislava und Budapest machen ihre Zustimmung zur Verlängerung der EU-Sanktionen gegen Russland von der Streichung von Michail Fridman und Alischer Usmanow von der Liste abhängig. Die europäischen Botschafter sollen am Freitag – einen Tag vor Ablauf der Sanktionen – über das Schicksal der Sanktionen entscheiden.
Ultimatum vor Ablauf der Sanktionen
Die Slowakei und Ungarn befinden sich in einem offenen Konflikt mit dem Rest der Europäischen Union. Beide Länder machen ihre Zustimmung zur Verlängerung der individuellen EU-Sanktionen gegen Russland von der Streichung zweier Namen von der Sanktionsliste abhängig: des russisch-israelischen Bankiers Michail Fridman und des russisch-usbekischen Milliardärs Alischer Usmanow. Die Sanktionen gegen mehr als 2.700 russische natürliche und juristische Personen laufen am Sonntag, dem 15. März, aus – und ihre Verlängerung erfordert die einstimmige Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten.
Die europäischen Botschafter versuchten, auf der Sitzung am Mittwoch in Brüssel eine Einigung zu erzielen, jedoch ohne Erfolg. Die slowakische Forderung sei laut Diplomaten im Saal „besonders kontrovers“ gewesen. Ein weiterer Einigungsversuch ist für Freitag, den 14. März, geplant.
Wer sind diese Oligarchen?
Alischer Usmanow ist einer der reichsten Russen, Gründer des Konglomerats USM Holdings, Besitzer einer der größten Jachten der Welt und langjähriger enger Verbündeter von Wladimir Putin. Michail Fridman ist Mitbegründer der Alfa Group, einer der größten russischen Finanzgruppen. Beide wurden kurz nach der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 auf die EU-Sanktionsliste gesetzt.
Argumente von Bratislava und Budapest
Der slowakische Außenminister Juraj Blanár räumte vor den Abgeordneten ein, dass die Slowakei sich aktiv um die Streichung beider Männer von der Liste bemüht. Die Regierung argumentiert, dass die Beweise für ihre Aufnahme rechtlich schwach seien, und beruft sich auf einen Präzedenzfall aus dem Jahr 2024, als der slowakische Unternehmer Jozef Hambálka von den Sanktionen gestrichen wurde. Budapest hat dieser Position eine eigene Forderung hinzugefügt, und beide Länder blockieren gemeinsam auch die Verabschiedung des 20. Pakets neuer Sanktionen gegen Russland.
Der Oppositionspolitiker Ivan Korčok verurteilte die Situation mit den Worten, dass „die Slowakei russische Interessen verteidigt“. Die Partei Progresívne Slovensko bezeichnete die Schritte der Regierung als „Kollaboration und Verrat“.
Erdogans Brief und diplomatischer Hintergrund
Hinter den Bemühungen um die Streichung Usmanows stehen auch Interessen außerhalb der EU. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sandte am 2. März einen Brief an Premierminister Fico, in dem er ihn um Unterstützung bei der Streichung des Oligarchen von der Sanktionsliste bat. Usmanow ist russisch-usbekischer Herkunft und eng mit der Türkei und den zentralasiatischen Staaten – Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan – verbunden. Diese Länder, die in der Organisation Türkischer Staaten zusammengeschlossen sind, setzen sich seit langem für seine Streichung ein.
Was steht auf dem Spiel?
Die Folgen einer möglichen Blockade sind äußerst gravierend. Wenn die Sanktionen bis zum 15. März nicht von allen 27 Mitgliedern verlängert werden, verfallen sie automatisch – und die eingefrorenen Gelder werden nicht nur Fridman und Usmanow, sondern auch Wladimir Putin, Außenminister Sergej Lawrow und Tausenden anderen Personen freigegeben. Die übrigen 25 Mitgliedstaaten sind laut Diplomaten „fest“ gegen jede politisch motivierte Streichung von der Liste.
Der Streit um die Sanktionen findet vor dem Hintergrund breiterer Spannungen statt: Die Slowakei und Ungarn beschuldigen die Ukraine, die Öllieferungen über die Druschba-Pipeline absichtlich unterbrochen zu haben, und blockieren gleichzeitig einen EU-Kredit für Kiew in Höhe von 90 Milliarden Euro.
Präzedenzfall mit weitreichenden Folgen
Die Entscheidung der Botschafterrunde am Freitag könnte einen wichtigen Präzedenzfall schaffen. Wenn die EU dem Druck zweier Mitglieder nachgibt und Oligarchen politisch von der Liste streicht, schwächt dies die Glaubwürdigkeit des gesamten Sanktionsmechanismus. Wenn umgekehrt die Slowakei oder Ungarn die Sanktionen blockiert, gerät die Union in eine beispiellose Situation – ohne Sanktionen gegen Russland überhaupt.
Bleib auf dem Laufenden!
Folge uns auf Facebook für die neuesten Nachrichten und Artikel.
Folge uns auf Facebook