Umfrage sieht Tisza mit 20-Punkte-Vorsprung, Orbán lässt Soldaten aufmarschieren
Laut einer aktuellen Medián-Umfrage führt die Tisza-Partei bei den sicheren Wählern mit 20 Prozentpunkten Vorsprung vor den Wahlen am 12. April, während Viktor Orbán Soldaten zur Bewachung der Energieinfrastruktur beordert hat.
Rekordhoher Unterschied in Meinungsumfrage
Vierzig Tage vor den Parlamentswahlen am 12. April hat das Meinungsforschungsinstitut Medián den größten jemals gemessenen Unterschied zwischen den beiden führenden Parteien registriert. Laut der Umfrage, die sowohl von Telex als auch von Népszava zitiert wird, liegt die Tisza-Partei bei den sicheren Wählern bei 55 Prozent, während Fidesz–KDNP 35 Prozent erreicht – ein Vorsprung von 20 Prozentpunkten. Die Umfrage wurde zwischen dem 18. und 23. Februar im Auftrag von HVG durchgeführt.
Auch in der gesamten wahlberechtigten Bevölkerung ist die Überlegenheit von Tisza beträchtlich: Dort beträgt der Unterschied 11 Prozentpunkte. Die Umfrage weist auch auf eine wesentliche Teilnahmeasymmetrie hin: 97 Prozent der Tisza-Sympathisanten geben an, sicher wählen zu gehen, verglichen mit 85 Prozent im Fidesz-Lager. Dieses Verhältnis allein kann das Endergebnis erheblich beeinflussen.
Péter Magyar strebt Zweidrittelmehrheit an
Péter Magyar, Vorsitzender und Ministerpräsidentenkandidat der Tisza-Partei, reagierte umgehend auf die Veröffentlichung der Umfrage: Dies sei der größte jemals von Medián gemessene Unterschied, und er betonte, dass die Partei eine Zweidrittelmehrheit anstrebe. Ohne diese sei es nicht möglich, die von Fidesz ernannten Personen in verfassungsmäßigen Positionen zu entfernen oder die staatlichen Medien grundlegend umzugestalten, warnte er in einem Interview mit Telex.
Magyar erinnerte auch an die polnische Parallele: Wenn Tisza keine Zweidrittelmehrheit hätte, würde Fidesz – wie die PiS in Polen – alles tun, um die Umgestaltung zu verhindern. Laut HVG ist die Partei nach den aktuellen Umfragen nahe an der Zweidrittelhürde.
Orbán lässt Soldaten auf die Straße bringen
Am selben Tag, an dem Medián den Rekordvorsprung von Tisza veröffentlichte, gab Viktor Orbán nach einer Sitzung des Verteidigungsrates bekannt, dass Soldaten und Verteidigungsmittel in der Nähe kritischer Energieinfrastruktur – Kraftwerke, Umspannwerke und Kontrollzentren – stationiert werden. Laut Portfolio.hu begründete Orbán die Entscheidung damit, dass die nationalen Sicherheitsdienste ihn darüber informiert hätten, dass die Ukraine „weitere Aktionen vorbereitet, um das ungarische Energiesystem zu stören“. Im Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg wurde auch ein Drohnenflugverbot verhängt.
Laut einem Bericht von Telex hat der Abzug der Soldaten am 27. Februar begonnen. Verteidigungsminister Kristóf Szalay-Bobrovniczky koordinierte die Operation persönlich.
Propaganda oder echte Bedrohung?
Oppositionelle und unabhängige Analysten stellen die Notwendigkeit des militärischen Aufmarsches stark in Frage – insbesondere aufgrund des zeitlichen Zusammentreffens: Die Ankündigung erfolgte genau am selben Tag wie das Rekordergebnis von Tisza. Laut einer Analyse von 444.hu „dient das Bild der entsandten Soldaten auch den unverhohlenen Propagandazielen von Fidesz“: Der Anblick von auf der Straße patrouillierenden Soldaten löst eine starke emotionale Wirkung aus, die der Regierungspartei zugute kommt. Die Europäische Kommission teilte gleichzeitig mit, dass hinter der Unterbrechung der Druschba-Erdölleitung keine politischen Absichten stecken, sondern Reparaturarbeiten an einem ukrainischen Abschnitt.
Doppeltes Meinungsbild und Aussichten
Das regierungsnahe Nézőpont Intézet veröffentlichte am selben Tag eine eigene Umfrage, wonach Fidesz 46 und Tisza 40 Prozent erreichen – die Ergebnisse stehen in krassem Gegensatz zu den Daten von Medián. Die Wettplattform Polymarket zeigt jedoch, dass mehr als 60 Prozent der Wetter Péter Magyar für den nächsten Ministerpräsidenten halten.
In der letzten, entscheidenden Phase des Wahlkampfs mobilisieren beide Seiten maximal. Auf den Reisen von Péter Magyar wurden lange Schlangen an den Empfehlungssammelständen von Tisza dokumentiert, während Viktor Orbán – nach eigenen Angaben – mit einer Wahlbeteiligung von 65 Prozent rechnet, die seiner Meinung nach für einen Sieg von Fidesz ausreicht. Das Endergebnis wird maßgeblich davon abhängen, ob aus den erhobenen Absichten am 12. April tatsächlich eine Teilnahme wird.
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