AfD legt zu: Merz-Koalition im Superwahljahr unter Druck
Die Grünen gewannen die Landtagswahl in Baden-Württemberg knapp vor der CDU, während die AfD ihren Stimmenanteil fast verdoppelte. Bundeskanzler Friedrich Merz schloss eine Zusammenarbeit mit der AfD erneut aus – doch sein Zustimmungswert ist auf einem historischen Tiefstand.
Bitteres Ergebnis für die CDU in Baden-Württemberg
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 hat die bundespolitischen Kräfteverhältnisse schonungslos offengelegt. Mit 30,2 Prozent setzten sich die Grünen knapp vor der CDU (29,7 Prozent) durch – ein Ergebnis, das CDU-Kanzler Friedrich Merz selbst als „bitter" bezeichnete. Obwohl die Christdemokraten gegenüber der letzten Wahl deutlich zulegten (+5,6 Prozentpunkte), reichte es nicht zum erhofften Sieg. Die bisherige Koalition aus Grünen und CDU wird aller Voraussicht nach fortgesetzt; Cem Özdemir ist als Ministerpräsident gesetzt.
AfD fast verdoppelt – FDP fliegt raus
Das eigentliche politische Erdbeben ereignete sich an anderer Stelle: Die AfD erzielte 18,8 Prozent und verzeichnete damit die stärksten Zugewinne aller Parteien (+9,1 Prozentpunkte) – das beste Ergebnis in der Geschichte der Partei in Baden-Württemberg. Die SPD hingegen stürzte auf ein historisches Tief von 5,5 Prozent und schaffte den Einzug nur knapp. Die FDP scheiterte mit 4,4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde und ist erstmals seit 1992 nicht mehr im Stuttgarter Landtag vertreten.
Die Wahlbeteiligung stieg auf 69,6 Prozent – ein Plus von 5,8 Prozentpunkten gegenüber 2021 – und signalisiert eine wachsende politische Mobilisierung, von der vor allem die AfD profitierte.
Merz bekräftigt die Brandmauer
Trotz des starken AfD-Abschneidens machte Bundeskanzler Merz unmissverständlich klar: Eine Zusammenarbeit mit der AfD kommt nicht infrage. „Ich werde keine andere Mehrheit im Bundestag suchen, auch wenn einzelne Verlage das jetzt fordern", sagte er auf einer Pressekonferenz nach der Wahl. Auch CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel schloss aus, sich mit AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen: „Kein Amt der Welt ist das wert."
Die AfD hatte ihren Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier nach der Wahl ein Koalitionsangebot an die CDU machen lassen – das wurde von beiden Seiten der Union umgehend abgelehnt.
Merz' Popularität auf Tiefstand
Die schwarz-rote Bundeskoalition steht indes unter erheblichem Druck. Laut ZDF-Politbarometer bewerteten 56 Prozent der Befragten die Arbeit des Kanzlers als „eher schlecht"; 59 Prozent beurteilten die Regierungsleistung insgesamt negativ. Zum Vergleich: Merz' Vorgänger Olaf Scholz startete mit 65 Prozent Zustimmung, Angela Merkel gar mit 72 Prozent.
Besonders gravierend: 72 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind der Ansicht, die Bundesregierung tue zu wenig für die Konjunktur. Wirtschafts- und Sozialpolitik gelten als Hauptstreitfelder innerhalb der Koalition.
Fünf Landtagswahlen als Bewährungsprobe
Das „Superwahljahr" 2026 hat gerade erst begonnen. Auf die Baden-Württemberg-Wahl folgen vier weitere Landtagswahlen:
- 22. März: Rheinland-Pfalz
- 6. September: Sachsen-Anhalt
- 20. September: Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
Insbesondere die Herbstwahlen in Ostdeutschland gelten als gefährliches Terrain für die Volksparteien – die AfD könnte dort erstmals als stärkste Kraft in Regierungsverantwortung drängen. Für die schwarz-rote Koalition bedeutet das: Jede unpopuläre Entscheidung in Berlin – sei es beim Rüstungsetat, beim Klimaschutzprogramm oder bei Sozialreformen – wird unmittelbar auf die Wahlurnen durchschlagen.
Zerreißprobe für die große Koalition
Politikwissenschaftler sehen in den kommenden Wochen eine entscheidende Phase. Die Koalition muss gleichzeitig ein Klimaschutzprogramm vorlegen, den Verteidigungshaushalt erhöhen und sozialpolitische Kompromisse finden – alles unter den Augen einer zunehmend ungeduldigen Wählerschaft. Die Frage, ob die Brandmauer gegenüber der AfD auch bei schlechteren Bundesumfragen standhält, wird das politische Berlin noch lange beschäftigen.
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